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Muss alles digitalisiert werden?

digitalisiertReplik auf Kommentare zu diesem Beitrag:

Ich verstehe, dass es mühselig ist, mehr als 140 Zeichen zu einem Thema zu verfassen. Aber ich denke eben auch, dass es Themen gibt, die sich nicht in dieser Kürze abhandeln lassen, übrigens auch nicht in der Kürze eines Blogposts. Dass die Dinge nicht schwarz und weiß sind, sondern grau, das ist mir übrigens hinlänglich bekannt. Mein Post ist deswegen so einseitig, weil er auf ein einseitiges Post antwortet, und nur deswegen.

Die gesamte Blogosphäre kommt mir zunehmend einseitig vor, alle schreien sich nur gegenseitig „Hurra!“ zu, Kritik wird nicht wahrgenommen, sondern einfach ignoriert. Ich werfe hier wohlgemerkt keine Denkverbote vor – sondern Ignoranz und diskursloses Dauerkuscheln. Das ist durch die Struktur des Webs in seiner aktuellen Form ja besonders leicht, weil jeder sich rein interessensgesteuert informiert (was natürlich auf den ersten Blick ein Segen ist). Aber bei den Beteiligten schleicht sich durch diese Struktur der gegenseitigen Bestärkung, ja: Hype-ung leider nie der Verdacht ein, man könnte eventuell eine Minderheitsmeinung oder eventuell etwas völlig Blödsinniges vertreten. Gerade weil man ständig nur Beifall hört. Widerspruch, also: richtigen, findet man nur selten.

“ meinste nicht auch, dass beispielsweise die verlorengegangene Menschlichkeit durch die Einführung von Maschinen, später Computern, dazu geführt hat, dass Firmen riesige Summen einsparen?“ Ich kann nur hoffen, dass Dein Satz nicht wie folgt gemein ist: „Ja, zugegeben, es ging Menschlichkeit verloren. Aber hey, dafür haben Firmen riesige Summen eingespart!“ Denn natürlich ist das wahr. Genau davon rede ich doch hier. Der Sinn unserer Existenz kann aber doch nicht darin bestehen, dafür zu sorgen, dass Firmen „riesige Summen einsparen“. Wenn Summen eingespart werden, dann bedeutet das in einer kapitalorientierten Gesellschaft immer auch, dass folgendes passiert: jemand kann seine Miete nicht mehr zahlen, jemand kann seine Familie nicht mehr ernähren.

Wir sind keine Firmen, die Firmen sind nicht wir. Firmen sind organisierte Strukturen, die den Menschen zu dienen haben, nicht umgekehrt. Zu diesem Zwecke hat man sie mit Personenrechten ausgestattet, nur zu diesen. Ich bin weiß Gott kein Freund von Gewerkschaften, aber ich bin erneut erstaunt, dass sich seit Jahren eine Mentalität freiwilligen Sklaventums breitmacht, die sich scheinbar nur noch wünscht, dass es irgendwelchen Firmen gut geht. Dass es Unternehmen gut geht – nicht uns, unseren Kindern, unseren Omas. Demnächst werden sich, falls der Börsenkurs wegen abstrakter Wettspiele gerade mal wieder wackelt, verantwortungsbewusste Mitarbeiter selbst feuern – damit die Firmen Summen sparen.

[POLEMIK_ON] JA! Auch unser Staat kann riesige Summen sparen, wenn wir einfach alle Rentner und Arbeitslosen und auch alle anderen Unproduktiven (und bitte auch gleich Theater- und Kulturschaffende – alles nur Schmarotzer am Bruttosozialprodukt) an die Wand stellen und abknallen. Wir können auch die Schulen dichtmachen und Fachkräfte einfach aus dem Ausland holen. „Spart Geld.“ [POLEMIK_OFF] Raaah! Was soll denn „sparen“ für eine Begründung sein?

Falls es Dir noch nicht aufgefallen ist: Heute arbeitet nicht mal mehr jeder zweite in diesem Land. Viele dürfen nicht mehr arbeiten, weil Maschinen ihre Arbeit machen. Andere müssen mehr arbeiten, um die nicht arbeitende Bevölkerung durchzufüttern. Und jedes Jahr wird es schlimmer. Jedes Jahr muss Peter mehr arbeiten, weil Peter ja einen Paul ernähren muss, der keine Autos mehr montieren darf (macht jetzt Roboter Mark V) oder eine Rita, die keine Kinokarten mehr verkaufen darf (macht R2D2). Diese Entwicklung ist doch Blödsinn.

