Artikel getaggt mit ‘Journalismus’

Zoomer…

…macht dicht.

Verzichtbar”

, hatten wir ja schon vor einem Jahr prophezeit. Und weil wir da den ersten Screenshot veröffentlicht haben, folgt der Vollständigkeit halber nun der letzte:

das war Zoomer.de

das war Zoomer.de

Offenbar halten die Server dem plötzlichen Ansturm der Leser nicht stand, die einem Medium beim Krepieren zusehen wollen.

Februar 9, 2009 at 5:44 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Quotengeilheit / Auflagengeilheit 2.0

It’s hard to find anyone these days who promotes the notion of the journalist as public hero.

Richtig. In Film und Fernsehen sind Journalisten nur noch sabbernde Nebenrollenschurken, immer geil darauf, ein paar Drecksblätter mehr zu verkaufen oder die Glotzquote rücksichtslos in die Höhe zu schrauben. Doch wie siehts im social web aus?

Jubelblogs spekulieren und fabulieren (und kopieren) Gerüchte über den neusten Gadget-Krimskrams, während die Kollegen von den Nörgelblogs ausschliesslich im Altpapier nach Fehlern fanden. Alles wirft sich in den Staub vor SEO und betet Google an, in der Hoffnung auf Gnade vor dem jüngsten Gericht des Pagerank. Die neuen “social media whores” twittern nur noch Tipps, wie man noch mehr Twitterer ins Follower-Bett kriegen könnte. Nach Vorbild der Chart-Shows aus dem eigentlich verhassten Massenmedium TV verwandeln Rankings wie deutscheblogcharts.de die Blogosphäre in ein riesiges, user generated DSDS.

Wird es in “Stirb Langsam v5″ folgerichtig ein aus dem Flugzeug twitternder Blogger sein, der für ein paar Hits, Klicks und Feed-Abos mehr die Geiseln in Gefahr bringt?

Januar 8, 2009 at 7:34 vormittags Hinterlasse einen Kommentar

Kuriose Datenverluste, faul abgeschrieben

Ganz schön peinlich: Am 9.12. veröffentlicht Kroll Ontrack eine Top-10-Liste kurioser Datenverluste; peinlich ist aber nicht das, denn diese PR-Leute wussten ausnahmsweise sehr gut, was sie da taten, denn die Story ist natürlich ganz witzig, Storyboard-PR hin oder her.

Peinlich ist, wer da so abschreibt, wie und wann.

9.12.. PC-Welt, nahezu 1:1-Abschrieb, bebildert mit Fotos, die gar nicht das zeigen, was passiert ist.

10.12.: Auch die InformationWeek hat mal den Posteingang durchgearbeitet, schreibt aber immerhin das Zeug um, um die Illusion von Journalismus zu erzeugen, und zeigt nur ein einziges Bild, das nichts mit den Infos zu tun hat.

11.12.: T-Online.de übernimmt die “News” , als Nano-Häppchen fürs Klickvieh. Richtig übel. Wer das klickt, ist selber schuld. Bah!

14.12.: Fast ‘ne Woche nach dem Release der Pressinfo kippt ein weiterer Kopf müde auf die Tastatur, sein Inhaber wacht davon auf und schreibt für die Wolfsburger Allgemeine eine Kolumne zum Thema, immerhin mit ehrlichem Verweis auf die Primärquelle, wow.

17.12.: Die www.ftd.de hats auch schon mitbekommen und bebildert ebenfalls mit Fotos, die gar nicht die wirklichen Ereignisse zeigen, sondern Symbolbilder sind (doppelpluspeinlich). Dazu ein Zitat aus dem vollmundigen Mission Statement der FTD: “Wir sind immer auf der Suche nach exklusiven Geschichten. Wir wollen Scoops – relevante Informationen, die andere Blätter nicht haben.” Aha, und um Exklusivität zu erreichen, wartet ihr einfach, bis der Waschzettel-Abschrieb bei den anderen im Archiv verschwindet, ehe ihr ihn dann auch mal bringt, oder was? – Naja, der Käse kommt scheints von syndicated von stern.de, wo man offenbar auch verlernt hat, dass Infos ein Datum haben, das ihnen einen Kontext schenkt. Daher ist diese nahezu identische Stern.de-Strecke kaum von der anderen zu unterscheiden, obwohl sie mutmaßlich aus einem anderen Jahr stammt. Naja, Gruner & Jahr, die Mutti von FTD und Stern, feuert übrigens erst demnächst 100 Leute – dann gibts garantiert noch weniger fundiertes zu lesen als offenbar jetzt schon.

