Artikel getaggt mit ‘Piraterie’

Noch mehr ungeordnete Gedanken zu "Piratenpartei"

Piratenpartei – das klingt erst mal abenteuerlich. Hier die Piraten, Säbel in der Hand, Pistole im Gürtel und natürlich immer ein Lachen im sonnengebräunten Gesicht, vor allem für die Damen. Dort die Spießer, betagte Flottenkapitäne und geschniegelte Schnösel, denen man die Prise zu recht entreisst.

Natürlich sind Piraten in Wirklichkeit “Seeräuber”, also Lügner und Diebe, Sklavenhalter und Schmarotzer, die von der Arbeit Anderer leben. Die Frage ist nun, ob unter diesem Gesichtspunkt nicht eigentlich alle Parteien “Piratenparteien” sind…

Juli 21, 2009 at 6:56 nachmittags 4 Kommentare

1 Paar ungeordnete Gedanken zu Piraten

Schreiben ist kein Geschäftsmodell mehr” provoziert man auf Meedia.de, und wie man an den ersten Kommentaren sehen kann, sind viele Leser offenbar nicht mehr in der Lage, zwischen dem Ergebnis journalistischer Arbeit und dem Ergebnis ihrer Eingabe von <irgendwas> bei Google zu unterscheiden. Verständlich, dass die gleichen Leute dann sagen, man bräuchte diese Arbeit gar nicht. Als Ursache für ihren Irrtum mag ich aber ausmachen, dass sich diese Leser bereits im Prozess der digitalen Verblödung befinden, weil sie ausschliesslich Online-Medien im Boulevard-Bereich konsumieren und schon lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals, einen richtigen Artikel außerhalb des Boulevard gelesen haben. Denn hätten sie das getan, wüssten sie, wie ein recherchiertes Stück aussehen kann und wie viel Vergnügen es bereitet, ein solches zu lesen.

Ursache für diese unqualifizierte Aburteilung ist einerseits, dass viele schon gar nicht mehr wissen, warum Zeitungen so aussehen, wie sie aussehen. (Oder was der Unterschied zwischen DVD und Kino ist.) Und natürlich, dass ein Grossteil der Medien – online wie offline – tatsächlich nur schnell zusammengehauenen Schund liefert. (Man braucht sich ja nur mal meedia.des kritische Interviews anzusehen.) Was kein Wunder ist, denn für wenig Geld kann man ja nur Light-Text produzieren, siehe obigen Beitrag.

Doch Schreiben hat deswegen noch lange nicht sein Geschäftsmodell verloren. Vielmehr hat “Online” bisher noch nie Geschäftsmodell gehabt (außer schlecht bezahlter und blockierbarer Werbung), weil Online nicht in der Lage ist, die Tauschaktion (Geld gegen Ware) zwingend durchzusetzen, anders als zum Beispiel der Konsum einer Currywurst, bei dem selten die Frage aufkäme, ob man sie nicht auch einfach klauen könne.

Daher hat allein “Online-Schreiben” kein Geschäftsmodell, jedenfalls nicht, solange das selbe oder ähnliche Geschriebene andernorts umsonst zu haben ist. Umsonst ist es zu haben, solange 1. genug VC und anderes Spielgeld zirkuliert, um zahlreichen Online-Unsinn zu finanzieren (ich finde ja, wir brauchen noch ein paar weitere social networks), und es 2. genug Leute gibt, die sich für solche Medien ausbeuten lassen (“white labeled content”-Zulieferer, Nebenberufs-Freie) und es 3. keine klare Gesetzgebung und deren harsche Umsetzung gibt, die den Diebstahl von Texten in die Schranken weisen.

Denn die Wahrheit ist, dass es nicht wenige Online-Medien gibt, die eigentlich nicht schlecht leben nur davon, dass sie auf im Kern unverblümt gestohlene oder gestohlene und nur leicht variierte mediale Produkte ihre Werbung drauf kleben. Einige unter ihnen geben das mit Hinweise “via <Quelle>” wenigstens (oder dreisterweise) zu, aber das macht es nicht besser. Als Musterbeispiel aus dem Bewegtbildbereich seien all die YouTubes angeführt, die ihre Attraktivität zum großen Teil gestohlenen Inhalten verdanken und noch nicht mal eine Quelle nennen.

