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FDP bei 18/6 Prozent
Man wird ja schon mal fragen dürfen, warum wir für das so unwichtige Ressort eines Außenministers einen Vertreter einer so erfolgreichen und populären Partei haben…
Andererseits: Auf die Unwichtigkeit einer Piratenpartei bzw. einer DKP oder NPD zu sinken, das ist irgendwie auch eine Leistung. Und ganz nah dran an 18%. Das verspricht viel für die deutsche Außenpolitik der kommenden drei Jahre…
Mai 22, 2010 at 4:41 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Titanic-Titel “Kirche heute”
Als Journalist lernt man, bei drei Themen vorsichtig zu sein: Kinder, die katholische Kirche, der Papst. Die letzteren beiden nicht etwa, weil das gesetzliche oder journalistische Regeln so wollen. Sondern weil das am meisten Ärger nach sich zieht. Diesen Ärger hat die Titanic nicht gescheut, die derzeit auf dem Cover Jesus am Kreuz und einen Pfarrer in mißdeutbarer Konfiguration zeigt.
Besonders faszinierend finde ich, wie der Hype darum in sozialen Medien kristallisiert: Die Facebook-Gruppe Wir protestieren aufs Schärfste gegen das aktuelle Titanic Cover versammelt Anhänger, die das Cover nicht ganz so gelungen finden, und steht derzeit bei 1.472 Mitgliedern. Die Facebook-Gruppe Wir unterstützen aufs Schärfste das aktuelle Titanic-Cover versammelt Anhänger, die das Cover ganz proper finden und kommt auf 3.275 Mitglieder. Das spricht ein wenig für die These, dass dieses Teufelszeugs namens Internet die Menschen vom Glauben abbringt.
Ich finde zwar das Cover nicht verwerflich, weil es ein Jesuszitat manifestiert (absichtlich oder zufällig, wer weiß das schon) und damit schon im Voraus die Bigotterie der erwartbaren Angriffe entlarvt; allerdings finde ich, man muss auch nicht immer alles auf die Spitze treiben und mit “Kirche heute” schert man einfach zu viele über einen Kamm. Daher kann ich keiner der beiden Gruppen beitreten.
Hier das Ergebnis meines Versuchs, eine Gruppe zu finden, der ich beitreten könnte:
Die Suche nach “Katholiken gegen Missbrauch” ergibt: nix (nur diese eine gezeigte Gruppe da). Auch andere Suchanfragen ähnlicher Art erbringen nichts, was aber wenig heißt; es mag doch die eine oder andere Gruppe dieser Art geben, die ich auf die Schnelle bloß nicht finde.
Ich glaube aber nicht dran. Ich glaube eher, es ist wie bei den Muslimen: Ganz groß jammern, wenn jemand ein unerwünschtes Bildchen malt, aber öffentlich gegen schwarze Schafe in denen eigenen Reihen auf die die Straße zu gehen, das ist dann doch nicht drin. So finde ich bei der Suche “Muslime gegen Terror” die Seite www.muslime-gegen-terror.de:
April 13, 2010 at 1:58 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Wikipedia immer lustiger
Das Wikipedia “krank” ist, weiß jeder, der mal versucht hat, darin etwas beizutragen, aber nicht willens war, Fundamentalist zu werden. Besonders heiter stimmt mich aber heute dieser TP-Artikel über ein höchst verwerflich Ding’, mit dem auch die Keuschesten unter uns einst Kontakt hatten: “Vulva“.
Muss alles digitalisiert werden?
Replik auf Kommentare zu diesem Beitrag:
Ich verstehe, dass es mühselig ist, mehr als 140 Zeichen zu einem Thema zu verfassen. Aber ich denke eben auch, dass es Themen gibt, die sich nicht in dieser Kürze abhandeln lassen, übrigens auch nicht in der Kürze eines Blogposts. Dass die Dinge nicht schwarz und weiß sind, sondern grau, das ist mir übrigens hinlänglich bekannt. Mein Post ist deswegen so einseitig, weil er auf ein einseitiges Post antwortet, und nur deswegen.
