Artikel getaggt mit ‘Community’
Über Facebook in den Knast
Endlich mal ein Beweis für unsere These “Social Communitys sind böse, hinterlistig und ein Werk des Teufels“: Joshua Lipton, Student aus Amerika, stellte Partyfotos von sich in Häftlingkostüm auf Facebook ein und rechnete offensichtlich nicht mit einem Web-aktiven Staatsanwalt.
Dumm – denn just zum Zeitpunkt der Sause lag das schwerverletzte Opfer, das Litpon zuvor im Suff mit dem Auto angefahren hatte, im Krankenhaus. Schlussfolgerung des Richters: Von Reue keine Spur – zwei Jahre Knast.
Hype^2 mahnt deswegen: Finger weg von Communitys – dort laufen Sie nur Personalern, Staatsanwälten oder dem Schäuble über den Weg!
via: gulli
Juli 21, 2008 at 10:00 vormittags mmzweinull Hinterlasse einen Kommentar
Fromme russische Bräute
Religionsanhänger scheinen weit weniger rückwärtsgewandt als angenommen: Das zeigt das Wortspiel um den Facebook-Klon “Faithbook” – darauf muss man schließlich auch erst mal kommen.
Wer auf der Seite nun fromme Community-Mitglieder vermutet, sieht sich jedoch getäuscht. Denn die Website gehört zur CheapYellowPages-Gruppe und bietet zielgruppengemäß darauf auch gleich noch russische Bräute und “erotische Kontakte” an.
Wir lernen: Schlaues Marketing bringt Klicks und zielgerichtete Werbung kann so wunderbar schwachsinnig sein …
Juni 4, 2008 at 4:37 nachmittags mmzweinull Hinterlasse einen Kommentar
Live is Live
Dass wir noch lange nicht die kritische Masse machbaren Unfugs erreicht haben, zeigt eindringlich zaplive.tv. Anders als auf typischen Video-Plattformen braucht man sich dort nicht einfach passiv das Gebrabbel irgendwelcher Leute ohne Privatleben reinziehen, nein, man darf auch gleich zurückstreamen.
Eine Art Multi-User-Video-Chat, Bewegtbild-IRC, Echtzeit-YouTube, kurz: Fernsehen 2.0: jeder streamt, bis die Webcam raucht. Ein Blick in die Zukunft: Wir alle werden uns gegenseitig bestreamen, live natürlich. Es wurde ja auch Zeit, dass wir endlich mehr miteinander streamen. Wir sollten das mal anstreamen. Ich möchte das jetzt aber mit Dir ausstreamen.
Doch der Name sagts auch gleich: zaplive.tv. Man wird verdammt viel zappen in der Video-Kakophonie, in der es schon heute attraktive Reisser wie die Hasen-Kamera gibt:
Mindestens ebenso wichtig:
Juni 1, 2008 at 5:13 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Community-Poser und Profil-Neurotiker auf iForia.de
In den 80ern trug man Buttons: erst einige, dann mehr, und schließlich kam es nicht mehr auf den einzelnen Button an (“Ich bin gegen alles”), sondern darauf, dass man sich möglichst viele davon an die Jeansjacke geheftet hatte. Heute ist das gähn, weil C&A&Co die Jeansjacken bereits fix und fertig mit Free-Tibet-Protestbuttons verkaufen, 19,90, Made in China, und sowas tragen nur Best-Ager-Pro-Blogger (s.u.).
Ergo muss was anderes her: der moderne Profil-Neurotiker sammelt … Communities! Wie das mit hässlichem Layout geht, zeigt eindrucksvoll iForia.de: Die traurigen Nutzer, denen man spontan ‘get a life!’ zurufen möchte, können dort alle ihre Online-Aktivitäten konzentrieren und schäbige Links auf ihre dürftigen Amazon-Lesetipps, geschönten Xing-Profile, überladenen MySpace-Schundseiten und ähnlichen Webquatsch versammeln. (Als ob die Leute damit nicht ohnehin schon ihre Blogs zukleistern würden.) Das Ergebnis ist dann “Otto Mustermann, 23 Communities”, kurz: ein Community-Poser.