Das Geschäftsmodell des Medieninhalteverkaufs lässt sich im Internet (derzeit) nicht durchsetzen, zugleich lässt sich der Diebstahl von Medieninhalten (derzeit) nicht verhindern (zumindest tut es keiner, kein Anwalt und kein Medienverleger), weder technisch noch juristisch. Letzteres liegt allein daran, dass der Sachverhalt global und lokal zugleich ist, so dass sich immer technische und juristische Schlupflöcher auftun – allein wegen dieser Probleme existiert so was wie YouTube noch, wo ich, wenn ich ein beliebiges Musikstück hören will, einfach seinen Titel eingebe und es garantiert geliefert kriege, ebenso garantiert ohne Zustimmung des Urhebers oder Copyright-Inhabers.

Zugleich haben wir in D soeben die Piratenpartei zu Wahl zugelassen. Sie steht de facto für den Wunsch vieler Medienkonsumenten, Medieninhalte anonym, kostenlos und werbefrei konsumieren zu können, anders gesagt für den verständlichen Wunsch, weiterhin Medieninhalte ungestraft stehlen zu können. Wäre es so einfach, iPhones und Fahrräder zu klauen, wie es einfach ist, Medieninhalte zu rauben, hätten wir alle iPhones und Fahrräder. Die Piratenpartei ist nun angetreten um zu verhindern, dass Hersteller von iPhones und Fahrrädern Maßnahmen ergreifen dürfen, damit ihnen iPhones und Fahrräder nicht mehr geklaut werden.

Die Medien wiederum haben nicht genug Standing, um dies eindeutig auszusprechen und die Feigenblättchen der Piraten zu enttarnen, natürlich weil sie damit nicht im Interesse ihrer Leser handeln würden, denen sie ja seit Jahren vermitteln, wie man mit weniger Mitteln mehr rausholen kann, hier ein Schnäppchen machen, etc.

“Das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, muss gestärkt werden.”, schreibt die Piratenpartei bei “Unsere Ziele“. Das Recht des einzelnen Autoren, Journalisten, Dichters, Musikers, Saxophonisten, Werbetexters, Filmemachers, Drehbuchautors, Fotografen, Erfinders, Software-Entwicklers ist denen, die tatsächlich ganz unverblümt ihre Piraterie auf der Fahne tragen, dabei völlig egal, es geht ihnen allein um das Recht des einzelnen Medieninhaltediebes. Denn von denen gibts es mehr mit Wählerstimmen, als es Medieninhaltehersteller mit Wählerstimmen gibt.

(Ich möchte betonen, dass ich die anderen Piraten, nämlich die Verleger von Medieninhalten, ausführlich ausklammere, den die wären einen eigenen Diskurs wert, und der müsste mit großer Keule geführt werden; Medieninhaltehersteller sind für mich ausschliesslich jene Personen, die einen Arbeitstag damit verbringen, Medieninhalte herzustellen, und die am Ende des Arbeitstages ein Recht auf einen Teller Suppe haben, denn dafür haben sie einen klugen Text geschrieben, ein informatives oder erbauendes Bild fotografiert, ein heiteres Lied geschrieben oder sonstwas nützliches getan. Wir würden all die Medien ja nicht konsumieren, wenn wir das nicht irgendwie wollen und gut finden würden, oder?)

