Mehr Hype – durch virale Videos
…und alles, was dazu gesagt werden muss, finden Sie hier:
FDP bei 18/6 Prozent
Man wird ja schon mal fragen dürfen, warum wir für das so unwichtige Ressort eines Außenministers einen Vertreter einer so erfolgreichen und populären Partei haben…
Andererseits: Auf die Unwichtigkeit einer Piratenpartei bzw. einer DKP oder NPD zu sinken, das ist irgendwie auch eine Leistung. Und ganz nah dran an 18%. Das verspricht viel für die deutsche Außenpolitik der kommenden drei Jahre…
Die Zukunft des Journalismus in Blogs …
…sieht wie folgt aus. Anstelle des „Waschzettels“ tritt der offene Aufruf an Blogger, eine „Bio“-Schlonze der Marke Garnier zu „testen“. Was kann demnach der Zauberglitsch aus der Plastiktube?
In Verbindung mit weiteren hauttypenspezifischen und natürlichen Inhaltsstoffen sorgt Aloe Vera für die Basis einer schönen und ausgeglichenen Haut.
Man könnte sich fragen: Warum schreiben die nicht einfach „Aloe Vera macht schön.“ – doch dem steht vielleicht als Problem entgegen, dass Wikipedia zu Aloe Vera Dinge zu sagen hat wie „Zur Medizinischen Anwendung und Wirkung fehlen Quellennachweise“ und „Ein Nachweis zur Wirksamkeit steht jedoch aus“. Nun gut, Wikipedia kann möglicherweise irren. Aber möglicherweise ist es auch so, dass man den Kunden mit verbalem Blubb einseifen muss, weil die juristische Prüfung klare Sätze zu Fall bringt. Also nochmal:
In Verbindung mit weiteren hauttypenspezifischen und natürlichen Inhaltsstoffen sorgt Aloe Vera für die Basis einer schönen und ausgeglichenen Haut
„In Verbindung mit weiteren“ – kurz: Wir geben zu, Aloe Vera allein reißt vielleicht doch nicht soviel, wer weiß das schon, dafür müsste man forschen…
„hauttypenspezifischen“- will heißen: Wenn’s bei Ihnen nicht hilft, liegt’s an Ihrer speziellen Haut. Kauf noch ne Tube von der anderen Sorte!
„und natürlichen Inhaltsstoffen“ – alles so Bio und natürlich hier bei uns!
„sorgt Aloe Vera“ – ah, hier wird suggeriert, Aloe Vera sorge für etwas, aber für was? Am Ende doch nur für
„die Basis einer schönen und ausgeglichenen Haut“. Das ist in etwa so, als würde ich sagen: ‘In Verbindung mit weiteren reinigenden und wischenden natürlichen Maßnahmen sorgt ein Zauberspruch zur Reinigung des Fußbodens für die Basis eines sauberen Fußbodens.’ – Ich gebe zu, dass ich es ganz köstlich finde, wie man sich hier windet, wahrscheinlich, weil die Restruinen unseres Rechtsstaates das allerschlimmste an Werbelügen verhindern. Weiter im Propagandatext:
Das liest sich alles sehr gut. Aber wie fühlt es sich an und hält es was es verspricht? Garnier sucht Blogger/innen die das herausfinden wollen und ihre Erfahrungen mit den neuen Garnier Bio Aktiv Produkten auf ihrem Blog teilen.
Nun müsste sich eigentlich ein Sturm der Entrüstung aus dem Publikum erheben, schließlich deuten Beiträge im Altpapier an, dass Garnier-Inhaber L’Oréal mehr für seine Produkte wirbt, als es für ihre Wirkung forscht. So klingt das dann von Seiten der kritischen Konsumenten:
Das hört sich ja sehr verlockend an.
Und:
Gerne würde ich meine empfindliche Haut mal wieder verwöhnen, und gerne auch darüber schreiben.
Gerne, verwöhnen, ja! Sehr schön auch das hier: In der Ausschreibung heißt es:
Die Produkte sind garantiert ohne Parabene, Silikone, Synthetische Farbstoffe und Mineralöle.
Ein Blogger bewirbt sich mit folgenden Worten:
… sehr gerne testen, da meine Haut auf feuchtigkeitsspendende Cremes angewiesen ist. Zusätzlich spricht dafür, dass es Naturprodukte ohne Parabene, Silikone, Synthetische Farbstoffe und Mineralöle sind.
