Artikel getaggt mit ‘Medien’

Mehr Hype – durch virale Videos

…und alles, was dazu gesagt werden muss, finden Sie hier:

Juli 27, 2010 at 3:02 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

1 Paar ungeordnete Gedanken zu Piraten

Schreiben ist kein Geschäftsmodell mehr” provoziert man auf Meedia.de, und wie man an den ersten Kommentaren sehen kann, sind viele Leser offenbar nicht mehr in der Lage, zwischen dem Ergebnis journalistischer Arbeit und dem Ergebnis ihrer Eingabe von <irgendwas> bei Google zu unterscheiden. Verständlich, dass die gleichen Leute dann sagen, man bräuchte diese Arbeit gar nicht. Als Ursache für ihren Irrtum mag ich aber ausmachen, dass sich diese Leser bereits im Prozess der digitalen Verblödung befinden, weil sie ausschliesslich Online-Medien im Boulevard-Bereich konsumieren und schon lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals, einen richtigen Artikel außerhalb des Boulevard gelesen haben. Denn hätten sie das getan, wüssten sie, wie ein recherchiertes Stück aussehen kann und wie viel Vergnügen es bereitet, ein solches zu lesen.

Ursache für diese unqualifizierte Aburteilung ist einerseits, dass viele schon gar nicht mehr wissen, warum Zeitungen so aussehen, wie sie aussehen. (Oder was der Unterschied zwischen DVD und Kino ist.) Und natürlich, dass ein Grossteil der Medien – online wie offline – tatsächlich nur schnell zusammengehauenen Schund liefert. (Man braucht sich ja nur mal meedia.des kritische Interviews anzusehen.) Was kein Wunder ist, denn für wenig Geld kann man ja nur Light-Text produzieren, siehe obigen Beitrag.

Doch Schreiben hat deswegen noch lange nicht sein Geschäftsmodell verloren. Vielmehr hat “Online” bisher noch nie Geschäftsmodell gehabt (außer schlecht bezahlter und blockierbarer Werbung), weil Online nicht in der Lage ist, die Tauschaktion (Geld gegen Ware) zwingend durchzusetzen, anders als zum Beispiel der Konsum einer Currywurst, bei dem selten die Frage aufkäme, ob man sie nicht auch einfach klauen könne.

Daher hat allein “Online-Schreiben” kein Geschäftsmodell, jedenfalls nicht, solange das selbe oder ähnliche Geschriebene andernorts umsonst zu haben ist. Umsonst ist es zu haben, solange 1. genug VC und anderes Spielgeld zirkuliert, um zahlreichen Online-Unsinn zu finanzieren (ich finde ja, wir brauchen noch ein paar weitere social networks), und es 2. genug Leute gibt, die sich für solche Medien ausbeuten lassen (“white labeled content”-Zulieferer, Nebenberufs-Freie) und es 3. keine klare Gesetzgebung und deren harsche Umsetzung gibt, die den Diebstahl von Texten in die Schranken weisen.

Denn die Wahrheit ist, dass es nicht wenige Online-Medien gibt, die eigentlich nicht schlecht leben nur davon, dass sie auf im Kern unverblümt gestohlene oder gestohlene und nur leicht variierte mediale Produkte ihre Werbung drauf kleben. Einige unter ihnen geben das mit Hinweise “via <Quelle>” wenigstens (oder dreisterweise) zu, aber das macht es nicht besser. Als Musterbeispiel aus dem Bewegtbildbereich seien all die YouTubes angeführt, die ihre Attraktivität zum großen Teil gestohlenen Inhalten verdanken und noch nicht mal eine Quelle nennen.

