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Studie: Zweidrittelmehrheit gegen Internet

Die “digitale Gesellschaft” ist in Wirklichkeit gar keine, zu diesem Schluss komme jedenfalls ich, wenn ich einen Beitrag wie diesen hier lese:

Natürlich versucht der Beitrag, diesen Eindruck zu vermeiden, in dem er anfangs die üblichen Beschwörungen des Hype zelebriert:

Die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Computer- und Internetnutzung lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Im Jahre 2009 nutzten hierzulande etwa 70 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren das Internet, Tendenz weiter steigend.

Papperlapapp. Die Studie, die der Artikel durchkaut, konstruiert sechs Typen,

  • darunter “Der digitale Außenseiter” (35 % der Bevölkerung), der vereinfacht gesagt vom Klicken keine Ahnung hat, und den die Studie als Glatzen-Opa mit Pfeife im Bart darstellt,
  • sowie auch “Der Gelegenheitsnutzer” (30% der Bevölkerung”), der zwar Klicken kann, aber lieber Zeitung liest, Radio hört und Nachrichten guckt, was jetzt bereits “klassische Medien” sind,

… und weiter braucht man den Mist gar nicht lesen, denn 30 plus 35 sind 65 Prozent, also deutlich mehr als die absolute Mehrheit die man braucht, Kanzler zu werden oder Bundespräsident – fast eine Zweidrittelmehrheit.

Eine knappe Zweidrittelmehrheit der Bevölkerung, so kann man also dem Artikel entnehmen, interessiert sich fürs Internet also wenig bis gar nicht. Das ist die Wahrheit, die allerdings im Diskurs jener 3 Prozent der “digitalen Avantgarde (= wir und natürlich auch Sie), die sich – wie wir hier – für mächtig wichtig halten, selten bis gar nicht vorkommt. Don Alphonso bloggte heute ähnliches wie ich hier und hier schon schrieb, nämlich dass es Zeit wird, den ständigen Forderungen, alles müsse irgendwie online gebracht werden, öfter mal mit der Stimme der Vernunft entgegenzutreten, auch wenn man dann gerne als digitaler Maschinenstürmer gesehen wird. Oder als Glatzen-Opa mit Bart und Pfeife.

Die Autoren der Studie sind übrigens gar nicht so euphorisch wie der FTD-Beitrag glauben macht, der den Inhalt der Studie so verzweifelt in Richtung Nutzwert zu drehen versucht, damit brave Marketeers ihn via kostenlose Pressearbeit als Twitter-Drohnen verbreiten. So heißt es bei den Machern:

Studie: Große Mehrheit der Deutschen ist nicht Teil der digitalen Gesellschaft: 35 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören zur Gruppe der „Digitalen Außenseiter“, 30 Prozent zu den „Gelegenheitsnutzern“. Lediglich 26 Prozent sind in der digitalen Alltagswelt angekommen.

… im Wortlaut bei tns-infratest.com. (Habe ich erst gelesen, als ich meinen Quark da oben schon verfasst hatte.) Haben wir so was, eine Verdrehung des Zweifels in Richtung Hype, nicht neulich schon gehabt? Ja genau, im Beitrag “Viele Marken meiden Social Media Plattformen“.

Übrigens: So stellen sich die Macher der Studie die “Digitale Avantgarde” vor:

"Digitaler Avantgardist" (Designstudie)

Sensation: Dieser “Digitale Avantgardist” hat hier sichtlich den iPad-Klon einer Firma in der Hand, die ein angebissenes Birnen-Logo verwendet, ohne von Apple verklagt zu werden! (Wo doch jeder weiß, dass die digitale Avantgarde nur Original-Apple shoppt. Wegen Digi-LOHA und so.)

März 22, 2010 at 5:19 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

SZ über UBuntu

Koala-Angriff auf Windows dummtitelt die SZ online, ganz so, als würden Linux-Anwender wirklich noch Windows verdrängen wollen (sie haben es doch schon: von ihren eigenen PCs). (Macs werden natürlich nicht “angegriffen”.)
Dann noch Die Linux-Gemeinde schlägt zurück – *würg* diese Leier ist doch inzwischen sooo lächerlich, oh Mann, (sueddeutsche.de/joku/holz), fällt Dir echt nichts besseres ein für das erste Mainstream-OS mit Cloud-Anbindung?