Die gesamte Blogosphäre kommt mir zunehmend einseitig vor, alle schreien sich nur gegenseitig “Hurra!” zu, Kritik wird nicht wahrgenommen, sondern einfach ignoriert. Ich werfe hier wohlgemerkt keine Denkverbote vor – sondern Ignoranz und diskursloses Dauerkuscheln. Das ist durch die Struktur des Webs in seiner aktuellen Form ja besonders leicht, weil jeder sich rein interessensgesteuert informiert (was natürlich auf den ersten Blick ein Segen ist). Aber bei den Beteiligten schleicht sich durch diese Struktur der gegenseitigen Bestärkung, ja: Hype-ung leider nie der Verdacht ein, man könnte eventuell eine Minderheitsmeinung oder eventuell etwas völlig Blödsinniges vertreten. Gerade weil man ständig nur Beifall hört. Widerspruch, also: richtigen, findet man nur selten.
” meinste nicht auch, dass beispielsweise die verlorengegangene Menschlichkeit durch die Einführung von Maschinen, später Computern, dazu geführt hat, dass Firmen riesige Summen einsparen?” Ich kann nur hoffen, dass Dein Satz nicht wie folgt gemein ist: “Ja, zugegeben, es ging Menschlichkeit verloren. Aber hey, dafür haben Firmen riesige Summen eingespart!” Denn natürlich ist das wahr. Genau davon rede ich doch hier. Der Sinn unserer Existenz kann aber doch nicht darin bestehen, dafür zu sorgen, dass Firmen “riesige Summen einsparen”. Wenn Summen eingespart werden, dann bedeutet das in einer kapitalorientierten Gesellschaft immer auch, dass folgendes passiert: jemand kann seine Miete nicht mehr zahlen, jemand kann seine Familie nicht mehr ernähren.
Wir sind keine Firmen, die Firmen sind nicht wir. Firmen sind organisierte Strukturen, die den Menschen zu dienen haben, nicht umgekehrt. Zu diesem Zwecke hat man sie mit Personenrechten ausgestattet, nur zu diesen. Ich bin weiß Gott kein Freund von Gewerkschaften, aber ich bin erneut erstaunt, dass sich seit Jahren eine Mentalität freiwilligen Sklaventums breitmacht, die sich scheinbar nur noch wünscht, dass es irgendwelchen Firmen gut geht. Dass es Unternehmen gut geht – nicht uns, unseren Kindern, unseren Omas. Demnächst werden sich, falls der Börsenkurs wegen abstrakter Wettspiele gerade mal wieder wackelt, verantwortungsbewusste Mitarbeiter selbst feuern – damit die Firmen Summen sparen.
[POLEMIK_ON] JA! Auch unser Staat kann riesige Summen sparen, wenn wir einfach alle Rentner und Arbeitslosen und auch alle anderen Unproduktiven (und bitte auch gleich Theater- und Kulturschaffende – alles nur Schmarotzer am Bruttosozialprodukt) an die Wand stellen und abknallen. Wir können auch die Schulen dichtmachen und Fachkräfte einfach aus dem Ausland holen. “Spart Geld.” [POLEMIK_OFF] Raaah! Was soll denn “sparen” für eine Begründung sein?
Falls es Dir noch nicht aufgefallen ist: Heute arbeitet nicht mal mehr jeder zweite in diesem Land. Viele dürfen nicht mehr arbeiten, weil Maschinen ihre Arbeit machen. Andere müssen mehr arbeiten, um die nicht arbeitende Bevölkerung durchzufüttern. Und jedes Jahr wird es schlimmer. Jedes Jahr muss Peter mehr arbeiten, weil Peter ja einen Paul ernähren muss, der keine Autos mehr montieren darf (macht jetzt Roboter Mark V) oder eine Rita, die keine Kinokarten mehr verkaufen darf (macht R2D2). Diese Entwicklung ist doch Blödsinn.
