Artikel getaggt mit ‘Gadgets’
Wenn der WLAN-Klodeckel Dünnpfiff twittert
Seit nunmehr mehr als einem Jahrzehnt lese ich regelmässig, es käme die so dringend benötigte Mikrowelle mit Internet-Anschluss. Ja, schon als Windows 95 noch Windows 4.0 hieß, schwärmte zum Beispiel Microsoft von einer Techn”ologie”ik namens Microsoft At Work, noch ganz ohne “@” fürs “At”, weil man in Redmond ja gerade AktiveDabei war, über der vor allem in Whitepapers stattfindenden Vernetzung von Faxmaschinen und Kopierern mit bräsigen Windows-for-Workgroups-3.11-PCs das Internet zu verpennen.
Seitdem alljählich: Die Mikrowelle zum Surfen kommt. Der Kühlschrank, der mitdenkt, ist da. Das WC der Zukunft begrüßt Sie persönlich – dank biometrischem Arsch-Abdruck.
Alles Bullshit. Bis auf das WC, das gibts bestimmt längst – in Japan.
Golem, die PR-Waschzettelgefütterte Wiederkäumaschine solchen Bullshits, präsentiert diese Woche: Fugoo will Uhren und Kaffeemaschinen vernetzen.
Über ein Display kann der Nutzer beispielsweise einstellen, wie feinkörnig die Maschine den Kaffee mahlen soll.
Ein Wahnsinn. An meinem 5-Euro-Toaster von Woolworth kann ich einstellen, wie braun der Toast werden soll – wie geht das, ohne “offene und modale Architektur” und ohne Display?
Es muss einen versteckten Hypnose-Trigger geben, der die 1-Cent-pro-Wort-Pickelkinder, die von Golem und anderen contentverarbeitenden Klickviehmagneten als News-Praktikanten (geworben über Stellengesuch “Portal Manager”) verheizt werden, dazu bringt, ödeste Alltagsgeräte als hippen Lifestyle zu hypen, sobald diese mehr als ein 7-Segment-Display oder ‘ne olle BNC-Buchse haben. Seltsamerweise gilt dies nicht für Nähmaschinen, obwohl diese ja inzwischen, wie sich jeder bei seiner Mama oder Oma überzeugen kann, hochtechnisierte Embedded-OS-Teile mit programmierbaren Nähmuster-Widgets sind, die unseren Müttern und Großmüttern fortgeschrittene Assembler-Kenntnisse abfordern.
PR-Tipp an Hersteller von Wasch- und Kaffeemaschinen, Duschkabinen und elektrischen Zahnbürsten, Personenwaagen und Tupperware-Klonen aller Art: Einfach mal ‘ne “Designstudie” vorstellen, in der Ihr Plastikramsch irgendwie was mit WLAN, Web oder Handy (vorzugsweise iPhone) macht, dazu ein bisschen Begriffsdropping wie “Internet der Dinge” oder “offene und modale Architektur” reinwursten, schon gibts Clippings in Jeden-Bullshit-als-allerallererster-Melder-Gadget-Blogs, Tageszeitungen und im IT-Blätterwald, ganz sicher auch bei den “News für Profis“.
Wichtig auch social web features: zum Beispiel den Fussabstreifer die Zahl der Fussabstreifungen twittern lassen o.ä.. Auch wenn das Produkt nie kommt, war die Marke in den Medien – und wen interessiert in einem Jahr noch, wer den Stuß brachte? Schlimmstensfalls kommt eine Story “Designstudien, die nie was wurden”, und da gibts dann ein weiteres PR-Clipping. Das ist derart Win-Win, dass man weinen möchte vor Glück.
Zum Abschluss noch zwei Mal Golem im Originalton. Fachlich unerreicht:
Die Internetverbindung funktioniert in beiden Richtungen.