Liebe Leute:
Linux ist wie Ariel, Omo oder Dash: man nimmt es halt her. Nicht jeder, der ein Nokia kauft, ist “iPhone-Verweigerer” und nicht jeder MP3-Player, der nicht von Apple ist, ist “iPod-Killer”, und wenn ich einen “Nike”-Turnschuh kaufe (gesprochen: Nike, nicht Neikieh!), “greife” ich nicht “Puma an”.
“Ketchup-Killer: Mayo” Wer denkt sich bei euch eigentlich immer diesen Schmarrn aus???

Natürlich wird auch noch der Zusammenhang eine Woche nach Windows 7 suggeriert, dabei ist es bei einem halbjährlichen Ubuntu-Entwicklungszyklus mit Erscheinungsdaten im Frühjahr und im Herbst (und dort: meist Ende Oktober) geradezu unmöglich, nicht *zufälligerweise* zeitnah nach einer neuen Windows-Version zu erscheinen. Man darf sich wundern, dass der faktenfantasierende Autor der SZ bei diesem Schmarren nicht etwas in der Art von “Microsoft konnte dem Koala gerade noch einmal zuvorkommen und releaste sein Windwos 7 deshalb schon am 22.” hinzudichtete.

Mein Liebling aber ist die Bildunterschrift: Vorsicht, Bären:


Hmmm … Koalas, sind das denn wirklich Bären?

(Gnnihihi!)

Über den Erfolg des Projekts lässt sich streiten, wird als nächstes behauptet, womit der Autor sagen will: Es hat keinen. Traut er sich aber nicht, das laut zu sagen, daher diese verquast-vage Nichtaussage. Deswegen ne Message von uns hier: Über den Erfolg läßt sich nicht streiten. Innerhalb der Linux-Gemeine ist Ubuntu erfolgreich, außerhalb ist’s ein Nischenprodukt. Aber es existiert wenigstens. Wer mal  “chrome os” site:sueddeutsche.de (311 Treffer) mit ubuntu site:sueddeutsche.de (275 Treffer) (jeweils Stand Post-Datum) vergleicht, muss annehmen, dass Chrome OS, das noch _überhaupt_ *gar _keinen_* Marktanteil hat, bei der SZ mehr Berichterstattung erhält als Ubuntu. Da läßt sich offenbar über den Erfolg des Projektes nicht streiten, da nimmt man ihn einfach als gegeben an. Ein Wunder, dass man bei der SZ nicht Orkut für “erfolgreicher” hält als Xing.

Dennoch ist Ubuntu der breiten Masse eher unbekannt:Da war sie wieder, die *breite Masse* – damit sind WIR gemeint, wir SZ-Leser. B R E I T. Und MASSE. Danke, liebe SZ. Uns, der ‘breiten Masse’, ist übrigens je nach Interessenslage auch David Lynch oder Chuck Palahniuk oder Otto Klemperer unbekannt, aber sind die deswegen schon erfolglos?

Nur etwa ein Prozent der Computernutzer verwenden auf Linux basierende Betriebssysteme,”, aha, mit diesem ‘auf Linux basierend’ will der aus Wikipedia abschreibende Autor besonders schlau erscheinen, vergisst aber, dass nicht bloß Ubuntu auf Linux basiert, sondern auch dieser Router, jener DivX-Player, so manches Handy – jede Suchabfrage bei Google läuft letzlich über Linux.

Und, was sehe ich denn da? Eine header-Abfrage von sueddeutsche.de liefert das hier:

sz_auf_ubuntuMan wird bei sueddeutsche.de doch nicht etwa das ach so erfolglose Ubuntu einsetzen, hmmm? Tsts!