Diese Entwicklung wird noch blödsinniger in einem globalen Wettbewerb, in dem jedes Volk alle anderen Völker mit Produktivität und Kostensenkung überbieten möchte. Im Verlauf dieser Entwicklung können nur Staaten stehen, in denen Menschen dafür schuften, eine neue, möglichst noch produktivere Maschinengeneration zu entwickeln. Ich schwafle hier nicht von “Die Maschinen werden die Herrschaft übernehmen, Hül-fee!”, sondern von etwas, das völlig auf der Hand liegt: Die einzige Möglichkeit, einen bereits mechanisierten und hochproduktiven Konkurrenten, der so wunderbar produktiv ist, weil seine Kinokartenabreisser und Bandarbeiter schon wegrationalisiert hat, noch weiter an Produktivität zu überbieten, ist, auch noch die Aldi-Kassiererin und den Gemüseverkäufer und den Friseur und die Krankenschwester wegzurationalisieren. Die Antwort der Konkurrenz kann nur darin liegen, die Journalisten durch automatisierte News-Portale zu ersetzen, die letzten Architekten ein Standardmodell eines Gebäudes entwickeln zu lassen und Roboter dann nur noch diese Gebäude fertigen zu lassen (in der Tat liegt die letzte Begründung, warum Gebäude heute noch individuell gestaltet werden, natürlich nur in der Eitelkeit der Besitzer; für den “sozialen Wohnungsbau”, den in den Maschinenstaaten der ersten Generation dann die zu 90 Prozent “arbeitssuchende” Bevölkerung beherbergen wird, wird die Zukunft wie von mir dargestellt eintreten). Lebensmittel kommen eh vom Band, und Banker braucht auch keiner – die Wetten an den Börsen kriegt man auch mit einem getRandomNumber(); hin. (Ja, warum will eigentlich nie jemand Firmenbosse wegrationalisieren? Sind chinesische Wirtschaftslenker nicht viel billiger als unsere eigenen? (Und viel Weiser?))
Wer heute online Tische reservieren will, weil Telefonieren ja so unbequem ist, will morgen einen Service-Boter, denn der ist nie schlecht gelaunt und bringt immer das richtige. Ein echter Koch versalzt auch mal die Suppe, wenn er verliebt also, also foolglich übermorgen bitte “Herr Terminator, bitte sofort in die Küche!” – dann wird’s immer gleichmäßig gut. Dann leuchten am Tisch nur noch zwei Button auf: „Brust oder Keule?“ und alle sind zufrieden. Politik wird dann auch von Maschinen gemacht. (Ich bin sicher, im Publikum denken einige gerade “Wäre wohl auch besser.”. Das macht mir ehrlich gesagt ein bisschen Angst.)
Eigentlich braucht man auch nicht ins Restaurant gehen.
Produktivitätsmäßig gesehen ist das eine eher uneffektive Art zu speisen. Statt da drei Stunden rumzuhängen und zu quatschen, meist über unwichtige Themen wie “Gott und die Welt”, könne man auch zwei Stunden und fünfzig Minuten arbeiten (wenn man dürfte), das würde die Produktivität heben. In den verbleibenden 10 Minuten könnte man sich die Tube mit Nährschleim in den Rachen pressen. Ginge schneller, wäre effektiver. Könnte man sicher Summen mit sparen.
Kurz: Eigentlich „brauchen“ wir _überhaupt keinen Menschen_ mehr. Es ist doch nur eine Frage der Intelligenz und der Bezahlbarkeit (ergo: nur eine Frage der Zeit), Maschinen zu entwickeln, die auch Fließen legen oder in Kläranlagen tauchen oder iPods kaufen, bedienen und sie wegschmeissen können.
Oder die andere Maschinen entwickeln. Denn das ist natürlich der nächste Schritt der Produktivitätssteigerungsspirale, die logische Fortsetzung des Computer Aided Engineering: Neue, noch produktivere Maschinen zu entwickeln (und die alten, wie vorher die Menschen, auf den Müll zu schmeißen). Das Ergebnis ist, wenn man sich im Verlauf dieser Entwicklung nicht gegenseitig zerbombt, eine Gesamtmaschinerie auf Erden, die den höchstmöglichen Produktivitätsgrad erreicht hat, limitiert nur noch durch Naturkonstanten und Ressourcen, wobei letzteren natürliches Konfliktpotential innewohnt, ein Problem, dass ich hier der Einfachheit halber mal weggelassen habe, denn das Ganze ist schon absurd genug, wenn man es nur zu Ende denkt.
Natürlich ist das “schwarz und weiß” gezeichnet und nicht grau. ![]()
Aber manchmal hilft es eben, das Bild zu sehen, wenn man die Kontraste übertrieben anhebt.
Und diesem Bild kommt kein Mensch mehr vor. Die menschenbefreite perfekte Weltmaschine, die der konkurrenz- und mitarbeiterlosen Weltfirma gehört und die den besten Aktienkurs hat, diese Maschine ist doch zu kurz nichts mehr nütze, wenn es keine lachenden Kinder mehr gibt und Menschen, die sich im Mondschein küssen. Es wird dann noch nicht mal jemand da sein, der die Sinnfrage stellt. Mission Accomplished.