Diese Entwicklung wird noch blödsinniger in einem globalen Wettbewerb, in dem jedes Volk alle anderen Völker mit Produktivität und Kostensenkung überbieten möchte. Im Verlauf dieser Entwicklung können nur Staaten stehen, in denen Menschen dafür schuften, eine neue, möglichst noch produktivere Maschinengeneration zu entwickeln. Ich schwafle hier nicht von „Die Maschinen werden die Herrschaft übernehmen, Hül-fee!“, sondern von etwas, das völlig auf der Hand liegt: Die einzige Möglichkeit, einen bereits mechanisierten und hochproduktiven Konkurrenten, der so wunderbar produktiv ist, weil seine Kinokartenabreisser und Bandarbeiter schon wegrationalisiert hat, noch weiter an Produktivität zu überbieten, ist, auch noch die Aldi-Kassiererin und den Gemüseverkäufer und den Friseur und die Krankenschwester wegzurationalisieren. Die Antwort der Konkurrenz kann nur darin liegen, die Journalisten durch automatisierte News-Portale zu ersetzen, die letzten Architekten ein Standardmodell eines Gebäudes entwickeln zu lassen und Roboter dann nur noch diese Gebäude fertigen zu lassen (in der Tat liegt die letzte Begründung, warum Gebäude heute noch individuell gestaltet werden, natürlich nur in der Eitelkeit der Besitzer; für den „sozialen Wohnungsbau“, den in den Maschinenstaaten der ersten Generation dann die zu 90 Prozent „arbeitssuchende“ Bevölkerung beherbergen wird, wird die Zukunft wie von mir dargestellt eintreten). Lebensmittel kommen eh vom Band, und Banker braucht auch keiner – die Wetten an den Börsen kriegt man auch mit einem getRandomNumber(); hin. (Ja, warum will eigentlich nie jemand Firmenbosse wegrationalisieren? Sind chinesische Wirtschaftslenker nicht viel billiger als unsere eigenen? (Und viel Weiser?))

Wer heute online Tische reservieren will, weil Telefonieren ja so unbequem ist, will morgen einen Service-Boter, denn der ist nie schlecht gelaunt und bringt immer das richtige. Ein echter Koch versalzt auch mal die Suppe, wenn er verliebt also, also foolglich übermorgen bitte „Herr Terminator, bitte sofort in die Küche!“ – dann wird’s immer gleichmäßig gut. Dann leuchten am Tisch nur noch zwei Button auf: „Brust oder Keule?“ und alle sind zufrieden. Politik wird dann auch von Maschinen gemacht. (Ich bin sicher, im Publikum denken einige gerade „Wäre wohl auch besser.“. Das macht mir ehrlich gesagt ein bisschen Angst.)

Eigentlich braucht man auch nicht ins Restaurant gehen.
Produktivitätsmäßig gesehen ist das eine eher uneffektive Art zu speisen. Statt da drei Stunden rumzuhängen und zu quatschen, meist über unwichtige Themen wie „Gott und die Welt“, könne man auch zwei Stunden und fünfzig Minuten arbeiten (wenn man dürfte), das würde die Produktivität heben. In den verbleibenden 10 Minuten könnte man sich die Tube mit Nährschleim in den Rachen pressen. Ginge schneller, wäre effektiver. Könnte man sicher Summen mit sparen.

Kurz: Eigentlich „brauchen“ wir _überhaupt keinen Menschen_ mehr.  Es ist doch nur eine Frage der Intelligenz und der Bezahlbarkeit (ergo: nur eine Frage der Zeit), Maschinen zu entwickeln, die auch Fließen legen oder in Kläranlagen tauchen oder iPods kaufen, bedienen und sie wegschmeissen können.

Oder die andere Maschinen entwickeln. Denn das ist natürlich der nächste Schritt der Produktivitätssteigerungsspirale, die logische Fortsetzung des Computer Aided Engineering: Neue, noch produktivere Maschinen zu entwickeln (und die alten, wie vorher die Menschen, auf den Müll zu schmeißen). Das Ergebnis ist, wenn man sich im Verlauf dieser Entwicklung nicht gegenseitig zerbombt, eine Gesamtmaschinerie auf Erden, die den höchstmöglichen Produktivitätsgrad erreicht hat, limitiert nur noch durch Naturkonstanten und Ressourcen, wobei letzteren natürliches Konfliktpotential innewohnt, ein Problem, dass ich hier der Einfachheit halber mal weggelassen habe, denn das Ganze ist schon absurd genug, wenn man es nur zu Ende denkt.

Natürlich ist das „schwarz und weiß“ gezeichnet und nicht grau. ;-)
Aber manchmal hilft es eben, das Bild zu sehen, wenn man die Kontraste übertrieben anhebt.

Und diesem Bild kommt kein Mensch mehr vor. Die menschenbefreite perfekte Weltmaschine, die der konkurrenz- und mitarbeiterlosen Weltfirma gehört und die den besten Aktienkurs hat, diese Maschine ist doch zu kurz nichts mehr nütze, wenn es keine lachenden Kinder mehr gibt und Menschen, die sich im Mondschein küssen. Es wird dann noch nicht mal jemand da sein, der die Sinnfrage stellt. Mission Accomplished.

1 comment Dezember 4, 2009

Obama ist SEO-Weltmeister!