Linux ist, so der Autor, erfolglos, obwohl  sich die Bedienoberfläche von Ubuntu nicht groß vom Windows-Prinzip unterscheidet Soso, eine _Oberfläche_ unterscheidet sich also nicht groß von einem _Prinzip_, aha. Jedenfalls ist an dieser Stelle klar, dass der Mann noch nie ein Buch über Grammatik – geschweige denn ein laufendes Ubuntu – gesehen hat und daher alles, was Fenster hat, für Windows hält. Vielleicht sollte man ihn mal per ISDN-Karte mit Ubuntu surfen lassen, dann merkt er den Unterschied zu Windows ganz schnell.

auch schnelle Grafik soll besser umgesetzt werden – Ja wie jetzt? Wurde langsame Grafik schon immer gut “umgesetzt”, schnelle aber schlecht? Und ab jetzt soll auch schnelle Grafik gut bzw. besser umgesetzt werden? Wie habe ich mir das konkret vorzustellen?

*grusel*

Es ist mal wieder so: Wenn eine Tageszeitung wie die SZ über irgendwas im Umfeld Technik berichtet, und man das liest, dann darf man nur hoffen, dass ihre Berichterstattung zum Thema Wirtschaft, Politik und Kultur nicht ähnlich grottig ist.

Ich benutze Ubuntu übrigens nur gelegentlich, weil ich nämlich OpenOffice nicht leiden kann, aber so eine Presse hat es nicht verdient.

Oktober 30, 2009 at 4:22 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

1 Paar ungeordnete Gedanken zu Piraten

Schreiben ist kein Geschäftsmodell mehr” provoziert man auf Meedia.de, und wie man an den ersten Kommentaren sehen kann, sind viele Leser offenbar nicht mehr in der Lage, zwischen dem Ergebnis journalistischer Arbeit und dem Ergebnis ihrer Eingabe von <irgendwas> bei Google zu unterscheiden. Verständlich, dass die gleichen Leute dann sagen, man bräuchte diese Arbeit gar nicht. Als Ursache für ihren Irrtum mag ich aber ausmachen, dass sich diese Leser bereits im Prozess der digitalen Verblödung befinden, weil sie ausschliesslich Online-Medien im Boulevard-Bereich konsumieren und schon lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals, einen richtigen Artikel außerhalb des Boulevard gelesen haben. Denn hätten sie das getan, wüssten sie, wie ein recherchiertes Stück aussehen kann und wie viel Vergnügen es bereitet, ein solches zu lesen.

Ursache für diese unqualifizierte Aburteilung ist einerseits, dass viele schon gar nicht mehr wissen, warum Zeitungen so aussehen, wie sie aussehen. (Oder was der Unterschied zwischen DVD und Kino ist.) Und natürlich, dass ein Grossteil der Medien – online wie offline – tatsächlich nur schnell zusammengehauenen Schund liefert. (Man braucht sich ja nur mal meedia.des kritische Interviews anzusehen.) Was kein Wunder ist, denn für wenig Geld kann man ja nur Light-Text produzieren, siehe obigen Beitrag.

Doch Schreiben hat deswegen noch lange nicht sein Geschäftsmodell verloren. Vielmehr hat “Online” bisher noch nie Geschäftsmodell gehabt (außer schlecht bezahlter und blockierbarer Werbung), weil Online nicht in der Lage ist, die Tauschaktion (Geld gegen Ware) zwingend durchzusetzen, anders als zum Beispiel der Konsum einer Currywurst, bei dem selten die Frage aufkäme, ob man sie nicht auch einfach klauen könne.

Daher hat allein “Online-Schreiben” kein Geschäftsmodell, jedenfalls nicht, solange das selbe oder ähnliche Geschriebene andernorts umsonst zu haben ist. Umsonst ist es zu haben, solange 1. genug VC und anderes Spielgeld zirkuliert, um zahlreichen Online-Unsinn zu finanzieren (ich finde ja, wir brauchen noch ein paar weitere social networks), und es 2. genug Leute gibt, die sich für solche Medien ausbeuten lassen (“white labeled content”-Zulieferer, Nebenberufs-Freie) und es 3. keine klare Gesetzgebung und deren harsche Umsetzung gibt, die den Diebstahl von Texten in die Schranken weisen.