Das Geschäftsmodell des Medieninhalteverkaufs lässt sich im Internet (derzeit) nicht durchsetzen, zugleich lässt sich der Diebstahl von Medieninhalten (derzeit) nicht verhindern (zumindest tut es keiner, kein Anwalt und kein Medienverleger), weder technisch noch juristisch. Letzteres liegt allein daran, dass der Sachverhalt global und lokal zugleich ist, so dass sich immer technische und juristische Schlupflöcher auftun – allein wegen dieser Probleme existiert so was wie YouTube noch, wo ich, wenn ich ein beliebiges Musikstück hören will, einfach seinen Titel eingebe und es garantiert geliefert kriege, ebenso garantiert ohne Zustimmung des Urhebers oder Copyright-Inhabers.

Zugleich haben wir in D soeben die Piratenpartei zu Wahl zugelassen. Sie steht de facto für den Wunsch vieler Medienkonsumenten, Medieninhalte anonym, kostenlos und werbefrei konsumieren zu können, anders gesagt für den verständlichen Wunsch, weiterhin Medieninhalte ungestraft stehlen zu können. Wäre es so einfach, iPhones und Fahrräder zu klauen, wie es einfach ist, Medieninhalte zu rauben, hätten wir alle iPhones und Fahrräder. Die Piratenpartei ist nun angetreten um zu verhindern, dass Hersteller von iPhones und Fahrrädern Maßnahmen ergreifen dürfen, damit ihnen iPhones und Fahrräder nicht mehr geklaut werden.

Die Medien wiederum haben nicht genug Standing, um dies eindeutig auszusprechen und die Feigenblättchen der Piraten zu enttarnen, natürlich weil sie damit nicht im Interesse ihrer Leser handeln würden, denen sie ja seit Jahren vermitteln, wie man mit weniger Mitteln mehr rausholen kann, hier ein Schnäppchen machen, etc.

“Das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, muss gestärkt werden.”, schreibt die Piratenpartei bei “Unsere Ziele“. Das Recht des einzelnen Autoren, Journalisten, Dichters, Musikers, Saxophonisten, Werbetexters, Filmemachers, Drehbuchautors, Fotografen, Erfinders, Software-Entwicklers ist denen, die tatsächlich ganz unverblümt ihre Piraterie auf der Fahne tragen, dabei völlig egal, es geht ihnen allein um das Recht des einzelnen Medieninhaltediebes. Denn von denen gibts es mehr mit Wählerstimmen, als es Medieninhaltehersteller mit Wählerstimmen gibt.

(Ich möchte betonen, dass ich die anderen Piraten, nämlich die Verleger von Medieninhalten, ausführlich ausklammere, den die wären einen eigenen Diskurs wert, und der müsste mit großer Keule geführt werden; Medieninhaltehersteller sind für mich ausschliesslich jene Personen, die einen Arbeitstag damit verbringen, Medieninhalte herzustellen, und die am Ende des Arbeitstages ein Recht auf einen Teller Suppe haben, denn dafür haben sie einen klugen Text geschrieben, ein informatives oder erbauendes Bild fotografiert, ein heiteres Lied geschrieben oder sonstwas nützliches getan. Wir würden all die Medien ja nicht konsumieren, wenn wir das nicht irgendwie wollen und gut finden würden, oder?)

Meine Lösung lautet, einfach so weiterzumachen wie bisher und zu warten, bis der Markt sich bereinigt. Denn wo liegt eigentlich das Problem? Die Klickzahlen der Meister des Online-Gossip sind doch fabelhaft. Und wenn nicht, dann sollen sie bitteschön dicht machen (oder staatliche Hilfe beantragen, die Piraten aus den Banken und die Millionengehälter einstreichenden Auto-Fritzen können das ja auch, selbst Parteien wie die Piratenpartei dürfen auf Wahlkampfhilfe aus der Steuerkasse hoffen, sprich aus jenem Topf, in den auch Medieninhaltehersteller, zum Beispiel Autoren, einzahlen). (Apropos staatliche Hilfe: Das wäre sogar sehr fair! Medieninhaltehersteller, die für ARD, ZDF und so weiter arbeiten, werden ja ebenfalls durch ein steuerähnliches Zwangskonstrukt bezahlt – man könnte das ja ausweiten…)