Früher war es ja so, dass die Server im Internet per Telepathie erahnen mussten, welche Info die Endegeräte haben wollen, und diese dann schickten – damals ging die Interverbindung eben nur in einer Richtung, oder? Was haben wir gelacht. Auch bei dieser spritzigen Pointe:
Die Uhr könne so nicht nur die Zeit anzeigen, sondern erfreue den Nutzer am Morgen auch gleich mit aktuellen Börsennachrichten
Gerüchtküche um neue Apple-Hypeware
Nicht vergessen: Mit einem Wort wie “Gerüchteküche” jetzt = noch vor dem 9.9. die neuesten Gerüchte (iPod nano wieder länglich und mit Lagesensor, neue iPods touch billiger und mit GPS, neues iTunes 8 mit Geschmacksverstärker, etc.) aus der Küche des Web zusammentragen und am Ende hinzufügen: Sind natürlich nur Gerüchte. Danach kritisch schließen, etwa mit einem Hinweis darauf, dass wenn Apples iPod touch in seiner neusten Version tatsächlich das Wahnsinnsfeature eines Volume-Reglers eingeführt hat, dies nicht unbedingt als Innovaton gelten kann.
air poo
Das definitive Gadget für Apple-Fans: air poo.
März 12, 2008 at 1:57 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Urgemütlich wie echte Kerzen
“Urgemütlich wie echte Kerzen – aber viel sicherer und weit guenstiger in der Anschaffung.” verspricht Pearl beim neuen Top-Produkt “Lunartec 12 LED-Teelichte im Dekoglas inklusive Ladestation”.
Sehen wir uns das mal an:

Die Gemütlichkeit, die dieses … dieses … dieses DING spontan verbreitet, haut uns schier aus dem Hype-2.0-Sessel. Doch Vorsicht: Möglicherweise hält es auch den Coca-Cola-Mann fern…
November 30, 2007 at 12:23 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Weggezappt: Betty, die interaktive Fernbedienung
Betty, die interaktive Fernbedienung, ist vom Tisch: Am 30. November, stellt der Dienst seinen Dienst ein.
Auf den ersten Blick war „die Betty“ nur eine gewöhnliche High-Tech-Fernbedienung mit vielen bunten Knöpfen. Auf den zweiten Blick steckte aber noch mehr drin: ein Display und darunter Cursor-, Auswahl- und Abstimmtasten (A, B, C, D und OK). In diesen Bedienelementen steckte angeblich alles, was für das „Fernsehen 2.0“ nötig war.
Im Display zeigte sich eine Frage oder Aufforderung wie „Drücken Sie jetzt eine der Tasten A, B, C oder D und dann OK“, und der Kunde, der 40 Euro für die Betty abgedrückt hatte, konnte das dann tun. Tolle Sache, um zum Beispiel bei Quizshows im Fernsehen mitzuraten, wie viel Gramm Haare sich Muhammad Ali vor seinem Boxkampf gegen Joe Frazier bei der morgendlichen Rasur aus dem Gesicht geschabt hatte. Oder um während der Werbepause auf „OK“ zu drücken, wenn die Fernbedienung fragt: „Wollen Sie das Tampon, dessen Werbespot Sie gerade sehen, auch gleich bestellen?“ Voll interaktiv. Fernbedienung 2.0. Der helle Wahnsinn.

In ihrem Heimatland, der Schweiz, war die Betty angeblich höchst erfolgreich. In Deutschland wollte, auf Deutsch gesagt, keine Sau das blöde Teil haben. Tausende Controller stapeln sich hier, unverkauft, abgelehnt, unerwünscht – wie ein Volksbegehren für den Transrapid. Das wirft Fragen auf: Gefährdet unsere – im Vergleich zur Schweiz – mangelnde Erfahrung im Umgang mit und Bereitschaft zur Ausübung von „direkter Demokratie“ den High-Tech-Standort Deutschland? Sind wir Deutschen anders, wollen wir etwa nicht mitreden, unsere Meinung kundtun? A, B, C oder D wählen – ist das zu viel, zu schwer, zu komplex für uns?
Oder hatten wir bloß keinen Bock, nach Werbeblock (alle zehn Minuten), Senderlogo (rechts oben hängend) und Hinweis-Generve (als Laufzeile unten, auch ab und zu quer durchs Bild hopsend) noch einen weiteren Aufmerksamkeitskiller zu akzeptieren, der uns beim Angucken eines Filmes wie „Warum Bodhi-Dharma in den Orient aufbrach?“ stört?