18.12.: gulli:news schreibt einigermaßen um und verzichtet zugleich auf weitere zehn Klick-Bilder ohne Mehrwert. Man nennt IT SecCity.de als Quelle.
Die wiederum haben bloß die Presseinfo des Herstellers abgeschrieben, wagen es aber, im Impressum zu schreiben: “Die Inhalte dieser Website werden mit Sorgfalt recherchiert, erstellt und überprüft.” Ja, klar, das habt ihr bestimmt überprüft, Leute, genau.

Fazit: So klar trackbare News wie diese sollte man öfters mal analysieren, um zu sehen, wie müde der ganze Haufen ist. Kein Wunder, das die Alles-2.0-Gutfinder Twitter ernsthaft als Ablösung für Nachrichtenagenturen hypen. Und Blogs, das muss man mal sagen, haben es, soweit ich das nach Stichprobensuche via blogato und blogsearch beurteilen kann, nicht gewagt, die PR-Story einfach ins CMS zu klatschen.

PS: Bildstrecken! Die Pest des PI-Zeitalters. Aber wurscht, der Leser wirds schon klicken, Hauptsache buntibunti. (Ich wünsche mir zu Weihnachten Verweildauer als relevante Größe im Online-Marketing.)

PPS:Verwunderlich ist, dass Golem.de die Story nicht per Cut&Paste übernommen hat. Sucht man “Ontrack” über ihren Suchschlitz, fällt aber auf, dass die letzte Erwähnung von Ontrack aufs Jahr 2005 datiert, das Wort “Datenverlust” zuletzt im Zusammenhang mit Schäuble, Thunderbird 3 und iPhone fiel. Soviel zu “IT-News für Profis”.

Dezember 18, 2008 at 6:05 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Die Linke und die Meinungsfreiheit

Das Wahl-Hype-Jahr 2009 ist hiermit eröffnet, erster Gewinner ist der ehemalige Mitarbeiter des SED-Repressionsapparates, Lutz Heilmann. Lektion 1: Wer etwas gegen Ex-Stasi-Schergen aus der Partei “Die Linke” sagt, wird abgemahnt. Lektion 2: Was bei Wikipedia funktioniert hat, das wird man auch andernorts probieren. Man fragt sich: Wenn ich Die Linke wähle, wird dann auch der Brockhaus neu geschrieben? Aktuelle Geschichtsbücher sind sicher so manchem ein Dorn im Auge. Weg damit! Man muß sie ja nicht gleich verbrennen…

Auch China hat ein Ministerium für Staatssicherheit, genau wie die DDR, in deren MfS Herr Heilmann arbeitete. Falsch und erlogen ist aber die hiermit erfundene Falschaussage, die ersten PDS/Die Linke-Mitglieder hätten sich bereits in China angemeldet – zu Kursen in Internet-Zensur. “Im Vergleich zur BRD war die DDR in jeder Phase ihrer Entwicklung – selbst noch in ihrem ärgsten Niedergang – das friedlichere, sozialere, menschlichere Deutschland.”, sagt zum Beispiel die Frau Wagenknecht, die ebenfalls gerne mal die Wirklichkeit retuschiert.

Lektion 3: Wenn nicht alle sofort glauben würden, was in Wikipedia steht, müsste sich auch niemand so aufregen, wenn mal wieder was falsches drinsteht.

November 17, 2008 at 3:57 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

"Die Welt ist eine Google" und "minderbepimmelt"

Nachtrag zum Thema abschreiben: “Die Welt ist eine Google” – was für eine köstliche Diskussion zu einem überflüssigen Streit zwischen Online-Urgestein Peter Glaser und einem, hihi, “FAZ-ke”, der scheinbar noch mit Blei setzt.