Denn die Wahrheit ist, dass es nicht wenige Online-Medien gibt, die eigentlich nicht schlecht leben nur davon, dass sie auf im Kern unverblümt gestohlene oder gestohlene und nur leicht variierte mediale Produkte ihre Werbung drauf kleben. Einige unter ihnen geben das mit Hinweise “via <Quelle>” wenigstens (oder dreisterweise) zu, aber das macht es nicht besser. Als Musterbeispiel aus dem Bewegtbildbereich seien all die YouTubes angeführt, die ihre Attraktivität zum großen Teil gestohlenen Inhalten verdanken und noch nicht mal eine Quelle nennen.

Das Geschäftsmodell des Medieninhalteverkaufs lässt sich im Internet (derzeit) nicht durchsetzen, zugleich lässt sich der Diebstahl von Medieninhalten (derzeit) nicht verhindern (zumindest tut es keiner, kein Anwalt und kein Medienverleger), weder technisch noch juristisch. Letzteres liegt allein daran, dass der Sachverhalt global und lokal zugleich ist, so dass sich immer technische und juristische Schlupflöcher auftun – allein wegen dieser Probleme existiert so was wie YouTube noch, wo ich, wenn ich ein beliebiges Musikstück hören will, einfach seinen Titel eingebe und es garantiert geliefert kriege, ebenso garantiert ohne Zustimmung des Urhebers oder Copyright-Inhabers.

Zugleich haben wir in D soeben die Piratenpartei zu Wahl zugelassen. Sie steht de facto für den Wunsch vieler Medienkonsumenten, Medieninhalte anonym, kostenlos und werbefrei konsumieren zu können, anders gesagt für den verständlichen Wunsch, weiterhin Medieninhalte ungestraft stehlen zu können. Wäre es so einfach, iPhones und Fahrräder zu klauen, wie es einfach ist, Medieninhalte zu rauben, hätten wir alle iPhones und Fahrräder. Die Piratenpartei ist nun angetreten um zu verhindern, dass Hersteller von iPhones und Fahrrädern Maßnahmen ergreifen dürfen, damit ihnen iPhones und Fahrräder nicht mehr geklaut werden.

Die Medien wiederum haben nicht genug Standing, um dies eindeutig auszusprechen und die Feigenblättchen der Piraten zu enttarnen, natürlich weil sie damit nicht im Interesse ihrer Leser handeln würden, denen sie ja seit Jahren vermitteln, wie man mit weniger Mitteln mehr rausholen kann, hier ein Schnäppchen machen, etc.

“Das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, muss gestärkt werden.”, schreibt die Piratenpartei bei “Unsere Ziele“. Das Recht des einzelnen Autoren, Journalisten, Dichters, Musikers, Saxophonisten, Werbetexters, Filmemachers, Drehbuchautors, Fotografen, Erfinders, Software-Entwicklers ist denen, die tatsächlich ganz unverblümt ihre Piraterie auf der Fahne tragen, dabei völlig egal, es geht ihnen allein um das Recht des einzelnen Medieninhaltediebes. Denn von denen gibts es mehr mit Wählerstimmen, als es Medieninhaltehersteller mit Wählerstimmen gibt.

(Ich möchte betonen, dass ich die anderen Piraten, nämlich die Verleger von Medieninhalten, ausführlich ausklammere, den die wären einen eigenen Diskurs wert, und der müsste mit großer Keule geführt werden; Medieninhaltehersteller sind für mich ausschliesslich jene Personen, die einen Arbeitstag damit verbringen, Medieninhalte herzustellen, und die am Ende des Arbeitstages ein Recht auf einen Teller Suppe haben, denn dafür haben sie einen klugen Text geschrieben, ein informatives oder erbauendes Bild fotografiert, ein heiteres Lied geschrieben oder sonstwas nützliches getan. Wir würden all die Medien ja nicht konsumieren, wenn wir das nicht irgendwie wollen und gut finden würden, oder?)