Meine Lösung lautet, einfach so weiterzumachen wie bisher und zu warten, bis der Markt sich bereinigt. Denn wo liegt eigentlich das Problem? Die Klickzahlen der Meister des Online-Gossip sind doch fabelhaft. Und wenn nicht, dann sollen sie bitteschön dicht machen (oder staatliche Hilfe beantragen, die Piraten aus den Banken und die Millionengehälter einstreichenden Auto-Fritzen können das ja auch, selbst Parteien wie die Piratenpartei dürfen auf Wahlkampfhilfe aus der Steuerkasse hoffen, sprich aus jenem Topf, in den auch Medieninhaltehersteller, zum Beispiel Autoren, einzahlen). (Apropos staatliche Hilfe: Das wäre sogar sehr fair! Medieninhaltehersteller, die für ARD, ZDF und so weiter arbeiten, werden ja ebenfalls durch ein steuerähnliches Zwangskonstrukt bezahlt – man könnte das ja ausweiten…)

Wenn die Medieninhalte klickzahlenmäßig gesehen erfolgreicher Formate journalistisch gesehen nur minderwertige Ware darstellen, dann spricht das doch eine deutliche Sprache. Der Leser WILL diesen Ramsch, und neunmalkluge Kommentatoren mit Sätzen wie “Versierte Internetnutzer sind kaum noch auf die Monopolstellung der ’4. Macht’ im Staat angewiesen – und ich finde das gut!” (welche Monopolstellung denn?) oder “Wofür bitte schön sollten sie denn dann bezahlt werden? Diesen Datenmüll kann sich jeder User selber ziehen.” kennen einfach nichts anderes als diesen Ramsch. Sie verdienen auch nichts anderes, weil sie für nichts anderes bezahlen. Genauso gut könnte man RTL2 gucken und sich darüber beklagen, es gäbe so wenig Arthaus-Spielfilme.

Ich bezweifle nicht, dass keineswegs alle potentiellen Leser dumm sind. Die Klügeren unter ihnen, die mehr lesen wollen, als eine Google-Recherche oder Wikipedia ihnen bieten könnten, werden sicher irgendwann Geld dafür ausgeben, dass andere ihre Zeit damit verbringen, für sie etwas interessantes zu recherchieren, zu schreiben, zu dichten, zu fotografieren, zu programmieren, zu komponieren oder zu filmen. Das passiert ja auch heute Millionenfach, ja, die Leute legen sogar Geld für die BILD hin.

Bei Qualitätsmedien wird es nur leider in Zukunft etwas mehr Geld kosten, weil es an Einnahmen in der Masse fehlt (die Masse zieht sich ja derweil den Gratis-Newsmüll rein) und die Werbetreibenden sich aus dem Spiel entfernt haben werden, weil ihnen AdWords genügen.
Anders gesagt: Meiner Meinung nach ist das künftige Aufkommen des derzeit allenthalben bloß propagierten Qualitätsjournalismus eine zwangsläufige Begleiterscheinung des derzeit allenthalben real anzutreffenden Schundboulevards, und er wird noch geraume Zeit auf Papier stattfinden, weil das ein bewährtes Micropayment-System mit eingebauter, knebelfreier DRM besitzt.

Nicht zuletzt sehe ich auch viel Potential bei Verlagen. Die Dummheit, mit der so mancher Anzeigenverkauf unterwegs ist, lässt sich vermeiden – damit hätte man so manchen Titel retten können (ja, ich weiß, wovon ich hier spreche). Etwas verstaubte Titel kann man auf Vordermann bringen, aber dazu bedarf es halt inhaltlicher und personeller Entscheidungen; doch viele Verlage arbeiten mit Hierarchien, die eher denen in Geheimlogen gleichen – es ist teils so lächerlich, dass ich die 5 Euro ins Phrasenschwein gerne gebe dafür, dass ich hier wirklich die Phrase der “verkrusteten Strukturen” bemühe, die vielleicht sogar eher versteinert sind. Die Distanz zwischen Print- und Online-Abteilungen kann man verringern und aufheben, bis klar ist, dass überhaupt kein Artikel mehr nur für das eine oder andere Medium geschrieben wird, sondern stets für beide – nur eben unterschiedlich präsentiert. Vielleicht wird einigen Verlegern auch mal aufgehen, dass sie sich ernsthaft Gedanken machen müssen, ob sie die nächste Vertriebsrevolution wieder Google, Amazon und Apple überlassen wollen oder zur Ausnahme mal selber ihren Arsch hochkriegen – na schön, das war jetzt sicher utopisch gedacht.