Muss ich dringend auch haben. Das Problem ist nur, dass dieser schnell zusammengerührte Quark so schnell nachzuprogrammieren ist (siehe Vorbilder wie tabber.org oder profilactic.com, bei denen sich iForia ganz ganz sicher nicht hat inspirieren lassen), dass mit einer Fülle von ähnlichen Systemen zu rechnen ist, zumal sich derzeit – wie einst zur Jahrtausendwende – die Frage nach einem Geschäftsmodell nicht stellt. Das wiederum bedeutet: Ebenso, wie ich derzeit bei jeder Community und bei jedem Web-2.0-Hype mitmachen muss, weil man mir sonst meine Identität raubt oder ich irgendwas Wichtiges verpassen könnte, ebenso muss ich demnächst alle meine Aktivitäten in zig Profil-Aggregatoren parallel versammeln. Muss ich natürlich nicht, aber trotzdem: Stöhn’.
Hype 2.0 ruft daher eine neue Geschäftsidee aus: der Meta-Profil-Aggregator, kurz Metaprofilator. Dort tragen Sie nur _einmal_ alle Profile ein, und www.metaprofilatr.de (oder so ähnlich) trägt die dann bei den Profil-Aggros ein – übrigens auch (automatisch) bei den zu erwartenden anderen Meta-Profil-Aggregatoren. (Inkubator, wo bist Du?)
PS: Im – übrigens symphatischen – Blog beschwert sich iForia über “so gut wie Null Berichterstattung“. Das haben wir ja wohl hiermit geändert. Da uns die Wichtigen der Welt lesen, startet ihr jetzt durch, Jungs!
eBay im Businessplan
Ein Start-up zu gründen und anschließend an ein großes Unternehmen weiterzuverkaufen, ist ein durchaus gängiges Geschäftsmodell (aka Business-Plan) in der Web-2.0-Branche. Und falls Google, Microsoft oder Amazon mal keinen Bedarf sehen, gibt’s immer noch eBay.
Neustes Spekulationsobjekt dort ist die Empfehlungs-Community youop.com (allein durch das inflationäre “you” im Domain-Namen mehrere Millionen wert). Das Mindestgebot ist nicht bekannt – mehr als die 151 Euro, mit denen der Internetradio-Service Streamr (trotz “R” im Namen) abgespeist wurde, sollten es aber schon sein.
Mai 20, 2008 at 10:31 vormittags mmzweinull Hinterlasse einen Kommentar
PrivateDatenVZ
Einen Beitrag weiter unten ging’s noch um Xing als Hostessenbörse – doch am virtuellen Bordstein im virtuellen Business-Netz geht’s weitaus züchtiger zu als in anderen Communitys: Über unddu.de als Spam-Schleuder etwa haben wir bereits berichtet (das Problem ist übrigens bis heute eher noch schlimmer geworden) – und diesmal StudiVZ unter die Lupe genommen.
Diese adrette, junge Dame (23) war unser Lockvogel, um Klicks und private Daten Nachrichten zu ergaunern. Dazu stellten wir ein Bild von einer Website mit angeblich heiratswilligen Russinen ein, gaben uns als Studentin an der LMU München aus und behaupteten, nette Partys und Datings zu suchen.
Schlaumeier und Hobby-Detektive erkannten natürlich allein am Profilbild, dass es sich um einen Fake handeln muss. Google spuckt auf der Recherche nach “Katya Belov” lediglich einen Treffer auf Facebook aus, wo zwar tatsächlich eine “Katya Belov” registriert ist – die nur leider völlig anders als bei StudiVZ aussieht. Die unerwartete Folge: nicht etwa Droh-Mails feindlicher Studentinnen, die ihr Revier verteidigen wollten, sondern schleimige Anbiederungsversuche einsamer Wölfe im Studentenpelz, die mal so richtig den Macker raushängen ließen.