All die Affiliate-Monster da draußen dürften grün vor Neid sein: Denn unser aller Liebling Obama ist wohl der beste SEO weltweit. Hintergrund ist der Kauf der Domain cars.gov durch die US-Regierung (nur die kriegt die *.gov-Domains) Ende Juni, die nach nur drei Wochen auf Platz Eins für den Suchbegriff „cars“ bei Google rankte.

Eine reife Leistung, zieht man in Betracht, dass etwa 461,000,000 andere Seiten mit um die Position kämpfen. All die Gebrauchtwarenhändler und KFZ-Cookie-Schweine hatten jedenfalls das Nachsehen und dürfen nun berechtigt fragen: Hat da vielleicht einfach nur Obama kurz seinen Kumpel Sergej angerufen, und um ein nettes Ranking gebeten? Und: Hilft demnächst „poker.gov“ aus der Finanzkrise?

(Dank an Andi Schröder und SEO Book für den Hinweis)

Add comment Oktober 30, 2009

SZ über UBuntu

Koala-Angriff auf Windows dummtitelt die SZ online, ganz so, als würden Linux-Anwender wirklich noch Windows verdrängen wollen (sie haben es doch schon: von ihren eigenen PCs). (Macs werden natürlich nicht „angegriffen“.)
Dann noch Die Linux-Gemeinde schlägt zurück – *würg* diese Leier ist doch inzwischen sooo lächerlich, oh Mann, (sueddeutsche.de/joku/holz), fällt Dir echt nichts besseres ein für das erste Mainstream-OS mit Cloud-Anbindung?

Liebe Leute:
Linux ist wie Ariel, Omo oder Dash: man nimmt es halt her. Nicht jeder, der ein Nokia kauft, ist „iPhone-Verweigerer“ und nicht jeder MP3-Player, der nicht von Apple ist, ist „iPod-Killer“, und wenn ich einen „Nike“-Turnschuh kaufe (gesprochen: Nike, nicht Neikieh!), „greife“ ich nicht „Puma an“.
„Ketchup-Killer: Mayo“ Wer denkt sich bei euch eigentlich immer diesen Schmarrn aus???

Natürlich wird auch noch der Zusammenhang eine Woche nach Windows 7 suggeriert, dabei ist es bei einem halbjährlichen Ubuntu-Entwicklungszyklus mit Erscheinungsdaten im Frühjahr und im Herbst (und dort: meist Ende Oktober) geradezu unmöglich, nicht *zufälligerweise* zeitnah nach einer neuen Windows-Version zu erscheinen. Man darf sich wundern, dass der faktenfantasierende Autor der SZ bei diesem Schmarren nicht etwas in der Art von „Microsoft konnte dem Koala gerade noch einmal zuvorkommen und releaste sein Windwos 7 deshalb schon am 22.“ hinzudichtete.

Mein Liebling aber ist die Bildunterschrift: Vorsicht, Bären:


Hmmm … Koalas, sind das denn wirklich Bären?

(Gnnihihi!)

Über den Erfolg des Projekts lässt sich streiten, wird als nächstes behauptet, womit der Autor sagen will: Es hat keinen. Traut er sich aber nicht, das laut zu sagen, daher diese verquast-vage Nichtaussage. Deswegen ne Message von uns hier: Über den Erfolg läßt sich nicht streiten. Innerhalb der Linux-Gemeine ist Ubuntu erfolgreich, außerhalb ist’s ein Nischenprodukt. Aber es existiert wenigstens. Wer mal  „chrome os“ site:sueddeutsche.de (311 Treffer) mit ubuntu site:sueddeutsche.de (275 Treffer) (jeweils Stand Post-Datum) vergleicht, muss annehmen, dass Chrome OS, das noch _überhaupt_ *gar _keinen_* Marktanteil hat, bei der SZ mehr Berichterstattung erhält als Ubuntu. Da läßt sich offenbar über den Erfolg des Projektes nicht streiten, da nimmt man ihn einfach als gegeben an. Ein Wunder, dass man bei der SZ nicht Orkut für „erfolgreicher“ hält als Xing.

Dennoch ist Ubuntu der breiten Masse eher unbekannt:Da war sie wieder, die *breite Masse* – damit sind WIR gemeint, wir SZ-Leser. B R E I T. Und MASSE. Danke, liebe SZ. Uns, der ‘breiten Masse’, ist übrigens je nach Interessenslage auch David Lynch oder Chuck Palahniuk oder Otto Klemperer unbekannt, aber sind die deswegen schon erfolglos?

Nur etwa ein Prozent der Computernutzer verwenden auf Linux basierende Betriebssysteme,“, aha, mit diesem ‘auf Linux basierend’ will der aus Wikipedia abschreibende Autor besonders schlau erscheinen, vergisst aber, dass nicht bloß Ubuntu auf Linux basiert, sondern auch dieser Router, jener DivX-Player, so manches Handy – jede Suchabfrage bei Google läuft letzlich über Linux.

Und, was sehe ich denn da? Eine header-Abfrage von sueddeutsche.de liefert das hier:

sz_auf_ubuntuMan wird bei sueddeutsche.de doch nicht etwa das ach so erfolglose Ubuntu einsetzen, hmmm? Tsts!