Wenn die Medieninhalte klickzahlenmäßig gesehen erfolgreicher Formate journalistisch gesehen nur minderwertige Ware darstellen, dann spricht das doch eine deutliche Sprache. Der Leser WILL diesen Ramsch, und neunmalkluge Kommentatoren mit Sätzen wie “Versierte Internetnutzer sind kaum noch auf die Monopolstellung der ’4. Macht’ im Staat angewiesen – und ich finde das gut!” (welche Monopolstellung denn?) oder “Wofür bitte schön sollten sie denn dann bezahlt werden? Diesen Datenmüll kann sich jeder User selber ziehen.” kennen einfach nichts anderes als diesen Ramsch. Sie verdienen auch nichts anderes, weil sie für nichts anderes bezahlen. Genauso gut könnte man RTL2 gucken und sich darüber beklagen, es gäbe so wenig Arthaus-Spielfilme.

Ich bezweifle nicht, dass keineswegs alle potentiellen Leser dumm sind. Die Klügeren unter ihnen, die mehr lesen wollen, als eine Google-Recherche oder Wikipedia ihnen bieten könnten, werden sicher irgendwann Geld dafür ausgeben, dass andere ihre Zeit damit verbringen, für sie etwas interessantes zu recherchieren, zu schreiben, zu dichten, zu fotografieren, zu programmieren, zu komponieren oder zu filmen. Das passiert ja auch heute Millionenfach, ja, die Leute legen sogar Geld für die BILD hin.

Bei Qualitätsmedien wird es nur leider in Zukunft etwas mehr Geld kosten, weil es an Einnahmen in der Masse fehlt (die Masse zieht sich ja derweil den Gratis-Newsmüll rein) und die Werbetreibenden sich aus dem Spiel entfernt haben werden, weil ihnen AdWords genügen.
Anders gesagt: Meiner Meinung nach ist das künftige Aufkommen des derzeit allenthalben bloß propagierten Qualitätsjournalismus eine zwangsläufige Begleiterscheinung des derzeit allenthalben real anzutreffenden Schundboulevards, und er wird noch geraume Zeit auf Papier stattfinden, weil das ein bewährtes Micropayment-System mit eingebauter, knebelfreier DRM besitzt.

Nicht zuletzt sehe ich auch viel Potential bei Verlagen. Die Dummheit, mit der so mancher Anzeigenverkauf unterwegs ist, lässt sich vermeiden – damit hätte man so manchen Titel retten können (ja, ich weiß, wovon ich hier spreche). Etwas verstaubte Titel kann man auf Vordermann bringen, aber dazu bedarf es halt inhaltlicher und personeller Entscheidungen; doch viele Verlage arbeiten mit Hierarchien, die eher denen in Geheimlogen gleichen – es ist teils so lächerlich, dass ich die 5 Euro ins Phrasenschwein gerne gebe dafür, dass ich hier wirklich die Phrase der “verkrusteten Strukturen” bemühe, die vielleicht sogar eher versteinert sind. Die Distanz zwischen Print- und Online-Abteilungen kann man verringern und aufheben, bis klar ist, dass überhaupt kein Artikel mehr nur für das eine oder andere Medium geschrieben wird, sondern stets für beide – nur eben unterschiedlich präsentiert. Vielleicht wird einigen Verlegern auch mal aufgehen, dass sie sich ernsthaft Gedanken machen müssen, ob sie die nächste Vertriebsrevolution wieder Google, Amazon und Apple überlassen wollen oder zur Ausnahme mal selber ihren Arsch hochkriegen – na schön, das war jetzt sicher utopisch gedacht.

Ja, äh, Gedanken, ungeordnet, wie angekündigt.

Juli 18, 2009 at 7:50 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

The Sky is the Limit

Ich saß heute snackend im Yum und wunderte mich über allerlei Gedöns und Radau. Irgendwas mit ‘Sky‘. – Ach ja richtig, die wollten ja den Premiere-Nachfolger Sky launchen, heute Nacht soll das passieren. Und sie haben dafür ganz offensichtlich richtig Patte hingelegt, denn die Schrannenhalle ist zwar pleiter als die BRD, aber sie war zu diesem Anlaß so fein rausgeputzt, dass ich schon Angie, Obama oder eine Michael-Jackson-Trauergala vermutete.