Die selbe Anordnung der Worte, plus „Synthetische Farbstoffe“ mit großem „S“ – Zufall, fingierte Undercover-PR oder bloß Cut & Paste? (Darf man das dann auch von den „Testberichten“ erwarten, dass in ihnen folgsam nachgeplappert wird, was Dr. Grima Schlangenzunge aus der PRopaganda-Abteilung einflüsterte?)
Die Strategie von L’Oreal, eines der größten Werbetreibenden auf Erden, ist natürlich super. Denn die Damen (und einige wenige Herren) Claqueure und , die in ihren Blogs völlig unwissenschaftlich berichten werden, wie toll die ach so natürliche Schmotze aus der Fabrik bei ihnen wirkt, können sich völlig frei von juristischen Bedenken äußern und all die Dinge sagen, die Werbetreibende nicht selbst behaupten dürfen.
Sie haben keine Angst vor Schönheit aus der Bio-Tube? Dann nichts wie hin zu
http://das.blog.de/2010/05/07/testblogger-innen-gesucht-garnier-bio-aktiv-naturkosmetiklinie-garnier-8535115/
Lecka! Zum Abschluss noch das Zitat von einem, der es wissen muß:
»Das ist die beste Propaganda, die sozusagen unsichtbar wirkt, das ganze öffentliche Leben durchdringt, ohne dass das öffentliche Leben überhaupt von der Initiative der Propaganda irgendeine Kenntnis hat.«
Slow Media – so sieht es wirklich aus: The Nazi Island Mystery
Heute zur Ausnahme mal etwas, was wir bei Hype^2 sonst nur gegen gute Bezahlung oder körperliche Naturalienzahlung bieten: Schleichwerbung. Aber es gibt einen guten Grund: Der EVOLVER, die „beste popkulturelle Netzzeitschrift“ (O-Ton Waschzettel) in deutscher Sprache, für den aw_2.0 und mm_2.0 gelegentlich die Tastaturen quälen, entert die Bücherregale und macht so den Begriff „slow media“ endlich hoffähig! Der frisch gegründete Buchverlag – bei den Digital-Native-Opas von Annodunnemals nannte man so was „Startup“ – EVOLVER BOOKS debütiert am 26. April 2010 mit der ultimativen Fassung des Internet-Pulp-Romans „The Nazi Island Mystery“.
Wir zitieren faul aus der Presseinformation, Anmerkungen kursiv:
„Das Internet – lange ein Paradies für unabhängige Medien mit kulturellem Anspruch – verkommt zunehmend zum Müllplatz, auf dem maximal mittelmäßige Autoren ihre Ergüsse deponieren.“ (Ah, die sprechen von uns!) „Vergangen die Punk-Ära, in der Begabte und Unbegabte mindestens zwei Bands, eine selbstvertriebene Zeitschrift und ein Kunstprojekt am Start hatten.“ (Punk-Renter, seid ihr noch da?) „Wer damals Talent und Durchhaltevermögen bewies, konnte sich durchsetzen, das zeigt die Erfolgsstory des EVOLVER.
Heute besetzen die Unfähigen das Netz:“ (Yeah!) „Sie bloggen, sie twittern, sie facebooken und vergeuden unsere Zeit.“ (Man nennt es auch HYPE, Jungs!) „Deshalb zelebriert der EVOLVER ab sofort das gedruckte Wort und lässt zur Abwechslung mal wieder die Profis ran.“ (Das gibt dem Schimpfwort ‘Internet-Ausdrucker’ völlig neue Bedeutungsnuancen!)
„Peter Hiess, Mitbegründer des EVOLVER, und Robert Draxler, Langzeit-Kollaborateur beim Online-Magazin, haben EVOLVER BOOKS gegründet. Der neue Verlag wird unter anderem Stoffe aus dem besten aller Webzines (www.evolver.at natürlich!) in Buchform veröffentlichen. Damit Sie was in der Hand haben. Am Strand, wo das E-Book doch bloß sandig wird, in der Hängematte, unter der Bettdecke, auf dem Sofa und natürlich im Bücherregal.“ (Slow Media! So sieht es also aus? The Next Big Thing!)