Linux ist, so der Autor, erfolglos, obwohl  sich die Bedienoberfläche von Ubuntu nicht groß vom Windows-Prinzip unterscheidet Soso, eine _Oberfläche_ unterscheidet sich also nicht groß von einem _Prinzip_, aha. Jedenfalls ist an dieser Stelle klar, dass der Mann noch nie ein Buch über Grammatik – geschweige denn ein laufendes Ubuntu – gesehen hat und daher alles, was Fenster hat, für Windows hält. Vielleicht sollte man ihn mal per ISDN-Karte mit Ubuntu surfen lassen, dann merkt er den Unterschied zu Windows ganz schnell.

auch schnelle Grafik soll besser umgesetzt werden – Ja wie jetzt? Wurde langsame Grafik schon immer gut „umgesetzt“, schnelle aber schlecht? Und ab jetzt soll auch schnelle Grafik gut bzw. besser umgesetzt werden? Wie habe ich mir das konkret vorzustellen?

*grusel*

Es ist mal wieder so: Wenn eine Tageszeitung wie die SZ über irgendwas im Umfeld Technik berichtet, und man das liest, dann darf man nur hoffen, dass ihre Berichterstattung zum Thema Wirtschaft, Politik und Kultur nicht ähnlich grottig ist.

Ich benutze Ubuntu übrigens nur gelegentlich, weil ich nämlich OpenOffice nicht leiden kann, aber so eine Presse hat es nicht verdient.

Add comment Oktober 30, 2009

Wahl-Prognosen vs -Ergebnisse

Fand ich ganz lustich, so im Rückblick. Hier die „vorläufigen“ Wahlergebnisse, gescreenshottet als Kurzitat vom Stern heute:

Hier die Prognose des ZDF Politbarometer vom 22.8.:

polibarometer

Und hier sozusagen die „social Wahlprognose„, mit 2.0-Methoden ermittelt bei Xing, vom 9.8.:

XIng_Wahl_Bla

Fazit:
Es ist typisch für IT-, erst recht Internet- und vor allem das Social-Media-Irgendwas-Business, sich für die Mitte der Welt zu halten. Und doch irgendwie auch beruhigend zu sehen, dass man darin irrt. Xing jedenfalls darf sich fragen, warum seine User überwiegend Raubkopierersymphatisanten sind, Werbende sollten sich fragen, ob das noch eine erreichenswerte Zielgruppe darstellt.

Add comment Oktober 12, 2009

Noch mehr ungeordnete Gedanken zu "Piratenpartei"

Piratenpartei – das klingt erst mal abenteuerlich. Hier die Piraten, Säbel in der Hand, Pistole im Gürtel und natürlich immer ein Lachen im sonnengebräunten Gesicht, vor allem für die Damen. Dort die Spießer, betagte Flottenkapitäne und geschniegelte Schnösel, denen man die Prise zu recht entreisst.

Natürlich sind Piraten in Wirklichkeit „Seeräuber“, also Lügner und Diebe, Sklavenhalter und Schmarotzer, die von der Arbeit Anderer leben. Die Frage ist nun, ob unter diesem Gesichtspunkt nicht eigentlich alle Parteien “Piratenparteien” sind…

4 comments Juli 21, 2009

1 Paar ungeordnete Gedanken zu Piraten

Schreiben ist kein Geschäftsmodell mehr“ provoziert man auf Meedia.de, und wie man an den ersten Kommentaren sehen kann, sind viele Leser offenbar nicht mehr in der Lage, zwischen dem Ergebnis journalistischer Arbeit und dem Ergebnis ihrer Eingabe von <irgendwas> bei Google zu unterscheiden. Verständlich, dass die gleichen Leute dann sagen, man bräuchte diese Arbeit gar nicht. Als Ursache für ihren Irrtum mag ich aber ausmachen, dass sich diese Leser bereits im Prozess der digitalen Verblödung befinden, weil sie ausschliesslich Online-Medien im Boulevard-Bereich konsumieren und schon lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals, einen richtigen Artikel außerhalb des Boulevard gelesen haben. Denn hätten sie das getan, wüssten sie, wie ein recherchiertes Stück aussehen kann und wie viel Vergnügen es bereitet, ein solches zu lesen.

Ursache für diese unqualifizierte Aburteilung ist einerseits, dass viele schon gar nicht mehr wissen, warum Zeitungen so aussehen, wie sie aussehen. (Oder was der Unterschied zwischen DVD und Kino ist.) Und natürlich, dass ein Grossteil der Medien – online wie offline – tatsächlich nur schnell zusammengehauenen Schund liefert. (Man braucht sich ja nur mal meedia.des kritische Interviews anzusehen.) Was kein Wunder ist, denn für wenig Geld kann man ja nur Light-Text produzieren, siehe obigen Beitrag.