Ein paar Kostproben, sinngemäss zitiert:
“Warum ist die Welt eigentlich eine Gugel?”
“Weil sich da zwei Journalisten an die Gugel gehen.”
“Googlehupf! Es fehlt eindeutig an einem Googlehupf in dieser Diskussion.”

Was gelernt hab ich trotzdem:

  • Das Wort “minderbepimmelt” zum Beispiel, das wurde nämlich unter Umständen in eben dieser Diskussion erfunden.
  • Google News hat ein Archiv mit Timeline-Funktion: google.com/archivesearch. Wusst ich nicht, die Lücke ist mir geradezu peinlich.
  • Man darf kein Wort wie “Googleschreiber” benutzen, ohne es vorher gegooglet zu haben – es könnte ein anderer erfunden haben.
  • Viel wichtiger: Wahnsinnig viele Leute glauben, Google = Internet. Was sie in Google nicht finden, existiert nicht. Und von Google als Treffer gelistet zu werden entspricht einem Existenzbeweis. “Ich suchmaschinenoptimiere, also bin ich.”. <- das habe nun übrigens ich erfunden, ebenso wie “Ich SEO, also bin ich.” plus alle Variatonen, (C) (P) (TM) (ETC). Und wähhä!, wenn mich einer ohne Quellnachweis zitiert!
  • Und nicht zuletzt habe ich bei der oben genannten Diskussion gelernt, dass es dieses Bild gibt: agentur-waizenegger.de/bilder_direkt/1186071076china-rice-bag-fallen-over.jpg

Übrigens: Die Welt ist keine Kugel, sondern ein Rotationsellipsoid.

August 13, 2008 at 5:56 nachmittags 7 Kommentare

User-Generated-Skandal

Böse Menschen munkeln, dass Web-2.0-Unternehmer besonders naiv seien. Da werden nicht nur Konzepte , sondern gleich ganze Seitenlayouts kopiert, unnütze Ideen bis zum Exzess exerziert und manchmal auch – wie im aktuellen Fall – die eigenen Naivitätsneigungen mit Größenwahn gekoppelt.

Mit watchblog-tv.de startete jetzt eine “neue Form des kritischen Video-Journalismus” für “kritische Beobachter von Wirtschaft und Politik” (Eigenwerbung!) – soweit, so gut, und klar: Wofür der Spiegel Verlag für seinen TV-Ableger mehrere Hunderttausend Euro pro Monat hinlatzen muss, genügen der sevenload GmbH ein paar kostenlos hochgeladene User-Videos, die dann mal eben ein paar Skandale der Republik aufdecken sollen, an denen sonst vollzeitbeschäftigte Journalisten für teuer Geld einige Monate hinrecherchieren. Von der fehlenden juristischen Absicherung – die bei solchen Geschichten die Suppe mal richtig haarig macht – abgesehen, haben die “Macher” nicht nur den Mund viel zu voll genommen, sondern sich beim Start auch kräftig blamiert.

Anlass für das User-Generated-Skandal-Portal war an sich das Hickhack um den weißgebleichten Gesundheitsopi Hademar Bankhofer, der sich via Fernseh-Schleichwerbung in der Blogosphäre unbeliebt machte. Aus bereits angedeuteten juristischen Gründen zogen mehrere Clip-Portale (unter anderem sevenload) einen entlarvenden Zusammenschnitt von lanu (bekannt von der wirklich feinen Seite boocompany) zurück – und watchblog-tv sah seinen Moment gekommen.

Problem nur: Kurz darauf prangte auf diesem einzigen watchblog-tv-Video bisher der Hinweis “Das Video wurde von dem Urheber zurückgezogen” – was Urheber lanu in seinem Blog mit “Quatsch mit Soße. Es wurde für diese Zwecke nie freigegeben, ihr Nasen!” kommentierte.

Und das war in der Tat: entlarvend!

Wer das Bankhofer-Video sehen will, kann das hier tun.

August 13, 2008 at 11:15 vormittags 1 Kommentar


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