Nun, ich habe Premiere immer für überflüssig gehalten, weil TV erstens blöd macht, zweitens unterstütze ich lokales Business und gehe in die Videothek und drittens habe ich ja schon ein Pay-TV, nämlich die öffentlich-entrechtenden Sender, die mir via GEZ Kohle abknöpfen und es dann auch noch wagen, sich selbst “Free-TV” zu nennen (Zitat Claus Kleber, angeblich Journalist, bei diesem Ausspruch aber wohl eher PR-Scherge). Aber egal.

Lese dennoch neugierig nach, was nun passieren wird: Von Millionenkampagnen ist da die Rede, ganze 100 Millionen sollen “investiert” werden. Kicher! Sind das etwa die selben Millionen (möglicherweise schon Milliarden), die man seit Jahren schon mit Premiere verludert?

100 Millionen … für so viel Geld kann man ganz viel Party machen. Zu den rund 700 geladenen Gästen gehörten daher unter anderem Hollywoodstar Samuel L. Jackson, Boxer Vitali Klitschko und Fussballgott Franz Beckenbauer, heißt es.

Na, das wird ganz sicher jeden Max Mustermann davon überzeugen, sich sofort ein Abo zu reißen [ans Hirn faß'].

Juli 3, 2009 at 5:12 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Corporate Blogs

Mir ist keine Sinfonie bekannt, die vom Komponieren einer Sinfonie behandelt oder davon, wie man mehr Zuhörer in den Saal kriegt.

Doch Blogger bloggen hauptsächlich übers Bloggen und darüber, wie man mehr Leser in die Blogs kriegt. Twitterer twittern oft übers Twittern (und bloggen darüber, wie man mehr Follower kriegt, denn twittern kann man nichts, was tiefsinniger ist als “Fahre Rolltreppe”). In social networks kann man Links auf seine Profilseiten bei anderen Social Networks setzen, Updates twittern und darüber bloggen, wie man mehr Kontakte in social Networks knüpfen kann.

Mir kommt das alles sehr, sehr selbstbefruchtend vor. Etwa wie eine Zeitung, die zum größten Teil aus “Medien”-Seiten besteht und viele Artikel enthält, wie Zeitungen mehr Auflage machen können. Oder eine Bibliothek, in der die meisten Sachbücher sich ums Bücherschreiben und die Bibliotheksorganisation drehen und die Romane die Abenteuer von Romanautoren beschreiben und ihre Suche nach dem Stoff für Bestseller.

Solange Blogger bloß bloggen, was sie in der Zeitung gelesen haben, und die Zeitungen dann über die besten Abschreibblogger berichten und den Link zum Artikel tweeten, in dessen Kommentaren sich weitere Blogger via TrittbrettTrackbacks zu verlinken versuchen, solange ist das doch alles ganz großer Scheibletten-Käse. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass diese ganze Websache – wie der Film – noch in den Kinderschuhen steckt und gar keiner weiß, was man damit vernünftiges anfangen könnte.

Wenn das überhaupt möglich ist. Was mich täglich mehr wundert, ist, warum ganze Industrien dem 2.0-Mist hinterher rennen. Dass Peter und Paul twittern, hey, was soll’s, es ist doch lustig. Aber nachdem sich etliche große Unternehmen in second life eine schwurbelige Scheinexistenz eingerichtet haben, die keine Sau je besucht hat, werden dieselben Unternehmen sich doch nun bitte nicht in Unternehmens-Twittern und “Corporate Blogs” ergehen!?