Doch Schreiben hat deswegen noch lange nicht sein Geschäftsmodell verloren. Vielmehr hat „Online“ bisher noch nie Geschäftsmodell gehabt (außer schlecht bezahlter und blockierbarer Werbung), weil Online nicht in der Lage ist, die Tauschaktion (Geld gegen Ware) zwingend durchzusetzen, anders als zum Beispiel der Konsum einer Currywurst, bei dem selten die Frage aufkäme, ob man sie nicht auch einfach klauen könne.

Daher hat allein „Online-Schreiben“ kein Geschäftsmodell, jedenfalls nicht, solange das selbe oder ähnliche Geschriebene andernorts umsonst zu haben ist. Umsonst ist es zu haben, solange 1. genug VC und anderes Spielgeld zirkuliert, um zahlreichen Online-Unsinn zu finanzieren (ich finde ja, wir brauchen noch ein paar weitere social networks), und es 2. genug Leute gibt, die sich für solche Medien ausbeuten lassen („white labeled content“-Zulieferer, Nebenberufs-Freie) und es 3. keine klare Gesetzgebung und deren harsche Umsetzung gibt, die den Diebstahl von Texten in die Schranken weisen.

Denn die Wahrheit ist, dass es nicht wenige Online-Medien gibt, die eigentlich nicht schlecht leben nur davon, dass sie auf im Kern unverblümt gestohlene oder gestohlene und nur leicht variierte mediale Produkte ihre Werbung drauf kleben. Einige unter ihnen geben das mit Hinweise „via <Quelle>“ wenigstens (oder dreisterweise) zu, aber das macht es nicht besser. Als Musterbeispiel aus dem Bewegtbildbereich seien all die YouTubes angeführt, die ihre Attraktivität zum großen Teil gestohlenen Inhalten verdanken und noch nicht mal eine Quelle nennen.

Das Geschäftsmodell des Medieninhalteverkaufs lässt sich im Internet (derzeit) nicht durchsetzen, zugleich lässt sich der Diebstahl von Medieninhalten (derzeit) nicht verhindern (zumindest tut es keiner, kein Anwalt und kein Medienverleger), weder technisch noch juristisch. Letzteres liegt allein daran, dass der Sachverhalt global und lokal zugleich ist, so dass sich immer technische und juristische Schlupflöcher auftun – allein wegen dieser Probleme existiert so was wie YouTube noch, wo ich, wenn ich ein beliebiges Musikstück hören will, einfach seinen Titel eingebe und es garantiert geliefert kriege, ebenso garantiert ohne Zustimmung des Urhebers oder Copyright-Inhabers.

Zugleich haben wir in D soeben die Piratenpartei zu Wahl zugelassen. Sie steht de facto für den Wunsch vieler Medienkonsumenten, Medieninhalte anonym, kostenlos und werbefrei konsumieren zu können, anders gesagt für den verständlichen Wunsch, weiterhin Medieninhalte ungestraft stehlen zu können. Wäre es so einfach, iPhones und Fahrräder zu klauen, wie es einfach ist, Medieninhalte zu rauben, hätten wir alle iPhones und Fahrräder. Die Piratenpartei ist nun angetreten um zu verhindern, dass Hersteller von iPhones und Fahrrädern Maßnahmen ergreifen dürfen, damit ihnen iPhones und Fahrräder nicht mehr geklaut werden.

Die Medien wiederum haben nicht genug Standing, um dies eindeutig auszusprechen und die Feigenblättchen der Piraten zu enttarnen, natürlich weil sie damit nicht im Interesse ihrer Leser handeln würden, denen sie ja seit Jahren vermitteln, wie man mit weniger Mitteln mehr rausholen kann, hier ein Schnäppchen machen, etc.

„Das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, muss gestärkt werden.“, schreibt die Piratenpartei bei „Unsere Ziele„. Das Recht des einzelnen Autoren, Journalisten, Dichters, Musikers, Saxophonisten, Werbetexters, Filmemachers, Drehbuchautors, Fotografen, Erfinders, Software-Entwicklers ist denen, die tatsächlich ganz unverblümt ihre Piraterie auf der Fahne tragen, dabei völlig egal, es geht ihnen allein um das Recht des einzelnen Medieninhaltediebes. Denn von denen gibts es mehr mit Wählerstimmen, als es Medieninhaltehersteller mit Wählerstimmen gibt.

(Ich möchte betonen, dass ich die anderen Piraten, nämlich die Verleger von Medieninhalten, ausführlich ausklammere, den die wären einen eigenen Diskurs wert, und der müsste mit großer Keule geführt werden; Medieninhaltehersteller sind für mich ausschliesslich jene Personen, die einen Arbeitstag damit verbringen, Medieninhalte herzustellen, und die am Ende des Arbeitstages ein Recht auf einen Teller Suppe haben, denn dafür haben sie einen klugen Text geschrieben, ein informatives oder erbauendes Bild fotografiert, ein heiteres Lied geschrieben oder sonstwas nützliches getan. Wir würden all die Medien ja nicht konsumieren, wenn wir das nicht irgendwie wollen und gut finden würden, oder?)