Ja, äh, Gedanken, ungeordnet, wie angekündigt.

Juli 18, 2009 at 7:50 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

15jährige Studie beisst CEO-Hund

“Die Medien”, so heisst es immer öfter, würden ihren Job nicht machen und verstünden sich zunehmend als News-Drücker, die irgendwelchen Agentureinheitsbrei auftischen würden und dabei nur auf die Klicks schielten. “Moment!”, entgegne ich da oft und singe das Lied von Qualitätsmedien, etwa der ZEIT, und das man nicht jeden News-Drücker mit “den Medien” gleichsetzen dürfe.

Kann ich mir in Zukunft ersparen. In der Rubrik “Wirtschaft / Unternehmen” bringt die ZEIT tatsächlich die Agenturbreimeldung des Tages um einen 15-Jährigen, der seinen Medienkonsum erklärt. “Lakonisch hatte er aufgezählt, warum seine Freunde keine Zeitungen kaufen, kaum Radio hören, fürs Telefonieren selten bezahlen und so fort.”, heißt es da. Bei der Welt, die ihre Kompaktausgabe ja bereits von Halbwüchsigen schreiben läßt, ist der Schüler bereits “Bankenguru“, in der FTD läßt er “Analysten alt aussehen” (man zeige mir im Text mal, wo das der Fall ist), andernorts wird gar die “Bankenszene erschüttert“. Pfui deibel.

Wenn ich mich nun zurückerinnere, mit 15, hmm… Ich denke mal, ich habe damals auch keine Zeitung gekauft, noch nicht mal Bravo. Ich habe nie Radio gehört, denn da kam eh nur Schrott für Rentner (das hat sich bis heute nicht geändert, und wenn ich Rentner sein werde, wird da IDM laufen und keiner unter 80 wird das hören wollen). Und fürs Telefonieren habe ich ebenfalls nicht bezahlt (ich bin nur manchmal dafür angemault worden von denen, die es bezahlt haben). Auch für Musik gab ich kaum einen Groschen aus, denn natürlich hatte einer von uns (der mit der Kohle) immer die Platten, wir anderen hatten bloß die Mix-Tapes (“Homerecording is killing Music”, behauptete die Musikindustrie damals, schaffte es aber mangels geistiger Flexibilität noch, auch die MP3-Revolution zu verschlafen).

Anders gesagt: Ein wenig in Erinnerungen schwelgen hätte Morgan-Stanley sicher nicht geschadet, und man darf zu Recht fragen, warum “Fondsmanager, Vorstandschefs und Analysten” “in den Bankentürmen von Tokio, Singapur, New York und London” sich um den Marktbericht “reißen”, statt mal ihre eigenen Kinder oder Enkel zu fragen. Dann bräuchten diese überbezahlten Geldverbrenner nämlich kein teures Geld für solche “Studien” (AFP) ausgeben.

“Die Medien-Bosse stehen nur vor einem Scherbenhaufen.”, heißt es auf n-tv, womit klar ist, dass man sich angesichts solcher Berichterstattung auch deren Website sparen kann.

Wer keine Kinder hat und auch nur Kinderlose kennt: Das PDF gibts bei ft.com, eine gelungene Zusammenfassung bei ZIB. Es lohnt sich, den Report anekdotischer Erkenntnis zu lesen und mit dem zu vergleichen, was die Online-Medien daraus gemacht haben. Meine Zusammenfassung: Möglichst gratis oder wenigstens billig, trotzdem ohne Werbung. Quelle Erkenntnis! Sollte jemand eine Studie kennen, aus der hervorgeht, das irgendjemand möglichst teure Medien mit möglichst viel Werbung haben möchte, sage er mir bitte Bescheid.