THE NAZI ISLAND MYSTERY
„Das erste von EVOLVER BOOKS verlegte Buch ist der überarbeitete, verbesserte und noch knalligere Director’s Cut von THE NAZI ISLAND MYSTERY, inkl. Regiekommentar, Star-Galerie und Interviews. Der Schmutz & Schund-Roman der Sonderklasse erzählt das erste Abenteuer der sexy Geheimagentin Kay Blanchard – blutig, spannend und obszön, wie sich das gehört. Autor des knalligen Spektakels ist Co-Verleger Robert Draxler, der die schrille Story unter dem Pseudonym r.evolver veröffentlicht. Peter Hiess beschreibt „The Nazi Island Mystery“ als die wahre Rückkehr der Pulp-Fiction. Pate standen die Romane um Modesty Blaise, die Ilsa-Filme und die Ullstein-Krimis der sechziger und siebziger Jahre mit dem roten K, die von Autoren wie Nick Carter, John Edwards und Ellery Queen geschrieben wurden.
Leicht und locker in zwei, drei Stunden zu lesen und trotzdem spannend. Sex und Gewalt, Drogen und Rock’n’Roll – und dann noch einmal ordentlich viel Sex. Alles über die Entstehungsgeschichte von THE NAZI ISLAND MYSTERY erfahren Sie auf www.evolver.at.
Buchbestellungen direkt bei EVOLVER BOOKS: www.evolver-books.at oder bei Amazon. Und der Autor dieser propagandierenden Zeilen wird natürlich in der Hölle der objektiven Berichterstattung braten …
Titanic-Titel „Kirche heute“
Als Journalist lernt man, bei drei Themen vorsichtig zu sein: Kinder, die katholische Kirche, der Papst. Die letzteren beiden nicht etwa, weil das gesetzliche oder journalistische Regeln so wollen. Sondern weil das am meisten Ärger nach sich zieht. Diesen Ärger hat die Titanic nicht gescheut, die derzeit auf dem Cover Jesus am Kreuz und einen Pfarrer in mißdeutbarer Konfiguration zeigt.
Besonders faszinierend finde ich, wie der Hype darum in sozialen Medien kristallisiert: Die Facebook-Gruppe Wir protestieren aufs Schärfste gegen das aktuelle Titanic Cover versammelt Anhänger, die das Cover nicht ganz so gelungen finden, und steht derzeit bei 1.472 Mitgliedern. Die Facebook-Gruppe Wir unterstützen aufs Schärfste das aktuelle Titanic-Cover versammelt Anhänger, die das Cover ganz proper finden und kommt auf 3.275 Mitglieder. Das spricht ein wenig für die These, dass dieses Teufelszeugs namens Internet die Menschen vom Glauben abbringt.
Ich finde zwar das Cover nicht verwerflich, weil es ein Jesuszitat manifestiert (absichtlich oder zufällig, wer weiß das schon) und damit schon im Voraus die Bigotterie der erwartbaren Angriffe entlarvt; allerdings finde ich, man muss auch nicht immer alles auf die Spitze treiben und mit „Kirche heute“ schert man einfach zu viele über einen Kamm. Daher kann ich keiner der beiden Gruppen beitreten.
Hier das Ergebnis meines Versuchs, eine Gruppe zu finden, der ich beitreten könnte:
Die Suche nach „Katholiken gegen Missbrauch“ ergibt: nix (nur diese eine gezeigte Gruppe da). Auch andere Suchanfragen ähnlicher Art erbringen nichts, was aber wenig heißt; es mag doch die eine oder andere Gruppe dieser Art geben, die ich auf die Schnelle bloß nicht finde.
Ich glaube aber nicht dran. Ich glaube eher, es ist wie bei den Muslimen: Ganz groß jammern, wenn jemand ein unerwünschtes Bildchen malt, aber öffentlich gegen schwarze Schafe in denen eigenen Reihen auf die die Straße zu gehen, das ist dann doch nicht drin. So finde ich bei der Suche „Muslime gegen Terror“ die Seite www.muslime-gegen-terror.de:
Der grosse Konsum-/Wirtschaftsklima-Index-Hype
Selbst wer den Hype meidet, kommt nicht um ihn herum. Es vergeht zum Beispiel kein Tag, an dem einen nicht irgendein Radio- oder Web-Fritze ins Ohr tutet, dass a) alles zu Ende ist, aus, vorbei, weil nämlich die GfK einen Abwärtstrend im Konsumklima ausgemacht haben will, oder b) alles super ist, weil nämlich die GfK einen Aufwärtstrend im Konsumklima ausgemacht haben will.