Meine Lösung lautet, einfach so weiterzumachen wie bisher und zu warten, bis der Markt sich bereinigt. Denn wo liegt eigentlich das Problem? Die Klickzahlen der Meister des Online-Gossip sind doch fabelhaft. Und wenn nicht, dann sollen sie bitteschön dicht machen (oder staatliche Hilfe beantragen, die Piraten aus den Banken und die Millionengehälter einstreichenden Auto-Fritzen können das ja auch, selbst Parteien wie die Piratenpartei dürfen auf Wahlkampfhilfe aus der Steuerkasse hoffen, sprich aus jenem Topf, in den auch Medieninhaltehersteller, zum Beispiel Autoren, einzahlen). (Apropos staatliche Hilfe: Das wäre sogar sehr fair! Medieninhaltehersteller, die für ARD, ZDF und so weiter arbeiten, werden ja ebenfalls durch ein steuerähnliches Zwangskonstrukt bezahlt – man könnte das ja ausweiten…)

Wenn die Medieninhalte klickzahlenmäßig gesehen erfolgreicher Formate journalistisch gesehen nur minderwertige Ware darstellen, dann spricht das doch eine deutliche Sprache. Der Leser WILL diesen Ramsch, und neunmalkluge Kommentatoren mit Sätzen wie „Versierte Internetnutzer sind kaum noch auf die Monopolstellung der ’4. Macht’ im Staat angewiesen – und ich finde das gut!“ (welche Monopolstellung denn?) oder „Wofür bitte schön sollten sie denn dann bezahlt werden? Diesen Datenmüll kann sich jeder User selber ziehen.“ kennen einfach nichts anderes als diesen Ramsch. Sie verdienen auch nichts anderes, weil sie für nichts anderes bezahlen. Genauso gut könnte man RTL2 gucken und sich darüber beklagen, es gäbe so wenig Arthaus-Spielfilme.

Ich bezweifle nicht, dass keineswegs alle potentiellen Leser dumm sind. Die Klügeren unter ihnen, die mehr lesen wollen, als eine Google-Recherche oder Wikipedia ihnen bieten könnten, werden sicher irgendwann Geld dafür ausgeben, dass andere ihre Zeit damit verbringen, für sie etwas interessantes zu recherchieren, zu schreiben, zu dichten, zu fotografieren, zu programmieren, zu komponieren oder zu filmen. Das passiert ja auch heute Millionenfach, ja, die Leute legen sogar Geld für die BILD hin.

Bei Qualitätsmedien wird es nur leider in Zukunft etwas mehr Geld kosten, weil es an Einnahmen in der Masse fehlt (die Masse zieht sich ja derweil den Gratis-Newsmüll rein) und die Werbetreibenden sich aus dem Spiel entfernt haben werden, weil ihnen AdWords genügen.
Anders gesagt: Meiner Meinung nach ist das künftige Aufkommen des derzeit allenthalben bloß propagierten Qualitätsjournalismus eine zwangsläufige Begleiterscheinung des derzeit allenthalben real anzutreffenden Schundboulevards, und er wird noch geraume Zeit auf Papier stattfinden, weil das ein bewährtes Micropayment-System mit eingebauter, knebelfreier DRM besitzt.

Nicht zuletzt sehe ich auch viel Potential bei Verlagen. Die Dummheit, mit der so mancher Anzeigenverkauf unterwegs ist, lässt sich vermeiden – damit hätte man so manchen Titel retten können (ja, ich weiß, wovon ich hier spreche). Etwas verstaubte Titel kann man auf Vordermann bringen, aber dazu bedarf es halt inhaltlicher und personeller Entscheidungen; doch viele Verlage arbeiten mit Hierarchien, die eher denen in Geheimlogen gleichen – es ist teils so lächerlich, dass ich die 5 Euro ins Phrasenschwein gerne gebe dafür, dass ich hier wirklich die Phrase der „verkrusteten Strukturen“ bemühe, die vielleicht sogar eher versteinert sind. Die Distanz zwischen Print- und Online-Abteilungen kann man verringern und aufheben, bis klar ist, dass überhaupt kein Artikel mehr nur für das eine oder andere Medium geschrieben wird, sondern stets für beide – nur eben unterschiedlich präsentiert. Vielleicht wird einigen Verlegern auch mal aufgehen, dass sie sich ernsthaft Gedanken machen müssen, ob sie die nächste Vertriebsrevolution wieder Google, Amazon und Apple überlassen wollen oder zur Ausnahme mal selber ihren Arsch hochkriegen – na schön, das war jetzt sicher utopisch gedacht.

Ja, äh, Gedanken, ungeordnet, wie angekündigt.

Add comment Juli 18, 2009

The Sky is the Limit

Ich saß heute snackend im Yum und wunderte mich über allerlei Gedöns und Radau. Irgendwas mit ‘Sky‘. – Ach ja richtig, die wollten ja den Premiere-Nachfolger Sky launchen, heute Nacht soll das passieren. Und sie haben dafür ganz offensichtlich richtig Patte hingelegt, denn die Schrannenhalle ist zwar pleiter als die BRD, aber sie war zu diesem Anlaß so fein rausgeputzt, dass ich schon Angie, Obama oder eine Michael-Jackson-Trauergala vermutete.