Wahl-Prognosen vs -Ergebnisse
Fand ich ganz lustich, so im Rückblick. Hier die “vorläufigen” Wahlergebnisse, gescreenshottet als Kurzitat vom Stern heute:
Hier die Prognose des ZDF Politbarometer vom 22.8.:

Und hier sozusagen die “social Wahlprognose“, mit 2.0-Methoden ermittelt bei Xing, vom 9.8.:

Fazit:
Es ist typisch für IT-, erst recht Internet- und vor allem das Social-Media-Irgendwas-Business, sich für die Mitte der Welt zu halten. Und doch irgendwie auch beruhigend zu sehen, dass man darin irrt. Xing jedenfalls darf sich fragen, warum seine User überwiegend Raubkopierersymphatisanten sind, Werbende sollten sich fragen, ob das noch eine erreichenswerte Zielgruppe darstellt.
Oktober 12, 2009 at 4:56 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Aus Protest gegen Wahlergebnis: Hype^2 schliesst
Hier das Ergebnis unserer großen Hype^2-Wahlumfrage, die immerhin fast ein halbes Jahr lang Stimmen sammelte:
[poll id="6"]
So wollte es der Bürger.
Doch wie Sie am Wahl-TV-Abend sicher bemerkt haben, hält sich die Politik nicht daran. Statt dessen Tigerente! Da sehen wir für Deutschland aber ganz schwarz! Das Ente des Abendlandes ist nah!
Aus diesem Grund hat sich Hype^2 entschlossen, sich aus der Politik zurückzuziehen und dieses Blog zu schließen. Servus!
September 28, 2009 at 9:45 vormittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Von der Leyen fordert den Dummuser
Frau von der Leyen bringt es in diesem rbb-Interview auf den Punkt: Versierte Nutzer sind verdächtig, “zum Teil Schwer-Pädokriminelle”.
Ich zum Beispiel bin versiert, das kann ich zweifelsohne sagen, weil ich gefühlt die halbe Menschheit kostenlos supporte. Einen Zensurversuch von der Dummheit, wie sie die Kinderpornografieministerin eingeführt hat, könnte ich sicher umgehen. Aber bin ich deswegen schon Schwer-Pädokriminell, Frau von der Laie?
Irgendwie “verdächtig” zu sein, nur weil man irgendwie vage “versiert” ist, ist kein Spaß. Etwa so, als würde man für einen Einbrecher gehalten, weil man mit einem Schraubenzieher umgehen kann. Als würde man als Schläger eingebuchtet, weil man Kampfsport betrieb. Als würde man als Steuerhinterzieher verhaftet, nur weil man den “Konz” erwarb. Als stünde einem die Wasserfolter bevor, nur weil man eine Michael-Moore-Doku ansah.
Wird mein Telefon schon abgehört, weil ich, selbst wenn ich kein Schwer-Pädokrimineller wäre, unter Umständen solchen Schwer-Pädokriminellen Tipps geben könnte, bewusst oder unbewusst, jetzt oder in zukunft, hier oder einer möglichen Paralleldimension? (Da würde meine Gesprächqualität sicher ziemlich sinken, immerhin hören auf meinem Android-Handy von T-Mobile möglicherweise schon Google und T-Mobile mit, vielleicht sogar auch die Chinesen (immerhin zensieren *die* nur ihren eigenen Landleuten den freien Zugang zu Information).)
Was von der Leyen in Wirklichkeit fordert, das ist der DAU: der dümmste anzunehmende User.
Der sieht die Welt des Webs nur so, wie Browserhersteller und Zensurprovider es sich wünschen.
Der nichts machen kann, nur nutzen und konsumieren.
Den kann Malware auspionieren, wie sie will. Der Regierung ists egal, hauptsache, der Schäuble-Trojaner kann es ebenfalls.
Der nur noch brav shoppen kann. Erlaubte Güter mit dem Freigabestempel der Zensurbehörde.
Der nur noch lesen kann, was erlaubt ist – die Pressemitteilungen von Frau von der Leyen & Co.