Im Zeitraum vom 2. bis 9. Mai bekamen wir so vier Nachrichten von* Thomas N., Daniel B., Marc-André Z. und Alex G.: von “Tolle Frau!” bis “Du bist bei mir richtig!” war inklusive privater Daten der rolligen Studenten alles dabei. Noch besser sieht unsere Gruschel-Statistik aus*: Kevin N., Pascal Ö., Michael N., Daniel Z., Mario K., Daniel B. und Felix X. haben uns virtuell in den Po gekniffen. Darunter übrigens mit Laura H. auch eine Frau (- die uns jetzt extrem verdächtig vorkommt).
Moral daraus: Soziale Netzwerke kosten viel Zeit und richtig Nerven! Während unddu.de pseudotrendigen Podcastern und Web-TV-Produzenten zuspielt, ist StudiVZ so etwas wie ein digitaler Swingerclub mit aufdringlichen Internet-Machos. Und: Die Datenschutz-Onkels nerven zwar, haben aber eben doch recht.
Anm.: Seit dem 9.5., 11:45 Uhr, haben wir uns als Fake zu erkennen gegeben – mal sehen wie lange Riecke & Co. mit dem Profil ihre Statistiken aufhübschen unser Account gültig bleibt.
Mai 9, 2008 at 5:00 nachmittags mmzweinull Hinterlasse einen Kommentar
Kuppler 2.0: Xing wird Hostessen-Service
Gibt man sich nur lange genug dem Zeitvertreib 2.0 hin, mit Kumpels Geschäftspartnern via Instant Messenger die besten Links auf die schärfsten interessantesten Business-MiezenKontaktInnen bei Xing auszutauschen (Hype 2.0 berichtete), wird man früher oder später eine gewisse ErotiProfessionalisierung auf Businessplattformen feststellen — siehe Bild links. Xing wird also zum Hostessen-Service, aber kein Problem, Jobsuche und ‘Networking’ war ja schon immer ein bisschen Prostitution, irgendwie, nicht wahr?
So jedenfalls müssen heutzutage Personaldaten aussehen: ein sympathisches Bild, dass die Vorzüge in den Vordergrund stellt, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen. Ein abgeschlossenes Studium (lechz). Und klar umrissene Folgendes- bringe-ich- in-den-Job- ein-Tags wie “vulkanische Stunden mit einer atemberaubenden Schönheit” oder “schenke Ihnen im Hotel oder bei Ihnen zu Hause leidenschaftliche, aufregende und unvergessliche Stunden“. Genau so sieht der moderne Mitarbeiter aus: flexibel, willig und mobil.
Geradezu ein Bonmot auch: “Da ich Architektin bin ist mir kein Parkett fremd.” – klar, man musss ja nicht immer in Bett und Badewanne vögeln. Doch Vorsicht, bevor Sie auf den Link xing.com/profile/Ella_Rade klicken, denn Kuppler 2.0 Xing weiß, was Sie diesen Sommer geklickt haben. Das wiederum macht es uns bald leichter, herauszufinden, welche Führungskräfte und HR-Manager zu Koks und Nutten neigen: einfach die gemeinsamen Bekannten aller Online-Bordsteinschwalben checken.
2.0 ist sooo geil.
Papst goes mobile
Gottlob: Die christliche Gemeinde entdeckt die digitale Generation. Nachdem die amerikanischen Kollegen vorauseilten (etwa mit dem YouTube-Klon GodTube), ziehen nun auch hiesige Seelsorger nach und bieten crazy services für Handy, PC & Co:
Die “Evengelische Kirche in Deutschland” etwa ködert mit dem Fernsehsender RTL Abonnenten für seinen Bibelverse-SMS-Dienst (kostet nur knapp 30 Cent pro Nachricht), SingleChrist.de will die vermeintliche Flirt-Börse “Kirche” ersetzen und in der Community von Communitae.de fachsimpeln User eifrig über Versuchung, Sünden und die Hölle.