Nun, ich habe Premiere immer für überflüssig gehalten, weil TV erstens blöd macht, zweitens unterstütze ich lokales Business und gehe in die Videothek und drittens habe ich ja schon ein Pay-TV, nämlich die öffentlich-entrechtenden Sender, die mir via GEZ Kohle abknöpfen und es dann auch noch wagen, sich selbst „Free-TV“ zu nennen (Zitat Claus Kleber, angeblich Journalist, bei diesem Ausspruch aber wohl eher PR-Scherge). Aber egal.

Lese dennoch neugierig nach, was nun passieren wird: Von Millionenkampagnen ist da die Rede, ganze 100 Millionen sollen „investiert“ werden. Kicher! Sind das etwa die selben Millionen (möglicherweise schon Milliarden), die man seit Jahren schon mit Premiere verludert?

100 Millionen … für so viel Geld kann man ganz viel Party machen. Zu den rund 700 geladenen Gästen gehörten daher unter anderem Hollywoodstar Samuel L. Jackson, Boxer Vitali Klitschko und Fussballgott Franz Beckenbauer, heißt es.

Na, das wird ganz sicher jeden Max Mustermann davon überzeugen, sich sofort ein Abo zu reißen [ans Hirn faß'].

Add comment Juli 3, 2009

In sozialen Netzwerken verblöden

Erduldet man das schrecklich anbiedernde „Du“ des hippen Zielgruppenverjüngerungs-Spinoffs „jetzt“, dann ist dieser Beitrag für uns immerhin erheiternd: Sind Netzwerker faule Stücke?, worin eine Studie beschrieben wird, derzufolge Studenten, die sich auf Netzwerken rumtreiben, weniger lernen als die anderen. Aha. Und dafür braucht man Studien?

Noch ‘ne News: Leute, die soziale Netzwerke benutzen, haben Konzentrationschwierigkeiten. Kann ich übrigens alles auch ohne Studie aus meiner persönlichen Praxis bestätigen. Seit Xing. Krieg ich keinen Satz mehr hin. Der länger ist als sieben Wörter oder so. Facebook ja sowieso. Bäng! Plimm! Swooosh! Ach ne, das waren ja die Comics, die uns früher verblödeten.

Meine Lieblingsstelle in diesem jetzt-“Artikel“ ist der sich an den Leser schmusig schnurrend herankuschelnde Schlusssatz, der bei mir persönlich zu Konzentrationsstörungen führt:

Wie geht es denn dir so? Hat sich deine Gehirnkapazität seit deiner Anmeldung bei den diversen Websites halbiert? Oder bist du gar besser geworden? Und was bedeutet diese Studie für dich?

Wäre die Autorin ehrlich gewesen, hätte sie dort hingeschrieben:

Hey, lies diesen Artikel bidde nich nur, das bringt uns bloss ne lumpige Page Impression. Schreib doch lieber was! Das generiert ein bisschen Content für uns, dann müssen wir keinen weiteren Mitarbeiter mehr einstellen. Viel Kleinvieh macht auch Mist. Also hopp! Und andere lesen sich dann auch Dein Zeug durch, gibt wieder ein paar Page Impressions! An die Arbeit, Leser!

Nennen Sie mich altmodisch, aber ich werde nie verstehen, warum uns Supermärkte und Tankstellen und Restaurants und Bäcker mit Selbstbedienung als Fortschritt angedreht werden. Wo man doch auch Läden haben könnte, wo einem Tante Emma was aus dem Regal heraussucht, wo Tanker Gerhard im Blaumann sich die Finger bei der Ölkontrolle schmutzig macht, wo ein Kellner die Speisen bringt und wo die Backwarenverkäuferin noch weiß, ob in dem Kuchen da Rosinen drin sind, statt auf die entsprechende Frage zu antworten: „Keine Ahnung, ich arbeite hier bloss.“

Add comment April 21, 2009

Datenkrake Google?

http://www.axel-springer-akademie.de/blog/2009/03/10/gastblog-google-wird-zur-informationsmaschine/

Vorweg: Mir persönlich ist die Datenkrakenbehauptung wurst. Ich habe ein Google-Handy und meine Docs bei Google und meinen Kalender bei Google und auch sonst alles. Ich bin ja auch Journalist und trotzdem bei T-Mobile Kunde, einem Unternehmen, dass Journalisten abgehört hat. Ich kauf auch bei Lidl ein und solange ich an der Kasse keine Pornos lese, sollen sie doch ruhig mit der Kamera von oben glotzen, ob irgendwo 1,30 unterschlagen werden. Ich kann dagegen ohnehin so viel tun wie gegen die jeweils aktuelle Regierung.

Dennoch finde ich es interessant, dass die PR-Roboter von Google immer mit der gleichen Leier kommen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie öde der Event gewesen sein muß, als sie sich die schablonisierten Fragen & Antworten reingeprügelt haben.