Meine Lösung lautet, einfach so weiterzumachen wie bisher und zu warten, bis der Markt sich bereinigt. Denn wo liegt eigentlich das Problem? Die Klickzahlen der Meister des Online-Gossip sind doch fabelhaft. Und wenn nicht, dann sollen sie bitteschön dicht machen (oder staatliche Hilfe beantragen, die Piraten aus den Banken und die Millionengehälter einstreichenden Auto-Fritzen können das ja auch, selbst Parteien wie die Piratenpartei dürfen auf Wahlkampfhilfe aus der Steuerkasse hoffen, sprich aus jenem Topf, in den auch Medieninhaltehersteller, zum Beispiel Autoren, einzahlen). (Apropos staatliche Hilfe: Das wäre sogar sehr fair! Medieninhaltehersteller, die für ARD, ZDF und so weiter arbeiten, werden ja ebenfalls durch ein steuerähnliches Zwangskonstrukt bezahlt – man könnte das ja ausweiten…)

Wenn die Medieninhalte klickzahlenmäßig gesehen erfolgreicher Formate journalistisch gesehen nur minderwertige Ware darstellen, dann spricht das doch eine deutliche Sprache. Der Leser WILL diesen Ramsch, und neunmalkluge Kommentatoren mit Sätzen wie “Versierte Internetnutzer sind kaum noch auf die Monopolstellung der ’4. Macht’ im Staat angewiesen – und ich finde das gut!” (welche Monopolstellung denn?) oder “Wofür bitte schön sollten sie denn dann bezahlt werden? Diesen Datenmüll kann sich jeder User selber ziehen.” kennen einfach nichts anderes als diesen Ramsch. Sie verdienen auch nichts anderes, weil sie für nichts anderes bezahlen. Genauso gut könnte man RTL2 gucken und sich darüber beklagen, es gäbe so wenig Arthaus-Spielfilme.

Ich bezweifle nicht, dass keineswegs alle potentiellen Leser dumm sind. Die Klügeren unter ihnen, die mehr lesen wollen, als eine Google-Recherche oder Wikipedia ihnen bieten könnten, werden sicher irgendwann Geld dafür ausgeben, dass andere ihre Zeit damit verbringen, für sie etwas interessantes zu recherchieren, zu schreiben, zu dichten, zu fotografieren, zu programmieren, zu komponieren oder zu filmen. Das passiert ja auch heute Millionenfach, ja, die Leute legen sogar Geld für die BILD hin.

Bei Qualitätsmedien wird es nur leider in Zukunft etwas mehr Geld kosten, weil es an Einnahmen in der Masse fehlt (die Masse zieht sich ja derweil den Gratis-Newsmüll rein) und die Werbetreibenden sich aus dem Spiel entfernt haben werden, weil ihnen AdWords genügen.
Anders gesagt: Meiner Meinung nach ist das künftige Aufkommen des derzeit allenthalben bloß propagierten Qualitätsjournalismus eine zwangsläufige Begleiterscheinung des derzeit allenthalben real anzutreffenden Schundboulevards, und er wird noch geraume Zeit auf Papier stattfinden, weil das ein bewährtes Micropayment-System mit eingebauter, knebelfreier DRM besitzt.

Nicht zuletzt sehe ich auch viel Potential bei Verlagen. Die Dummheit, mit der so mancher Anzeigenverkauf unterwegs ist, lässt sich vermeiden – damit hätte man so manchen Titel retten können (ja, ich weiß, wovon ich hier spreche). Etwas verstaubte Titel kann man auf Vordermann bringen, aber dazu bedarf es halt inhaltlicher und personeller Entscheidungen; doch viele Verlage arbeiten mit Hierarchien, die eher denen in Geheimlogen gleichen – es ist teils so lächerlich, dass ich die 5 Euro ins Phrasenschwein gerne gebe dafür, dass ich hier wirklich die Phrase der “verkrusteten Strukturen” bemühe, die vielleicht sogar eher versteinert sind. Die Distanz zwischen Print- und Online-Abteilungen kann man verringern und aufheben, bis klar ist, dass überhaupt kein Artikel mehr nur für das eine oder andere Medium geschrieben wird, sondern stets für beide – nur eben unterschiedlich präsentiert. Vielleicht wird einigen Verlegern auch mal aufgehen, dass sie sich ernsthaft Gedanken machen müssen, ob sie die nächste Vertriebsrevolution wieder Google, Amazon und Apple überlassen wollen oder zur Ausnahme mal selber ihren Arsch hochkriegen – na schön, das war jetzt sicher utopisch gedacht.

Ja, äh, Gedanken, ungeordnet, wie angekündigt.