Juli 15, 2009 at 5:09 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Warum ich von simyo abrate

Ab und zu ziehe ich mal um und suche einen Nachmieter oder ich habe auf eine andere Weise einen Grund, meine Telefonnummer in die Zeitung zu setzen. Weil ich natürlich nicht wahnsinnig bin, setze ich nicht meine Standardnummer in die Zeitung. Zu diesem Behufe erwarb ich eine simyo-Karte. Auch deshalb, weil ich mich aus verschiedenen Gründen ab und zu selbst anrufen muss.

Allerdings tat ich das vor Jahren, und es ist wohl auch etwas her, dass ich sie zuletzt benutzte. Nun brauchte ich sie genau JETZT, und sie ging nicht. Ich wollte mich einloggen, um zu prüfen, wo das Problem liegt, aber simyo behauptete, ich sei gar kein Kunde, die Mobilnummer (die meiner simyo-SIM-Karte) existiere nicht. Darüber wollte ich mich beschweren. Als simyo-Kunde durfte ich das aber nicht, denn als solchen erkannte simyo mich nicht an. Als nicht-simyo-Kunde konnte ich es tun, obwohl ich ja Kunde bin, allerdings existierte kein entsprechender Betreff wie “simyo-SIM-Karte wurde überraschend und ohne Ankündigung deaktiviert”, denn so war es ja.

Der Support reagierte sogar zeitnah.

“Nach Überprüfung Ihrer Daten haben wir festgestellt, dass Ihre simyo SIM-Karte am 20.10.2008 deaktiviert wurde.”
Nicht “wurde”, meine lieben simyos. Ihr habt sie aktiv & willentlich deaktiviert.

“Eine einmal deaktivierte simyo SIM-Karte kann nicht wieder reaktiviert werden.”
Ist ja wohl nicht meine Schuld. Und glauben tue ich das auch nicht. Wer sollte denn willentlich ein solches Feature in sein System einbauen? Etwa jemand, der damit verdienen will, dass man sich ne neue Karte kaufen muss?

“Sie können Ihr simyo Guthaben so lange nutzen, wie Ihre simyo SIM-Karte aktiv ist.”
Also jetzt nicht mehr.

Was mit meinem Guthaben passiert ist, erwähnt die Mail keine Sekunde lang. Es wurde verschluckt. Es ist weg. Futsch, im Eimer. Abgesaugt von der Firma simyo, die mit “Ohne Vertragsbindung, ohne Grundgebühr, ohne Mindestumsatz” wirbt, aber nach 12 Monaten MEIN Guthaben zu ihrem eigenen Guthaben macht, ohne dafür eine Dienstleistung zu erbringen, abgesehen von der, dafür auch noch meine Karte unreaktivierbar zu deaktivieren. (Ein ähnliches Raub-Verhalten findet sich übrigens bei der Firma Skype)

Natürlich könnte man für die xundzwanzigfuchzig Euro vor Gericht ziehen, macht aber natürlich niemand, hat auch keinen Zweck. Daher sei es nur im Blog erwähnt mit der aktiven Aufforderung an alle, schlechte Erfahrungen mit Abzocke alle Art auf ähnliche Weise zu publizieren. (Hier noch der Link zur Google-Suche abzocke simyo.)

Kommentare der Art “Hätteste halt das Kleingedruckte gelesen” möge man sich bitte sparen. Meine Meinung zu Kleingedrucktem ist, dass man es auch gross drucken könnte, wenn man keine schurkischen Absichten zu verbergen trachtet. Und schlechte Konditionen klein zu drucken macht die Konditionen nicht besser.

Februar 28, 2009 at 6:45 nachmittags 5 Kommentare

Dezemberumfrage: Finanzkrise

Die Finanzkrise ist in aller Munde, wie eine gigantische Immobilien-Megafritte, die man sich gierig ins Maul gestopft hat, und die nun zu heiß ist zum Schlucken und zu groß zum Kauen, aber Ausspucken will man sie auch nicht, denn der Megafrittismus kann kein Irrtum gewesen sein. Daher fragt unsere Hype-2.0-Dezemberumfrage zur Stärkung der Binnennachfrage:

[poll id="4"]

Dazu dieser Hinweis aus dem Restaurant Seehase am Wannsee nahe Berlin:

Warum die Rechnung zu hoch ist

Apropos Konsumgutscheine: [ironie]: Hätte es schon viel früher geben müssen. Ich bräucht echt mal n neuen Hummer.[/ironie]

Dezember 8, 2008 at 6:41 vormittags 3 Kommentare

"Die Welt ist eine Google" und "minderbepimmelt"

Nachtrag zum Thema abschreiben: “Die Welt ist eine Google” – was für eine köstliche Diskussion zu einem überflüssigen Streit zwischen Online-Urgestein Peter Glaser und einem, hihi, “FAZ-ke”, der scheinbar noch mit Blei setzt.

Ein paar Kostproben, sinngemäss zitiert:
“Warum ist die Welt eigentlich eine Gugel?”
“Weil sich da zwei Journalisten an die Gugel gehen.”
“Googlehupf! Es fehlt eindeutig an einem Googlehupf in dieser Diskussion.”

Was gelernt hab ich trotzdem:

  • Das Wort “minderbepimmelt” zum Beispiel, das wurde nämlich unter Umständen in eben dieser Diskussion erfunden.
  • Google News hat ein Archiv mit Timeline-Funktion: google.com/archivesearch. Wusst ich nicht, die Lücke ist mir geradezu peinlich.
  • Man darf kein Wort wie “Googleschreiber” benutzen, ohne es vorher gegooglet zu haben – es könnte ein anderer erfunden haben.
  • Viel wichtiger: Wahnsinnig viele Leute glauben, Google = Internet. Was sie in Google nicht finden, existiert nicht. Und von Google als Treffer gelistet zu werden entspricht einem Existenzbeweis. “Ich suchmaschinenoptimiere, also bin ich.”. <- das habe nun übrigens ich erfunden, ebenso wie “Ich SEO, also bin ich.” plus alle Variatonen, (C) (P) (TM) (ETC). Und wähhä!, wenn mich einer ohne Quellnachweis zitiert!
  • Und nicht zuletzt habe ich bei der oben genannten Diskussion gelernt, dass es dieses Bild gibt: agentur-waizenegger.de/bilder_direkt/1186071076china-rice-bag-fallen-over.jpg

Übrigens: Die Welt ist keine Kugel, sondern ein Rotationsellipsoid.

August 13, 2008 at 5:56 nachmittags 7 Kommentare

Milch-Streik

Seit einigen Tagen gehe ich täglich an die Milchtheke und kaufe mir eine Packung Buttermilch. Ich gehe da eigentlich nur hin, weil ich zusehen will, wie die Theke wegen des aktuellen ‚Milchstreiks’ leerer wird – und weil ich videobloggen möchte, wie sich rotgesichtige Mütter um Frischkäse und Verdauungs-Optimierungs-Drinks prügeln, während ihre Bälger unbeobachtet das Milchschnitten-Regal plündern.

Doch die Wahrheit ist: Deutschlands Theken sind voll. Täglich aufs neue. Ja, die MoPro-Abteilungen bersten schier über vor diversifizierten Molkereiprodukten.

Das wirft Fragen auf. Etwa: Ist der Milchstreik nur eine Medien-Hype? Liefern etwa unsere streikverbrecherischen Nachbarländer all die Molkereiprodukte? Gluckern wir also jetzt den Polen und Ungarn (oder gar: den Chinesen!) die Milch weg? („Ab 5:45 wird zurückgesoffen?“)

Oder, noch schlimmer: War in Müller-Milch-Produkten und dem weißen Zeug von Nestle vielleicht gar nie Milch drin gewesen?

Juni 2, 2008 at 12:38 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Eine Meldung und ihre Geschichte

Interessant, wie schnell die Medien die Räuberpistole auspacken, und andere es abschreiben – dabei hätten schon ein paar Anrufe Licht ins Dunkel gebracht.

Zu allem Überfluss mischt jetzt auch noch Spiegel Online mit.