Natürlich hat der Kollege Schink hier weder was neues abgesondert noch – leider – was besonders schlaues. Trotzdem finde ich es bedauerlich, dass bei der dontdoevil-Company einfach kein Verständnis aufkommen mag für die Sorgen und Ängste von Benutzern. Die werden ebenso hartnäckig ignoriert wie „die härtesten Datenschutzrichtlinien“ gebetsmühlenartig wiederholt behauptet werden.

„Sie benutzen es doch freiwillig“, heisst es immer wieder.

Ja, die Raucher rauchen auch freiwillig. Übergewichtige ernähren sich freiwillig schlecht. Kinder gehen freiwillig nicht mehr in den Garten, sondern verblöden vor Konsole und TV. Prostituierte lassen sich freiwillig vögeln und Junkies geben sich freiwillig den goldenen Schuss. Das heißt also rein gar nichts, und darüber laut nachzudenken muss weiterhin erlaubt sein.

Add comment März 10, 2009

Neues von www.einheit-und-freiheit.de

Geil! Echter Aufmerksamkeitskrieg! Und ich fall auch noch drauf rein:

18:39: Neues von www.einheit-und-freiheit.de, über das ich mich vor kurzem beklagte. Hätte ich mir die PI nur mal durchgelesen, statt nur den Ding anzugucken, denn besondes viel steht ja nicht drin. Und die Seite sieht heute so aus:

www.einheit-und-freiheit.de?

Untergrund-Aktion?

Quite shocking, my dear!

ddp-yahoo
Die Frage ist nun: Ist Yahoo! auf eine Fehlmeldung (Cache hier, Screenshot meiner gePDFten Version links) hereingefallen oder hat schon ddp Mist verschickt? Anzunehmen, denn auch andere übernehmen den Mist, etwa ngo-online oder charivari.de

18:45: Anfrage bei ddp und Yahoo! per Mail, Versuche, den Urheber (Domaininhaber) zu kontaktieren.

18:54: Yahoo! auf Zack & beteuert telefonisch Unschuld, man verwende News nur von Dritten, also muß wohl ddp schuld sein. Schicke denen das PDF mit der Meldung und warte weiter auf Reaktion.

19:17: Warum wohl dieser Blog nur diesen einen Eintrag hat? Und der Autor des Blogs lauter solche Blogs hat, die nur einen Eintrag haben?

19:54: ddp hat ganz offensichtlich schon Feierabend, den mach ich jetzt auch.

Dienstag, 10:28: Mail von ddp, die Sache klärt sich auf. ddp hat diese Meldung tatsächlich verschickt (was ich kaum glauben kann, man lese sie mal intensiv durch), hatte aber einen Dreher drin:

„Anstatt ‘einheit-und-freiheit.de’ lautet der korrekte Link ‘freiheit-und-einheit.de’, heisst es von ddp. Und: „Auf die Idee, dass sich inzwischen eine offensichtlich linkextremistische Gruppierung des falschen Links bemächtigen würde, um Besucher auf ihre eigene Webseite zu lenken, kamen wir nicht.“

Eine Korrektur schob man laut ddp bereits vergangenen Freitag, 6.2., 13:06 in einer Mail an die Portale hinterher. Die haben natürlich bestenfalls die Meldung gelöscht, nicht korrigiert. Und Yahoo! hat ganz offenbar gar nichts gemacht. Hey, war ja Wochenende.

Die Moral von der Geschicht. Gerne würde ich ein verdammendes Fazit aussprechen, aber das hier ist ganz klassisch eine Verkettung unglücklicher Umstände, beginnend mit einer nicht schlussredaktionell überprüften URL. Trotzdem eine Riesen-Gaudi, die zeigt, was wir ins Zukunft von attention battles noch erwarten dürfen. Denn das Cut&Paste-Zeitalter wurde längst von der automatisierten Nachrichtendistribution abgelöst, in der es keine Möglichkeit gibt, falsche News zu stoppen (bei Usenet-News gibts das seit Jahrzehnten, wenn ich mich recht erinnere). So ist das eben, wenn man Nachrichten wie eine schnelllebige Ware behandelt, an der das sie strukturierende XML das wichtigste ist. GIGO – Garbage In, Garbage Out.

Fazit: Trotzdem hab ich eins. Medien wie Twitter nähern sich in meinen Augen keineswegs den Agenturen. Wer das glaubt, nennt sich zu recht einen Social-media-Enthusiasten. Es wird möglicherweise umgekehrt kommen: Geiz und die leichtfertige Geringschätzung qualitätsjournalistischer Arbeit werden die Agenturen immer Twitter-ähnlicher machen.

Jetzt wärs noch schön, den Domain-Kidnapper ans Rohr zu kriegen … ich muss ja kein Symphatisant seiner Szene sein, um mich an einer gelungenen Attacke im Spektakel des Aufmerksamkeitskrieges zu erfreuen.

3 comments Februar 9, 2009

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