Wer um Himmels Willen will denn ein Firmen-Blog lesen? Das ist so sinnvoll wie eine Website für Scheibletten. Ich sage es hiermit öffentlich: Mein Feedreader verwaltet hunderte von Feeds, keiner davon ist Corporate. Ich trinke ein Becks, wozu den Becks-Blogger lesen? (Und wer zum Beispiel sollte einen Apple-Firmen-Blog lesen wollen? Die brauchen noch nicht mal einen Pups zu lassen, schon bloggt sich der virtuelle Go-go-Gadgeto-Blätterwald darüber die Tastaturen blutig, dass sie ja eventuell einen hätten lassen können.)

Es wird wohl auch an den Reklame- und PR-Prasslern liegen. Nachdem die Firmen in Blogs und Twittern ununterbrochen gelesen haben, dass Blogs und Twitter wahnsinnig wichtig sind, fragen sie sich verzweifelt, wie sie da irgendwie mitmachen können. “Wir müssen was tun”, heißt es irrtümlicherweise in irgendwelchen Wichtelmeetings. Wen engagieren? Natürlich einen Experten. Spuckt der akademische Apparat die aus? Nö. Daher ist nun plötzlich jeder Social-Media-Experte (oder, wie heute in einer Mail gesehen, ein “Guerilla-Experte”, was übersetzt heißt: Ich machs Dir billig, Kunde). Wie wird man dazu? Indem man sich bei zig Networks anmeldet, zig Blogs betreibt und nebenher twittert. Schon kann man den Unternehmen in Seminaren das Geld aus der Tasche ziehen.

Ich lache hiermit lauthals jeden Unternehmer aus, der sich ein Blog oder gar einen 3D-Avatar-Quatsch hat andrehen lassen. Du Blödmann! Das wird bald ein Wettbewerbsvorteil: sich nicht im geringsten auf 2.0 eingelassen zu haben. Mal schauen, wie lange www.trigema.de & Co es noch ohne schaffen…

Februar 2, 2009 at 7:29 vormittags 8 Kommentare

3nach9

Vorweg kurz meine unerhebliche und unfundierte Meinung zum Gaza-Konflikt: Wenn mir einer regelmässig ne Rakete reinschiesst, dann ticke ich auch irgendwann mal durch; das mag ungerecht und unangemessen sein und die Vorgeschichte ausser acht lassen, aber es wird trotzdem passieren.

Manchmal gibt es auch den Anti-Hype. Das ist, wenn mal was wirklich aufregendes passiert, aber keiner drüber schreibt. So geschehen in den letzten drei Tagen. Passiert war: Peter Scholl-Latour, der knarzende Erklärer der Weltpolitik, wurde in der Talkshow 3nach9 von Allrounderin Amelie Fried und Zeit-Boss Giovanni di Lorenzo mal zu viel, mal zu wenig zu Wort gelassen, ausgerechnet im Streit mit der mir völlig unbekannten Melody Sucharewicz, einer ausgesucht hübschen Münchnerin, die durch ein TV-Casting in Israel für ein Jahr zur einer “inoffiziellen Botschafterin Israels” geworden war, was auch immer das genau sein mag.

Scholl-Latour sprach, nein rumpelte über Strategie und Politik, Sucharewicz über ungerechte Berichterstattung und Trommelkurse – man könnte analog zum asymmetrischen Krieg von einem asymmetrischen Dialog sprechen, in dem sich, wie bei solchen Konflikten üblich, beide nicht mit Ruhm bekleckerten, dafür aber reichlich Eitelkeit verspritzten. Das sah dann so aus: www.radiobremen.de.

Was hat das bei Hype^2.0 zu suchen? Nun, versuchen Sie doch mal, über diese Sendung etwas zu finden im Blätterwald der Webzines, wo sonst jede Will/Maischberger/JBK-Plörre am nächsten Tag pointenreich nacherzählt wird. Nullinger. Nichts. Betretenes Schweigen. Lange Zeit gab es nur einen lesenswerten und stark kommentierten Beitrag auf www.readers-edition.de, der sicher das Meinungsbild der meisten Mitzuschauer spiegelt, sowie diese launische Notiz bei meedia.de, seit heute Nachmittag immerhin noch was leider sehr halbgares auf www.fr-online.de. Warum zerreist sich der Blätterwald nicht das Maul?