Mai 29, 2008 at 7:44 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Skype freut sich diebisch beim Abkassieren

Seit etwa einem Jahr habe ich 9,96 9,70 Euro Guthaben bei Skype, weil ich halt irgendwann mal einen Outcall brauchte. Skype weist mich seit einigen Tagen darauf hin, heute, Donnerstag, würde mein Guthaben verschwinden, wenn ich es nicht endlich ausgebe. Diese Logik darf man sich auf der Zunge zergehen lassen wie Hundekot: Wir reden hier nicht über “Guthaben” wie in “Gutschein”, sondern wie in “Harte 10 Euro eingezahlt”. Entschuldigung, dass ich kein Vieltelefonierer bin.

Na, egal. Soeben, Donnerstag, kurz nach 22 Uhr, starte ich Skype, um Geld auszugeben, um Geld zu sparen. Leider ticken bei Skype die Uhren wohl anders, denn: meine Kohle ist weg, Skype hat mich bestohlen. Ich kann daher nur jedem davon abraten, sich den türkisfarbenen Geldabsauger auf den Rechner zu holen.

Nachtrag: Ob Skypes Zwangsnutzungsregeln rechtens sind, darf zumindest laut lawblog und unfehlbar bezweifelt werden, das Problem hatten laut Skype-Forum auch andere – schön zu wissen, dass man nicht der einzige Trottel ist.

Mai 22, 2008 at 9:20 nachmittags 2 Kommentare

PrivateDatenVZ

Einen Beitrag weiter unten ging’s noch um Xing als Hostessenbörse – doch am virtuellen Bordstein im virtuellen Business-Netz geht’s weitaus züchtiger zu als in anderen Communitys: Über unddu.de als Spam-Schleuder etwa haben wir bereits berichtet (das Problem ist übrigens bis heute eher noch schlimmer geworden) – und diesmal StudiVZ unter die Lupe genommen.

Diese adrette, junge Dame (23) war unser Lockvogel, um Klicks und private Daten Nachrichten zu ergaunern. Dazu stellten wir ein Bild von einer Website mit angeblich heiratswilligen Russinen ein, gaben uns als Studentin an der LMU München aus und behaupteten, nette Partys und Datings zu suchen.

Schlaumeier und Hobby-Detektive erkannten natürlich allein am Profilbild, dass es sich um einen Fake handeln muss. Google spuckt auf der Recherche nach “Katya Belov” lediglich einen Treffer auf Facebook aus, wo zwar tatsächlich eine “Katya Belov” registriert ist – die nur leider völlig anders als bei StudiVZ aussieht. Die unerwartete Folge: nicht etwa Droh-Mails feindlicher Studentinnen, die ihr Revier verteidigen wollten, sondern schleimige Anbiederungsversuche einsamer Wölfe im Studentenpelz, die mal so richtig den Macker raushängen ließen.

Im Zeitraum vom 2. bis 9. Mai bekamen wir so vier Nachrichten von* Thomas N., Daniel B., Marc-André Z. und Alex G.: von “Tolle Frau!” bis “Du bist bei mir richtig!” war inklusive privater Daten der rolligen Studenten alles dabei. Noch besser sieht unsere Gruschel-Statistik aus*: Kevin N., Pascal Ö., Michael N., Daniel Z., Mario K., Daniel B. und Felix X. haben uns virtuell in den Po gekniffen. Darunter übrigens mit Laura H. auch eine Frau (- die uns jetzt extrem verdächtig vorkommt).

Moral daraus: Soziale Netzwerke kosten viel Zeit und richtig Nerven! Während unddu.de pseudotrendigen Podcastern und Web-TV-Produzenten zuspielt, ist StudiVZ so etwas wie ein digitaler Swingerclub mit aufdringlichen Internet-Machos. Und: Die Datenschutz-Onkels nerven zwar, haben aber eben doch recht.

Anm.: Seit dem 9.5., 11:45 Uhr, haben wir uns als Fake zu erkennen gegeben – mal sehen wie lange Riecke & Co. mit dem Profil ihre Statistiken aufhübschen unser Account gültig bleibt.

Mai 9, 2008 at 5:00 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

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