Doch damit nicht genug: Der Chef selbst (der Papst) hat nun angekündigt, selbst in die Tasten zu hauen und seinen Schäfchen während des Weltjugendtags in Sydney Spam SMS-Botschaften aufs Handy zu schicken.
Tolle Sache – bleibt nur zu hoffen, dass diese weniger drastisch ausfallen, als etwa die Texte der Online-Gebets-Website GottKennen.com: “Stellen Sie sich vor, auf einer Bühne im vollen Rampenlicht ein Video anschauen zu müssen, in dem jede Sünde gezeigt wird, die Sie je begangen haben. Wie würden Sie sich dabei fühlen?”
So lange wir dabei keine SMS vom Papst bekommen – ganz ok!
Mai 7, 2008 at 4:53 nachmittags mmzweinull Hinterlasse einen Kommentar
Liebesbrief an den Verlag
Die ZEIT startete letzte Ausgabe eine teils schöne dreiteilige Serie über das Internet und die Gesellschaft. Unter anderem veröffentlichte das Traditionsblatt darin einen Artikel mit dem Titel “Sozialräume im Netz” – von dem der Leser eine soziologische Aufarbeitung des Phänomens “Community” erwartet.
Eine Sisyphos-Arbeit, an der sich in vollen Umfang bisher kaum ein Medium herangewagt hat. So viel vorweg: Die Erwartungen an den Beitrag erfüllt auch ZEIT-Autor Götz Hamann nicht – vielmehr handelt es sich dabei um eine fiese Werbeveranstaltung für das Haus-eigene Holtzbrinck-Portal StudiVZ und dessen Ablegern.
Allein 47 von ingesamt 71 Zeilen (66 Prozent) widmet sich der Online-Artikel dem Community-Platzhirschen. Ein Absatz geht allein für das Protzen mit den IWV-Zahlen des Unternehmens drauf – die Konkurrenz hat darauf keinen Anspruch; sie wird teils nicht einmal genannt. So erhalten die Lokalisten, schärfste Konkurrenten der VZ-Gruppe, keinerlei Aufmerksamkeit. Darüber hinaus kennzeichnet Hamann Angaben von StudiVZ (“Mehr als 90 Prozent haben die neuen Datenschutzregeln akzeptiert”) nicht als solche, sondern stellt sie als objektiv gemessene Tatsachen dar. “Alternativen”, so Hamann, gäbe es zwar, “doch sie haben deutlich weniger deutsche Mitglieder und bilden deshalb den persönlichen Freundeskreis vieler Jugendlicher und junger Erwachsener nicht umfassend ab”. War ja klar.
Dem Autor nun mangelnde Recherche vorzuwerfen, wäre naiv. Die Hauspolitik in großen Verlagen (eigene Projekte in den Vordergrund zu stellen, die Konkurrenz hinten an) sieht nun eben mal so aus. Ein solch tendenziöser Beitrag ist allerdings nahezu ohne Beispiel – und verdirbt einem die Freude an der gesamten Serie.
Ein Herz für Misanthropen
Seit einer Ewigkeit schleppen Sie Ihr tonnenschweres Herz griesgrämig auf Tränen gebettet herum, weil Sie Ihr/e Liebste/r verlassen hat? Dann wird’s höchste Zeit, sich durch die tausende Profile einer Dating-Community zu blättern – wer will sich schon offline beim Ansprechen wildfremder Misanthropen blamieren?
Nachteil bei den Escort-Service- Partner-Communitys: Weder Sandy aus Berlin-Wedding noch Mirko aus Salzgitter oder Heinz-Rudolf aus Dreiskau-Muckern (gibt’s wirklich!) sind so heiße Feger, dass man sich mit ihnen näher beschäftigen will. Außerdem sehen die gar nicht so aus wie die/der Verflossene/r. Hilfe bietet da die wunderbare Site wie-meine-ex-de – dort laden Sie einfach das Bild Ihres früheren Lebensgefährten hoch, und der Dienst sucht nach ähnlichen Personen in Single-Communitys.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie grandios das Angebot beim Hype^2-Härtetest versagt.

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