Kann mich nicht mehr erinnern, wer sonst noch in der Sendung war, aber Henryk M. Broder und “Nicole” hätt ich mir noch reingewünscht.

Januar 19, 2009 at 6:54 nachmittags 1 Kommentar

Wenn der WLAN-Klodeckel Dünnpfiff twittert

Seit nunmehr mehr als einem Jahrzehnt lese ich regelmässig, es käme die so dringend benötigte Mikrowelle mit Internet-Anschluss. Ja, schon als Windows 95 noch Windows 4.0 hieß, schwärmte zum Beispiel Microsoft von einer Techn”ologie”ik namens Microsoft At Work, noch ganz ohne “@” fürs “At”, weil man in Redmond ja gerade AktiveDabei war, über der vor allem in Whitepapers stattfindenden Vernetzung von Faxmaschinen und Kopierern mit bräsigen Windows-for-Workgroups-3.11-PCs das Internet zu verpennen.

Seitdem alljählich: Die Mikrowelle zum Surfen kommt. Der Kühlschrank, der mitdenkt, ist da. Das WC der Zukunft begrüßt Sie persönlich – dank biometrischem Arsch-Abdruck.
Alles Bullshit. Bis auf das WC, das gibts bestimmt längst – in Japan.

Golem, die PR-Waschzettelgefütterte Wiederkäumaschine solchen Bullshits, präsentiert diese Woche: Fugoo will Uhren und Kaffeemaschinen vernetzen.

Über ein Display kann der Nutzer beispielsweise einstellen, wie feinkörnig die Maschine den Kaffee mahlen soll.

Ein Wahnsinn. An meinem 5-Euro-Toaster von Woolworth kann ich einstellen, wie braun der Toast werden soll – wie geht das, ohne “offene und modale Architektur” und ohne Display?

Es muss einen versteckten Hypnose-Trigger geben, der die 1-Cent-pro-Wort-Pickelkinder, die von Golem und anderen contentverarbeitenden Klickviehmagneten als News-Praktikanten (geworben über Stellengesuch “Portal Manager”) verheizt werden, dazu bringt, ödeste Alltagsgeräte als hippen Lifestyle zu hypen, sobald diese mehr als ein 7-Segment-Display oder ‘ne olle BNC-Buchse haben. Seltsamerweise gilt dies nicht für Nähmaschinen, obwohl diese ja inzwischen, wie sich jeder bei seiner Mama oder Oma überzeugen kann, hochtechnisierte Embedded-OS-Teile mit programmierbaren Nähmuster-Widgets sind, die unseren Müttern und Großmüttern fortgeschrittene Assembler-Kenntnisse abfordern.

PR-Tipp an Hersteller von Wasch- und Kaffeemaschinen, Duschkabinen und elektrischen Zahnbürsten, Personenwaagen und Tupperware-Klonen aller Art: Einfach mal ‘ne “Designstudie” vorstellen, in der Ihr Plastikramsch irgendwie was mit WLAN, Web oder Handy (vorzugsweise iPhone) macht, dazu ein bisschen Begriffsdropping wie “Internet der Dinge” oder “offene und modale Architektur” reinwursten, schon gibts Clippings in Jeden-Bullshit-als-allerallererster-Melder-Gadget-Blogs, Tageszeitungen und im IT-Blätterwald, ganz sicher auch bei den “News für Profis“.

Wichtig auch social web features: zum Beispiel den Fussabstreifer die Zahl der Fussabstreifungen twittern lassen o.ä.. Auch wenn das Produkt nie kommt, war die Marke in den Medien – und wen interessiert in einem Jahr noch, wer den Stuß brachte? Schlimmstensfalls kommt eine Story “Designstudien, die nie was wurden”, und da gibts dann ein weiteres PR-Clipping. Das ist derart Win-Win, dass man weinen möchte vor Glück.