Hype 2.0 sagt: Letzteres. Also ab in den Müll mit ihr.
Falls Sie anderer Meinung sind, drehen Sie doch ein Video wie http://de.youtube.com/watch?v=2qO25l9UGBk…
November 28, 2007 at 7:25 vormittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Smelly, der stinkende USB-Stick
“Die Smellys sind da”, tönt die Firma Chips & More. Wer alt genug ist, einen ZX81 in Z80-Assembler programmiert zu haben, erinnert sich sicherlich an den Aprilscherz mit der “SmellCard”, einer Einsteckkarte für Gerüche, die allerdings ein Aprilscherz war. Die “Smellys” sind leider kein Scherz, sondern 1-Gigabyte-USB-Sticks in den Geschmacksrichtungen Sunny Raspberry (bäh), Pina Colada (würg’), Warm Vanilla (spei’), Mimosa (übergeb’) und Tranquil Escape (synthstink’).
Was hat der Hersteller als Entschuldigung zu sagen? Das hier: “Die neuen 1GB USB Sticks mit extravaganten Duftnoten sorgen im Regal … für gute Stimmung.” Jehmineh! Welche Line haben die sich denn vor dem Texten reingezogen? Diese hier: “Damit man es vor dem Kauf ‘erschnüffeln’ kann – wer weiß schon wie Tranquil Escape riecht – ist in die Blister-Packung ein kleines Loch gestanzt, an das man die Nase pressen kann, um mal richtig durchzuziehen. Man sollte sich nicht daran stören, wenn einen die Kunden im Shop etwas entgeistert anschauen, weil man plötzlich so ein glückliches Lächeln im Gesicht hat! Doch Vorsicht, Sunny Raspberry haut den stärksten Eskimo vom Schlitten.”
Glauben wir gern.
Mehr zum Thema: SmellCard-Satire – …fies stinkende Visitenkarten – …eklige Karten mit Körpergeruch – …perverser Duftspender-Shop – …um Himmels willen: Wer kauft das bloß alles???
Oktober 31, 2007 at 7:44 vormittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Lackaffig
Von 50 Jahren, da gab es noch keine Synthesizer, da gab’s noch richtige Klaviere. Einige waren braun, ein bisschen abgeschabt und ideal für Ragtime und herunterdreschbare Gassenhauer. Den Triumphmarsch aus Aida spielte man dagegen auf einem Piano oder Flügel. Der Unterschied war oberflächlich betrachtet nur oberflächlich, denn letztere glänzten ordentlich, dank “Klavierlack”. Doch niemand wäre deswegen auf die Idee gekommen, das schäbige Wandklavier zu lackieren, nur um es wie einen Flügel glänzen zu lassen.
50 Jahre später ist alles aus chinesischem Plastik, dem Albtraum aller Innenarchitekten. Aber kein Problem: Man kann ja Klavierlack draufstreichen! Oder es zumindest so aussehen lassen, als hätte man Klavierlack draufgestrichen (daher auch nur: Klavierlack-”Optik”, denn wer kann sich den teuren Lack wirklich leisten?). So wird aus einem billigen China-MP3-Player ein “Lifestyle-Gadget”.
Ein Hype also. Angefangen hat damit glaubich irgendeine einigermaßen respektable Asiaten-Marke. Doch schon kurz darauf gab’s “Klavierlack-Optik”-Notebooks auch bei jenem Kaffeeröster, der ständig das Sortiment seines Kleinstkaufhauses wechselt. Es wurde schlimmer. Player, Fernseher, Notebooks, Handys: Inzwischen ist fast alles in ein Klavierlack-Simulacrum getaucht; Google listet heute gut 15.000 Fundstellen für “Klavierlack-Optik”.
Den glänzendsten Lack verpinselt diese Woche Samsung und verheißt: “Design-Revolution: Zwei Samsung-Printer präsentieren sich in eleganter Klavierlack-Optik”. O-Ton des Hochglanz-PR-Gewäschs: “Mit ihren fließenden Formen sowie der blauen LED-Beleuchtung setzen die Geräte in jeder Umgebung ganz besondere Akzente und erinnern dabei optisch an ein Design-Accessoire.”