Juli 18, 2009 at 7:50 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

Auf Windows 7 warten?

Das letzte Mal hatte ich Windows Vista im März 2007 installiert und es einige Wochen durchgehalten. Leider stellte sich der Wichs als hübsch anzuschauende Produktivitätsbremse ersten Grades heraus, flog von der Platte und seitdem halte ich XP für super (so wie ich auch W2K mochte).

Vergangenes Wochenende probierte ich es erneut. Das Ergebnis: Vista ist ist auch fast zwei Jahre später und 300 MByte Patches geflickter der gleiche Mist. Ein Kopiervorgang von mehr als einer Handvoll Dateien dauert immer noch Jahre, es sei denn, man macht eine DOS-Box auf und nimmt xcopy. Und: Word 2007 neigt noch immer dazu, sich ab und zu einfach zu beenden – während ich schreibe. Kurz: Es ist immer noch ein Antiproduktivsystem, selbst wenn man alle unausgegorenen Schrottfunktionen wie UAC abschaltet. DIESE IRREN!

Ich habe mir damals ein Macbook gekauft, weil ich die Schnauze voll hatte und es beruflich eh nutzen musste. Natürlich verwenden Macs völlig überteuerte Hardware, einfach lächerlich, und das auch noch auf einem stets rückschrittlichen Stand der Technik, gar keine Frage.

Aber das Betriebssystem OS X ist seit 10.5 einfach besser, macht glücklicher, bzw. läßt einen – trotz eigener Macken und derer nicht zuwenige – deutlich seltener vollfrustriert zurück als diese Vista-Kacke. Glauben die wirklich, wer Vista erlitten hat, würde nochmal Geld ausgeben, um ein – hoffentlich wenigstens fehlerbefreites – Vista mit “weniger Funktionen” und neuem Skin/Screensaver als “Windows 7″ neu kaufen?

Dezember 1, 2008 at 2:45 nachmittags 2 Kommentare

Hype-Check: Apple iPhone

Es wird gehyped. Eine Suche wie nokia site:spiegel.de auf Google ergibt 18.100 Treffer, iphone site:spiegel.de hingegen 2.010.000 Treffer. Oder: iphone site:zeit.de siegt mit 19.700 Treffern über nokia site:zeit.de mit 15.000 Treffern. Doch nicht jeder hyped mit: 36.200 Treffer für nokia site:focus.de, aber nur 15.300 Treffer für iphone site:focus.de. Das bedeutet: Focus Online hat keine besonders schlauen Search-Engine-Optimierer – und Spiegel Online gaunert höchstwahrscheinlich irgendwie irgendwas rum*.

Soweit die Hype, wie sieht die, äh, Wirklichkeit aus? Interessant sind da die aktuellen Zahlen: Apple will nach eigenen Angaben 6,9 Millionen iPhones zwischen Juli und September abgesetzt haben. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal 2008 sollen weltweit insgesamt 305 Millionen Handys verkauft worden sein. Das würde dann über den Daumen gepeilt 2,3 Prozent Marktanteil für das iPhone machen.

2,3 Prozent. Und darum all das Getöse?

Zum Vergleich übrigens: menschenrechte site:focus.de mit 9.970 Treffern, menschenrechte site:spiegel.de mit 20.200 Treffern und menschenrechte site:zeit.de mit 458.000 Treffern.

* oder: diese Art der Hype-Messung ist nicht tauglich ;-)

Oktober 22, 2008 at 10:35 vormittags 4 Kommentare

Gerüchtküche um neue Apple-Hypeware

Nicht vergessen: Mit einem Wort wie “Gerüchteküche” jetzt = noch vor dem 9.9. die neuesten Gerüchte (iPod nano wieder länglich und mit Lagesensor, neue iPods touch billiger und mit GPS, neues iTunes 8 mit Geschmacksverstärker, etc.) aus der Küche des Web zusammentragen und am Ende hinzufügen: Sind natürlich nur Gerüchte. Danach kritisch schließen, etwa mit einem Hinweis darauf, dass wenn Apples iPod touch in seiner neusten Version tatsächlich das Wahnsinnsfeature eines Volume-Reglers eingeführt hat, dies nicht unbedingt als Innovaton gelten kann.

