Artikel getaggt mit ‘Cannabis’

Killerspieldebatte, die xte

Bei Amokläufen ist in diesem Land Staatshysterie angesagt. Besonders interessant ist, wie hier sofort höhere Hirnfunktionen ausser Funktion treten. Der Amokläufer wuchs in einem hochgerüsteten Haushalt auf, hatte leichten Zugriff auf Waffen und die Bude voller Paintball-Knarren, doch “Experten” verteufeln mal wieder nur die Killerspiele. Kriegen die da eigentlich Honorare für oder wieso ist das jedesmal so? Schäuble will gleich den “Zugang zu Gewaltdarstellungen beschränken” – strengere Vorschriften in Sachen Waffenbesitz wären dagegen seiner Meinung nach nicht sinnvoll. Leuchtet das nur mir nicht ein?

Von mir aus sendet “Tatort” in einer geschnittenen 30-Minuten-Version mit rosa-flauschigem Happy End und Resozialisierung des aufgehaltenen Täters in einer Super-Nanny-Anschluss-Sendung. Aber ein fragendes Gedankenexperiment sei erlaubt. Hätte der Täter ohne Killerspiele die Möglichkeit gehabt, seine Tat durchzuführen? Versus: Hätte er ohne den leichten Zugriff auf Waffen die Möglichkeit gehabt, derart Amok zu laufen?
Was ist denn wahrscheinlicher? Dass einer Amok laufen will, Zugriff auf Waffen hat, dann aber “Falling Down” in der Videothek nicht findet und “Counterstrike” auf seinem PC nicht läuft, er daher nicht lernen kann, wie so ein Amoklauf vor sich zu gehen hat? Oder dass einer Falling Down schon gesehen und Counterstrike schon gespielt hat, dann aber an der Möglichkeit scheitert, sich die nötigen Schiesseisen zu besorgen, ohne die ein Amoklauf ja irgendwie eher gewaltfrei abläuft?

“Ich kann überhaupt nicht erkennen, welche wie immer geartete Änderung am Waffenrecht an dem Geschehen etwas geändert hätte”, sagt Schäuble. Aha. In den USA hätte einer wie er vielleicht genau dasselbe gesagt, dort können einige ja auch nicht erkennen, dass ein Zustand, wie wir ihn haben, durchsetzbar ist. Immerhin besser, Herr Schäuble, als ein Spruch wie “Wenn alle Schüler Waffen tragen dürften, wäre der Täter gar nicht so weit gekommen.”; und ich persönlich kann nicht erkennen, wie mit Ihrer Vorratsdatenspeicherung der 9/11 hätte verhindert werden können.

Wir können doch in diesem Land verhindern, dass Jugendliche vor 18 Jahren Auto fahren dürfen. Wir können verhindern, dass in Kneipen geraucht werden darf. Koks gibts nicht frei zu kaufen, Haschisch auch nicht (nur Bier und Fluppen). Wenn ich, alter Sack, näher an der Rente als an der Schule, mal ein Gewaltspiel mit Blut spielen wollte, müsste ich nach Österreich fahren, weil bereits verhindert wird, dass Amazon es mir, einem Erwachsenen, liefert. Und wenn ich ein Glas Thunfisch mit 35 Gramm Öl ins Handgepäck nehmen will, wird das am Flughafen als potentielles terroristisches Gefahrengut sichergestellt. So in Watte gebauscht sind wir hier inzwischen (ausser unsere Soldaten in Afghanistan, für die sich solche Debatten extrem seltsam anhören müssen).

Warum zur Hölle soll es also nicht auch möglich sein, die Knarren ganz abzuschaffen? Sollen wir Mord, Raub, Erpressung und Menschenhandel als Straftatbestände aus dem Gesetzbuch streichen, bloss weil auch hier die reine Anwesenheit der Gesetze die Taten an sich noch nicht verhindern kann? “Können Sie mir einen Krieg nennen, den ein Pazifist verhindert hätte?”, möchte man da mit Gerhard Polt fragen.

Worüber wir übrigens reden können, ist ein Fernseh-, Monitor-, Computer-, Web-, Mail-, Chat- und Handy-Verbot bis zum 21. Lebensjahr – da wäre ich sofort dafür. Mit xyVZ & Co werden mehr Pickelteenies zu autistischen Zombies gemacht als LAN-Partys das je geschafft hätten. Und da wir schon das Rauchen in Kneipen abgeschafft haben, bitte nun auch ein Verbot für alkoholische Getränke, fettes Essen und rotes Fleisch. Und Comics müssen auch weg.

März 12, 2009 at 2:34 nachmittags 3 Kommentare

Neues von www.einheit-und-freiheit.de

Geil! Echter Aufmerksamkeitskrieg! Und ich fall auch noch drauf rein:

18:39: Neues von www.einheit-und-freiheit.de, über das ich mich vor kurzem beklagte. Hätte ich mir die PI nur mal durchgelesen, statt nur den Ding anzugucken, denn besondes viel steht ja nicht drin. Und die Seite sieht heute so aus:

www.einheit-und-freiheit.de?

Untergrund-Aktion?

Quite shocking, my dear!

ddp-yahoo
Die Frage ist nun: Ist Yahoo! auf eine Fehlmeldung (Cache hier, Screenshot meiner gePDFten Version links) hereingefallen oder hat schon ddp Mist verschickt? Anzunehmen, denn auch andere übernehmen den Mist, etwa ngo-online oder charivari.de

18:45: Anfrage bei ddp und Yahoo! per Mail, Versuche, den Urheber (Domaininhaber) zu kontaktieren.