Aha. Stellen Sie sich vor, Sie nehmen Ihren rasselnden Epson LX-800 9-Nadler von vor 20 Jahren und lackieren ihn schwarz glänzend. Sonntags dann, bei Kaffeekränzchen:
- “Was ist das da?”
- “Du meinst das Elegante, das mit seinen fließenden Formen Akzente setzt?”
- “Ja, genau. Es erinnert mich an optisch an ein Design-Accessoire!”
- “Das ist nur mein Drucker. Allerdings in Klavierlack-Optik…”
- “Nein, wirklich? Erstaunlich! Fast ein Wohn-Objekt…”
Jetzt ist auch klar, warum Apple bislang keine Drucker herstellte. Weil die stets wie das aussehen, was sie sind: Röhrende Platzfresser, die man drei Seiten am Tag braucht und deren klotzige Anwesenheit man den Rest der Zeit zähnknirschend in Kauf nehmen muss. Man darf sich vorstellen, wie ein Apple-Lifestyle-Printer aussehen würde: Format Mac mini; um ein A4-Papier zu bedrucken, muss man es vorher in der Mitte falten, damits hinein passt. “Revolutionär!”, würde es heissen. Und um den Knick zu entfernen, gäbs reichlich iZubehör.
Gedruckt würde weiß auf weiß – weils besser aussieht…
August 30, 2007 at 1:39 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Hype-Notebook von Apple
Würde Apple verkünden, mal wollte auf Papier ein Branchenbuch herausbringen, in dem Handwerker und andere Berufsgruppen gelistet sind, die üblichen Verdächtigen aus Hype-Presse und Jubelblogs würde es wahrscheinlich ebenfalls für eine Revolution halten. Wie anders ist zu erklären, dass die Ankündigung, man wollte ein Notebook mit Flash-Speicher-Bausteinen statt Festplatte auf den Markt bringen, so kritische Subheads nach sich zieht wie “Es wäre eine Revolution – und Steve Jobs der Konkurrenz mal wieder weit voraus.” (spiegel.de)
Ja, wirklich verdammt revolutionär, Monate nach der Ankündigung von Speicherherstellern, man wollte Flash-Festplatten für Notebooks bauen, zu beschliessen, dass man diese Dinger ja zum Beispiel auch in seine eigenen Notebooks einbauen könnte.
Vielleicht sollte jemand Apple zur Inspiration zuflüstern, dass mein HP Jornada 820e Subnotebook schon anno 1999 Flash-Speicher als Festplattenersatz verwendete und das es einige Silent-PCs gibt, die das ebenfalls und noch heute tun…
März 9, 2007 at 7:52 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
USB-Stick mit Logo und Name
Endlich mal was Sinnvolles: http://www.usb-designer.de/ bedruckt USB-Sticks mit Schriftzügen und Logos. Nicht ab 100 Stück oder zehn, nein, ab einem einzelnen Stück. Soweit eine prima Sache für Werbefritzen und natürlich für den wahrscheinlichen Fall, dass Sie als Kollegen nur lauter dreiste Speicher-Elstern haben. — Die Preise beginnen bei 15 Euro für einen Hungerleider mit 128 MByte, einseitig bedruckt, und enden bei derzeit 55 Euro für einen zweiseitig bedruckten 2-Gig-Stick. U3-Sticks gibt’s leider keine, immerhin ein passendes Encryption-Tool. — Ich bin trotzdem dagegen. Möglicht macht den überflüssigen Spaß nämlich der Teac-Drucker P-55B mit entsprechender Lade für die Sticks. Was bedeutet, dass wir in Bälde von individualisiertem USB-Speicher erschlagen werden. Und nichts ist doch schöner, als beim Kauf der vierfachen Kapazität zum halben Preis seinen alten, immernoch guten, anonymen Stick jemanden zu schenken, der sich auch über ein bisschen weniger Speicher sehr freut …
März 7, 2007 at 10:52 vormittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Letzte Kommentare