Zum Abschluss noch zwei Mal Golem im Originalton. Fachlich unerreicht:

Die Internetverbindung funktioniert in beiden Richtungen.

Früher war es ja so, dass die Server im Internet per Telepathie erahnen mussten, welche Info die Endegeräte haben wollen, und diese dann schickten – damals ging die Interverbindung eben nur in einer Richtung, oder? Was haben wir gelacht. Auch bei dieser spritzigen Pointe:

Die Uhr könne so nicht nur die Zeit anzeigen, sondern erfreue den Nutzer am Morgen auch gleich mit aktuellen Börsennachrichten

Januar 12, 2009 at 7:22 vormittags 1 Kommentar

Quotengeilheit / Auflagengeilheit 2.0

It’s hard to find anyone these days who promotes the notion of the journalist as public hero.

Richtig. In Film und Fernsehen sind Journalisten nur noch sabbernde Nebenrollenschurken, immer geil darauf, ein paar Drecksblätter mehr zu verkaufen oder die Glotzquote rücksichtslos in die Höhe zu schrauben. Doch wie siehts im social web aus?

Jubelblogs spekulieren und fabulieren (und kopieren) Gerüchte über den neusten Gadget-Krimskrams, während die Kollegen von den Nörgelblogs ausschliesslich im Altpapier nach Fehlern fanden. Alles wirft sich in den Staub vor SEO und betet Google an, in der Hoffnung auf Gnade vor dem jüngsten Gericht des Pagerank. Die neuen “social media whores” twittern nur noch Tipps, wie man noch mehr Twitterer ins Follower-Bett kriegen könnte. Nach Vorbild der Chart-Shows aus dem eigentlich verhassten Massenmedium TV verwandeln Rankings wie deutscheblogcharts.de die Blogosphäre in ein riesiges, user generated DSDS.

Wird es in “Stirb Langsam v5″ folgerichtig ein aus dem Flugzeug twitternder Blogger sein, der für ein paar Hits, Klicks und Feed-Abos mehr die Geiseln in Gefahr bringt?

Januar 8, 2009 at 7:34 vormittags Hinterlasse einen Kommentar

Browser-Hype um Google Chrome

Es gibt Dinge, die sind so wichtig wie ein fünftes Bein am Stuhl, zum Beispiel “noch ein Webbrowser”. <ironie>Wer mit Firefox und Internet Explorer nicht zufrieden war, der konnte bisher ja nur auf Flock und Opera ausweichen, und ein paar andere. Ein Quasimonopol, also, fast. “Geht gaa nich!”, dachte man sich beim Anti-Monopolisten Google und launchte mit “Chrome” nun einen eigenen Browser. Gaaanz wichtig. Müssen wir alle sofort haben. Endlich 3-Tage-Woche, mehr Sex & Kinder, Rente sicher, keine Energieprobleme mehr – und Weltfrieden!</ironie>

Schlimmer noch sind die Überschriften, zu denen sich einige Rezensenten verstiegen haben. Das gibt es schlimme Browser-Wortspiele, etwa “Google browst auf” und die blöde Frage “Browst Google Microsoft davon?” samt Antwort “Chrome browst allen davon“. Bruhaha! Schlimmer sind aber die Chrom-glänzt-Wortspiele: “Glänzender Angriff“, “So will „Chrome“ glänzen” und “Chrome wird glänzend aufgenommen” klingt jeweils wenigstens noch sachlich, aber “Warum Googles Chrome so strahlt“, fragt der Herr Journalist. Ja, strahlt Chrom denn? – Kombinieren läßt sich derlei Logorrhöe übrigens auch: “Die aufbrowsende Datenkrake wird verchromt” – gnihihi, das ist so richtig schön doof.

Bei so viel kreativer Verausgabung kann den Autoren der zweiten Stunde natürlich nichts mehr einfallen. Dann kommt nach viel, viel Pressen im stillen Örtchen maximal ein “Google will die Welt ver-Chrome-n” heraus – was haben wir geweint. Ebenso beim stumpfen Langweiler “Verchromte Ökonomie” (häh?) und “Googles neuer Browser: Wird Mono-Chrome zum Monopol?” – ist das schon Dada oder noch moderne Kunst?