Weil ich keinen Bock auf eine Informationsdiktatur nach chinesischem Vorbild habe, kündige ich hiermit meinen garantierten Stimmentzug für C-Parteien an.
Die große Hype^2-Experten-Wahlprognose für die Bundestagswahl 2009
[poll=6]
April 22, 2009 at 2:06 nachmittags /aw/ Hinterlasse einen Kommentar
Killerspieldebatte, die xte
Bei Amokläufen ist in diesem Land Staatshysterie angesagt. Besonders interessant ist, wie hier sofort höhere Hirnfunktionen ausser Funktion treten. Der Amokläufer wuchs in einem hochgerüsteten Haushalt auf, hatte leichten Zugriff auf Waffen und die Bude voller Paintball-Knarren, doch “Experten” verteufeln mal wieder nur die Killerspiele. Kriegen die da eigentlich Honorare für oder wieso ist das jedesmal so? Schäuble will gleich den “Zugang zu Gewaltdarstellungen beschränken” – strengere Vorschriften in Sachen Waffenbesitz wären dagegen seiner Meinung nach nicht sinnvoll. Leuchtet das nur mir nicht ein?
Von mir aus sendet “Tatort” in einer geschnittenen 30-Minuten-Version mit rosa-flauschigem Happy End und Resozialisierung des aufgehaltenen Täters in einer Super-Nanny-Anschluss-Sendung. Aber ein fragendes Gedankenexperiment sei erlaubt. Hätte der Täter ohne Killerspiele die Möglichkeit gehabt, seine Tat durchzuführen? Versus: Hätte er ohne den leichten Zugriff auf Waffen die Möglichkeit gehabt, derart Amok zu laufen?
Was ist denn wahrscheinlicher? Dass einer Amok laufen will, Zugriff auf Waffen hat, dann aber “Falling Down” in der Videothek nicht findet und “Counterstrike” auf seinem PC nicht läuft, er daher nicht lernen kann, wie so ein Amoklauf vor sich zu gehen hat? Oder dass einer Falling Down schon gesehen und Counterstrike schon gespielt hat, dann aber an der Möglichkeit scheitert, sich die nötigen Schiesseisen zu besorgen, ohne die ein Amoklauf ja irgendwie eher gewaltfrei abläuft?
“Ich kann überhaupt nicht erkennen, welche wie immer geartete Änderung am Waffenrecht an dem Geschehen etwas geändert hätte”, sagt Schäuble. Aha. In den USA hätte einer wie er vielleicht genau dasselbe gesagt, dort können einige ja auch nicht erkennen, dass ein Zustand, wie wir ihn haben, durchsetzbar ist. Immerhin besser, Herr Schäuble, als ein Spruch wie “Wenn alle Schüler Waffen tragen dürften, wäre der Täter gar nicht so weit gekommen.”; und ich persönlich kann nicht erkennen, wie mit Ihrer Vorratsdatenspeicherung der 9/11 hätte verhindert werden können.
Wir können doch in diesem Land verhindern, dass Jugendliche vor 18 Jahren Auto fahren dürfen. Wir können verhindern, dass in Kneipen geraucht werden darf. Koks gibts nicht frei zu kaufen, Haschisch auch nicht (nur Bier und Fluppen). Wenn ich, alter Sack, näher an der Rente als an der Schule, mal ein Gewaltspiel mit Blut spielen wollte, müsste ich nach Österreich fahren, weil bereits verhindert wird, dass Amazon es mir, einem Erwachsenen, liefert. Und wenn ich ein Glas Thunfisch mit 35 Gramm Öl ins Handgepäck nehmen will, wird das am Flughafen als potentielles terroristisches Gefahrengut sichergestellt. So in Watte gebauscht sind wir hier inzwischen (ausser unsere Soldaten in Afghanistan, für die sich solche Debatten extrem seltsam anhören müssen).
Warum zur Hölle soll es also nicht auch möglich sein, die Knarren ganz abzuschaffen? Sollen wir Mord, Raub, Erpressung und Menschenhandel als Straftatbestände aus dem Gesetzbuch streichen, bloss weil auch hier die reine Anwesenheit der Gesetze die Taten an sich noch nicht verhindern kann? “Können Sie mir einen Krieg nennen, den ein Pazifist verhindert hätte?”, möchte man da mit Gerhard Polt fragen.