September 4, 2008 at 3:34 nachmittags 1 Kommentar

Baut Microsoft den Browser für Perverse?

Ehrlich gesagt: Ich surfe nicht mehr mit Internet Explorer, seit Phoenix zu Firebird unbenannt wurde – obwohl ich gehört habe, dass Internet Explorer 7 nicht mehr völlig scheibe sein soll. Selbst als Zweit-Browser, um mich irgendwo ohne aktuell gültige Datenkraken-Cookies umzusehen, verwende ich lieber Apples armselige Ausrede für einen Browser, einfach, weil ich den IEX wirklich nicht ausstehen kann.

Version 8 soll nun aber ganz toll sein. Dazu ein paar Schlagzeilen: “Internet Explorer 8 setzt jetzt auf Usability” (aha, bisher war diese scheinbar egal), “Internet Explorer 8 verstärkt Datenschutz” und “Mehr Sicherheit beim Internet-Surfen” (aha, man hatte bisher wenig), “Internet Explorer 8 soll “spurlose” Web-Nutzung ermöglichen” (soso). Direkter wird da schon “IE 8 soll Schutz der Privatsphäre verbessern“, “Microsoft setzt auf Privatsphäre” (cool: „nach Hause telefonieren“ als „privat“ zu deklarieren), “Internet Explorer 8 erlaubt anonymes Surfen” (leider entweder für alle Browser richtig oder völlig falsch) und, schon ganz nah dran:
Browser mit Porno-Tarnkappe“.
Allerdings, was stellt man sich in Hamburg unter einer Porno-Tarnkappe vor? Macht diese Harry Potter nicht unsichtbar, sondern lässt sie ihn wie eine alte Ausgabe von “Color Climax“ aussehen?

Also wollen wir mal die Fakten auf dem Tisch legen. Seit Jahren schreibt die Presse über Themen wie “Anonym im Internet”. Und wir alle wissen, warum das die Leute interessiert: Weil alle nach Pornos googlen, sich bei Porntube Videos reinziehen und auch sonst allerlei Schweinkram daunlowden. “Surfen” ist ohnehin ein schlechtes Wort, es müsste eigentlich “swingen” heißen, und statt googlen sollte sich das Wort “orgien” etablieren. Na, egal, jedenfalls gibt’s von Microsoft nun den Browser für Pädophile und Perverse, einer, der seine schmuddeligen Spuren nicht erst im Nachhinein löscht, sondern schamhaft gar nicht erst anlegt.

Bevor nun aber gleich alle loswingern und nach Tierpornos und Snuff orgien, sei auf folgendes Wort hingewiesen: „Vorratsdatenspeicherung“. Seit Januar müssen Anbieter von Festnetztelefon, Mobilfunk und Internet alle Verbindungsdaten ihrer Kunden aufzeichnen und diese Daten für mindestens ein halbes Jahr lang speichern – eben „auf Vorrat“. Da können Sie noch so sehr mit der „Porno-Tarnkappe“ surfen: Wenn Sie sich die Damen auf allebitches.com ansehen, dann weiß ihr Provider das. Und wenn der es weiß, dann können es auch andere wissen. Da kann der Schäuble noch so sehr abwiegeln, dass Ermittlungsbehörden die Daten ja nur dann verwenden könnten, wenn ein Ermittlungsrichter das genehmigt hat – unsere Datensätze bei den Lotterieanstalten hätte er sicher auch nicht leichtfertig durchgewunken, noch nicht mal Schäuble. Und was von der Privatsphäre bei der Telekom zu halten ist, hat diese ja unlängst unter Beweis gestellt.

Kurzum: Wenn Sie pervers sind, dann lesen Sie lieber ganz klassisch ein Pornoheftchen, so wie Kafka.

August 28, 2008 at 5:21 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

iPhone kann nichts und Aplle führt in die Irre

Das sagen inzwischen auch höchste Stellen, berichtet das Hamburger Altpapier hier. Dass Apple demnach tatsächlich argumentiert, “normale Handys” würden nur WAP können, finde ich ebenso erschreckend wie eine Person im Android-Umfeld, die mir neulich nicht glauben wollte, dass man auch für Symbian OS, Windows Mobile und Blackberry Anwendungen entwickeln kann.