Das loben wir uns doch ein “Kampf der Giganten” – das passt immer, und das schon seit Hunderten von Jahren. Ein Evergreen, der zeigt, dass Google News keine Chance hat gegen die gesammelte Geistreichigkeit der Presse.

Hype^2.0 blickt in die Zukunft und sieht voraus, wie nach den aktuellen Jubel-Beiträgen die Überschriften der ersten Chrome-Kritiken aussehen werden. Kritischer Einzeltest: “Chrome – nur schöner Schein?“. Vergleichstest: “Mit ausgefuchstem Chrome auf Safari in der Opera“, Vergleichstest-Fazit: “Googles Browser glanzlos“, Datenschutz: “Chrome gesundheitsschädlich“, Sicherheitslücken: “Kratzer im Chrome“, Insider-Story “Chrome entblättert“, Tuning: “Mehr Licht!” und “Chrome aufpoliert“, Internet-Explorer-wie-Google-Browser-aussehen-lassen: “Vista-Browser verchromt“… (würg’)

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September 3, 2008 at 4:06 nachmittags 7 Kommentare

"Die Welt ist eine Google" und "minderbepimmelt"

Nachtrag zum Thema abschreiben: “Die Welt ist eine Google” – was für eine köstliche Diskussion zu einem überflüssigen Streit zwischen Online-Urgestein Peter Glaser und einem, hihi, “FAZ-ke”, der scheinbar noch mit Blei setzt.

Ein paar Kostproben, sinngemäss zitiert:
“Warum ist die Welt eigentlich eine Gugel?”
“Weil sich da zwei Journalisten an die Gugel gehen.”
“Googlehupf! Es fehlt eindeutig an einem Googlehupf in dieser Diskussion.”

Was gelernt hab ich trotzdem:

  • Das Wort “minderbepimmelt” zum Beispiel, das wurde nämlich unter Umständen in eben dieser Diskussion erfunden.
  • Google News hat ein Archiv mit Timeline-Funktion: google.com/archivesearch. Wusst ich nicht, die Lücke ist mir geradezu peinlich.
  • Man darf kein Wort wie “Googleschreiber” benutzen, ohne es vorher gegooglet zu haben – es könnte ein anderer erfunden haben.
  • Viel wichtiger: Wahnsinnig viele Leute glauben, Google = Internet. Was sie in Google nicht finden, existiert nicht. Und von Google als Treffer gelistet zu werden entspricht einem Existenzbeweis. “Ich suchmaschinenoptimiere, also bin ich.”. <- das habe nun übrigens ich erfunden, ebenso wie “Ich SEO, also bin ich.” plus alle Variatonen, (C) (P) (TM) (ETC). Und wähhä!, wenn mich einer ohne Quellnachweis zitiert!
  • Und nicht zuletzt habe ich bei der oben genannten Diskussion gelernt, dass es dieses Bild gibt: agentur-waizenegger.de/bilder_direkt/1186071076china-rice-bag-fallen-over.jpg

Übrigens: Die Welt ist keine Kugel, sondern ein Rotationsellipsoid.

August 13, 2008 at 5:56 nachmittags 7 Kommentare

Spiegel schreibt ab

Dass die Online-Postille spiegel.de das HTML nicht wert ist, das sie strukturiert, ist ja ein alter Hut. Dass die Altpapierversion nicht nur auf xndzwanzig Seiten verzweifelt versucht, das Internet schlecht zu schreiben, sondern dabei auch noch wüst Ideen klaut, hätte noch nicht mal ich vermutet. Gesehen hats die grossartige medienlese.com schon vor Tagen, aber man kann gar nicht oft genug drauf hinweisen, dass die Speerspitze längst abgebrochen ist.

August 13, 2008 at 5:00 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

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