Worüber wir übrigens reden können, ist ein Fernseh-, Monitor-, Computer-, Web-, Mail-, Chat- und Handy-Verbot bis zum 21. Lebensjahr – da wäre ich sofort dafür. Mit xyVZ & Co werden mehr Pickelteenies zu autistischen Zombies gemacht als LAN-Partys das je geschafft hätten. Und da wir schon das Rauchen in Kneipen abgeschafft haben, bitte nun auch ein Verbot für alkoholische Getränke, fettes Essen und rotes Fleisch. Und Comics müssen auch weg.
Neues von www.einheit-und-freiheit.de
Geil! Echter Aufmerksamkeitskrieg! Und ich fall auch noch drauf rein:
18:39: Neues von www.einheit-und-freiheit.de, über das ich mich vor kurzem beklagte. Hätte ich mir die PI nur mal durchgelesen, statt nur den Ding anzugucken, denn besondes viel steht ja nicht drin. Und die Seite sieht heute so aus:
Quite shocking, my dear!

Die Frage ist nun: Ist Yahoo! auf eine Fehlmeldung (Cache hier, Screenshot meiner gePDFten Version links) hereingefallen oder hat schon ddp Mist verschickt? Anzunehmen, denn auch andere übernehmen den Mist, etwa ngo-online oder charivari.de
18:45: Anfrage bei ddp und Yahoo! per Mail, Versuche, den Urheber (Domaininhaber) zu kontaktieren.
18:54: Yahoo! auf Zack & beteuert telefonisch Unschuld, man verwende News nur von Dritten, also muß wohl ddp schuld sein. Schicke denen das PDF mit der Meldung und warte weiter auf Reaktion.
19:17: Warum wohl dieser Blog nur diesen einen Eintrag hat? Und der Autor des Blogs lauter solche Blogs hat, die nur einen Eintrag haben?
19:54: ddp hat ganz offensichtlich schon Feierabend, den mach ich jetzt auch.
Dienstag, 10:28: Mail von ddp, die Sache klärt sich auf. ddp hat diese Meldung tatsächlich verschickt (was ich kaum glauben kann, man lese sie mal intensiv durch), hatte aber einen Dreher drin:
“Anstatt ‘einheit-und-freiheit.de’ lautet der korrekte Link ‘freiheit-und-einheit.de’, heisst es von ddp. Und: “Auf die Idee, dass sich inzwischen eine offensichtlich linkextremistische Gruppierung des falschen Links bemächtigen würde, um Besucher auf ihre eigene Webseite zu lenken, kamen wir nicht.”
Eine Korrektur schob man laut ddp bereits vergangenen Freitag, 6.2., 13:06 in einer Mail an die Portale hinterher. Die haben natürlich bestenfalls die Meldung gelöscht, nicht korrigiert. Und Yahoo! hat ganz offenbar gar nichts gemacht. Hey, war ja Wochenende.
Die Moral von der Geschicht. Gerne würde ich ein verdammendes Fazit aussprechen, aber das hier ist ganz klassisch eine Verkettung unglücklicher Umstände, beginnend mit einer nicht schlussredaktionell überprüften URL. Trotzdem eine Riesen-Gaudi, die zeigt, was wir ins Zukunft von attention battles noch erwarten dürfen. Denn das Cut&Paste-Zeitalter wurde längst von der automatisierten Nachrichtendistribution abgelöst, in der es keine Möglichkeit gibt, falsche News zu stoppen (bei Usenet-News gibts das seit Jahrzehnten, wenn ich mich recht erinnere). So ist das eben, wenn man Nachrichten wie eine schnelllebige Ware behandelt, an der das sie strukturierende XML das wichtigste ist. GIGO – Garbage In, Garbage Out.
Fazit: Trotzdem hab ich eins. Medien wie Twitter nähern sich in meinen Augen keineswegs den Agenturen. Wer das glaubt, nennt sich zu recht einen Social-media-Enthusiasten. Es wird möglicherweise umgekehrt kommen: Geiz und die leichtfertige Geringschätzung qualitätsjournalistischer Arbeit werden die Agenturen immer Twitter-ähnlicher machen.
Jetzt wärs noch schön, den Domain-Kidnapper ans Rohr zu kriegen … ich muss ja kein Symphatisant seiner Szene sein, um mich an einer gelungenen Attacke im Spektakel des Aufmerksamkeitskrieges zu erfreuen.




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