18:54: Yahoo! auf Zack & beteuert telefonisch Unschuld, man verwende News nur von Dritten, also muß wohl ddp schuld sein. Schicke denen das PDF mit der Meldung und warte weiter auf Reaktion.

19:17: Warum wohl dieser Blog nur diesen einen Eintrag hat? Und der Autor des Blogs lauter solche Blogs hat, die nur einen Eintrag haben?

19:54: ddp hat ganz offensichtlich schon Feierabend, den mach ich jetzt auch.

Dienstag, 10:28: Mail von ddp, die Sache klärt sich auf. ddp hat diese Meldung tatsächlich verschickt (was ich kaum glauben kann, man lese sie mal intensiv durch), hatte aber einen Dreher drin:

“Anstatt ‘einheit-und-freiheit.de’ lautet der korrekte Link ‘freiheit-und-einheit.de’, heisst es von ddp. Und: “Auf die Idee, dass sich inzwischen eine offensichtlich linkextremistische Gruppierung des falschen Links bemächtigen würde, um Besucher auf ihre eigene Webseite zu lenken, kamen wir nicht.”

Eine Korrektur schob man laut ddp bereits vergangenen Freitag, 6.2., 13:06 in einer Mail an die Portale hinterher. Die haben natürlich bestenfalls die Meldung gelöscht, nicht korrigiert. Und Yahoo! hat ganz offenbar gar nichts gemacht. Hey, war ja Wochenende.

Die Moral von der Geschicht. Gerne würde ich ein verdammendes Fazit aussprechen, aber das hier ist ganz klassisch eine Verkettung unglücklicher Umstände, beginnend mit einer nicht schlussredaktionell überprüften URL. Trotzdem eine Riesen-Gaudi, die zeigt, was wir ins Zukunft von attention battles noch erwarten dürfen. Denn das Cut&Paste-Zeitalter wurde längst von der automatisierten Nachrichtendistribution abgelöst, in der es keine Möglichkeit gibt, falsche News zu stoppen (bei Usenet-News gibts das seit Jahrzehnten, wenn ich mich recht erinnere). So ist das eben, wenn man Nachrichten wie eine schnelllebige Ware behandelt, an der das sie strukturierende XML das wichtigste ist. GIGO – Garbage In, Garbage Out.

Fazit: Trotzdem hab ich eins. Medien wie Twitter nähern sich in meinen Augen keineswegs den Agenturen. Wer das glaubt, nennt sich zu recht einen Social-media-Enthusiasten. Es wird möglicherweise umgekehrt kommen: Geiz und die leichtfertige Geringschätzung qualitätsjournalistischer Arbeit werden die Agenturen immer Twitter-ähnlicher machen.

Jetzt wärs noch schön, den Domain-Kidnapper ans Rohr zu kriegen … ich muss ja kein Symphatisant seiner Szene sein, um mich an einer gelungenen Attacke im Spektakel des Aufmerksamkeitskrieges zu erfreuen.

Februar 9, 2009 at 6:39 nachmittags 3 Kommentare

Aupeo Mood-Maschine

Aupeo http://aupeo.com/ ist schon ziemlich cool. An der automatischen Mood-Auswahl müssen die Jungs allerdings noch arbeiten. Man beachte, was ich bei den Reglern gewählt habe – und was ich dafür hören muß:

Aupeo!

Energetic, Happy, Fun – und dann Lou Reed “Heroin”?

Januar 15, 2009 at 7:00 nachmittags 2 Kommentare

A Lucky New Year

A Lucky New Year

A Lucky New Year

Dezember 24, 2008 at 1:49 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Deutsche Telekom Sicherheit

Jeder weiss, wie umständlich und aufwändig es ist, ein paar Daten – etwa den Tarif oder die Bankverbindung – beim Rosa T-Riesen zu ändern. Dabei geht es ganz einfach, wie man nun weiß.

Die Deutsche Telekom hat im Geschäftsjahr 2007 einen Umsatz von 62,5 Milliarden Euro erzielt und es nicht geschafft, dafür ein sicheres System auf die Beine zu stellen. Zum Vergleich: Das BKA hat Schätzungen zufolge ein Budget von 330 Millionen Euro. Dort soll dann auch die Indexdatei herumliegen, aka “Antiterrordatei”, in der jeder Furz gespeichert wird, wenn er nur ein bisschen verdächtig ist.

Ich fühl mich plötzlich so sicher.

Oktober 11, 2008 at 5:03 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Harter Panzer, weicher Kern

Das schöne Leben eines Drogendealers ist Geschichte: Musste man sich als Cräck-Koch oder Heroin-Apotheker bis vor Kurzem noch mit Harmlosigkeiten wie Whiskey-süchtigen Aggro-Cops oder zähnefletschenden Steroid-Schäferhunden rumärgern, kam jetzt in den USA der wahre, furchterregende und mächtige Feind zum Einsatz: die Schildkröte.

Der schoben die Ermittler einfach ein GPS-Gerät unter den Panzer, und folgten ihr zu einem Cannabis-Feld. Damit konnte der dort beschäftigte Gärtner nun wirklich nicht rechnen …

August 25, 2008 at 2:41 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar


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