August 27, 2008 at 10:19 vormittags Hinterlasse einen Kommentar

Hilfe, ich bin reich!

iPhone-Benutzer, ja Apple-Nutzer ganz allgemein, haben den Ruf, geltungssüchtige Einfaltspinsel zu sein, die gerne mehr zahlen, um von der Last essentieller Funktionen befreit zu werden. Beachten Sie dazu bitte auch unseren Poll am Ende des Posts…

Dass das blanker Unsinn ist, beweist die Erfolgsbilanz der iPhone-Anwendung “I am Rich“. Wer das Tool aus dem App Store shoppte, blätterte dafür schlappe 999 US-Dollar hin. Der Funktionsumfang: Die Applikation zeigte an, dass sie installiert war, sonst nichts. Sie signalisierte also, dass der Inhaber es sich leisten konnte, 1000 Dollar für Bullshit auszugeben. Früher hat man die Scheine verbrannt, um sich damit Zigaretten anzuzünden – das wirkt im Vergleich weniger dekadent.

Doch haben Millionen, von weißem Plastik verdummte Idioten es gekauft? Eben nicht! Nur acht Vollpfosten aus aller Welt erleichterten sich selbst um umgerechnet 800 Euro. Die aber sind besonders bescheuert: »Ich habe spaßeshalber auf den Kauf-Button geklickt und bin nun 999 Dollar los.«, zitiert die Computer Reseller News einen der Low-Brainer. HA HA HA, man klickt halt auch nicht “spaßeshalber” auf “Kaufen”, Mann!

Apple hat die Anwendung, übrigens Made in Germany, aus dem App Store genommen. Entweder ist das [Paranoia] ein weiterer Beweis für den unverhohlenen US-Wirtschaftskrieg gegen deutsche Software-Anbieter [/Paranoia]. Oder man schätzt den IQ der eigenen User als nicht besonders hoch ein. Letzteres klingt deutlich plausibler, immerhin gibt es “Anwendungen” für das iPhone, bei denen man für 8 Euro den virtuellen Sand eines virtuellen ZEN-Steingartens rechen kann.

Man denke auch an das MacBook in Schwarz, das bei gleichen technischen Daten mal eben 200 Euro mehr kostet als das weiße (Unterschied: 90+ GByte auf der HD, aber die machen keine 200 Euro aus!). Auch hier zeigt der Käufer mit der schwarzen Farbe nur, dass er sie sich leisten kann – „I am Rich“ kann also als Prototyp einer wahrhaft Apple’schen Anwendung gelten.

P.S.: Kritik an Apple-Produkten wird von den Fans meist damit niedergeschrien, man sei nur neidisch. Daher oute mich hiermit als Besitzer zweier Macs. Bliebe nur noch der mögliche Vorwurf, ich sei nur neidisch auf jene, die 800 Euro für „Nichts“ ausgeben können. Tja, äh, was soll ich sagen: ja!

[poll id="2"]

August 11, 2008 at 7:59 vormittags Hinterlasse einen Kommentar

iPhone-Verkäufe: Alles nur Schwindel?

Wächst Steve Jobs etwa eine lange Nase? Das glaubt zumindest Gene Munster.

Der Analyst von Piper Jaffray wunderte sich über die hohe Verkaufszahl von einer Million veräußerten 3G-iPhones, die Apple kurz nach Verkaufsstart herausposaunt hatte.

Also fragte der spitzfindige Excel-Profi bei verschiedenen Läden nach und kam mit einer Hochrechnung seiner Stichproben auf nur noch 425.000 Einheiten. Seine Vermutung: Alle aktuellen Tatsch-Handys, die von Apple an die Läden herausgegeben wurden, gelten beim Unternehmen als verkauft – auch wenn sie womöglich noch im Regal dahindümpeln. Insofern: sehr optimistisch.

Hype^2 macht da jetzt einfach mit und erklärt für den Monat Juni sensationelle 23 Miliarden Seitenaufrufe – hätte ja sein können …

Juli 16, 2008 at 2:40 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar

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