Wie darf man sich das vorstellen? So: Noch Montags haben die Leute keine Lust, was zu kaufen, weil das Radio schon am frühen Morgen plärrt, das Konsumklima sei schlecht.Wer mit so einer Nachricht in den Tag startet, der hat keinen Hunger mehr, braucht nichts, will auch nichts mehr, schleppt sich zur Arbeit, verrichtet die schlecht, storniert Bestellungen … Die Folge: In den Läden gähnende Leere, Saturn und Media Markt wie ausgestorben, Wüstenheuballen rollen von rechts nach links durchs Bild.
Doch da, am Dienstag erholt sich das Konsumklima, Mittwoch morgen wird das von der GfK bekannt gegeben. Die sogenannte Konsumschwüle erreicht daraufhin am Mittwoch ihren Siedepunkt, wenn plötzlich alle konsumgeil in die Bars und Restaurants strömen und schlemmen und kippen, was das Zeug hält. Die Konsumtempel und Läden werden das Ansturms nicht mehr Herr, lange Schlangen an den Kassen entstehen, es gibt Prügeleien um Restposten…
So würde das weitergehen mit dem grenzenlosen, freudigen, nicht-nachhaltigen Konsum, würde nicht am Donnerstag verkündet, die Konjunktur erlebe einen leichten Dämpfer. Am Freitag dann der Konsumschock: Der Konsumklimaindex sinkt wieder, ja mehr noch, neue Forschungen zeigen, dass die Deutschen immer hoffnungsloser werden, alles ist Aus, vorbei, am Ende, nichts kann unseren Standort mehr retten, Schlusslicht in Europa, trotz Westerwelle, der 1-Mann-Motivationsmaschine, der quasi im Alleingang die Wirtschaft ankurbelt und unsere Unternehmen persönlich ins Ausland trägt. Hilft aber nichts, wenn die GfK meldet, dass die Hoffnungen weiter gedämpft bleiben, weil die Konsumverweigerer nun das Heft in der Hand haben. Wie wird man diese Kauf- und Kostverächter nur wieder los? Die Lösung: Organisierter Konsumterror …
Und so weiter, und so fort. Ganz toll. Hype^2 fordert: 1. Besseres Wording. Warum immer „gedämpft“ und „Abwärtstrend“ und „pessimistisch“? Solche defätistischen Meldungen haben zu unterbleiben – oder wenigsten euphemisiert zu werden. „Konsumenten optimistisch“, „Konsumenten immer noch optimistisch“ und „Konsumenten erneut optimistisch“ sind klar unterscheidbare Formulierungen, die dennoch jeden beruhigt weitershoppen lassen, ganz so, wie Ludwig Erhard das gewollt hätte. 2. Stündlich neue Untersuchungen! Derzeit arbeitet die GfK träge, langsam, „gedämpft“ (wie die Konjunktur) und gibt fleissigstenfalls monatlich kund, ob wir unseren Job verlieren („Abwärtstrend“) oder unsere Ex-Chefs mehr Geld kriegen („Aufwärtstrend“). Das muss besser werden, schneller, effektiver, stündlich, ja minütlich. Wer an der Kasse steht, muss per Handy doch jederzeit checken können, ob er als Käufer noch im Trend liegt – oder die Ware besser gleich wieder ins Regel legt und für eine Stunde konzentrierten Konsumverzichts einfach mal irgendwo eine graue Wand anstarrt. 3. Einfach mal das Maul halten, GfK. Ich will bitte gar nichts mehr hören von Auf und Ab, das ist nämlich so sinnstiftend wie Nachrichten zur Verhandlungslage in Palästina oder der alljährlich (bald wieder!) mehrfache Hinweis, der Papst habe den Segen Urbi et Orbi gespendet. (Das hielt ich natürlich für etwas überflüssig, bis ich soeben diesen Artikel las. Wahnsinn! Vollablass für alle, den Segen hören! Ahso, nur für Katholiken… wenn das der Jesus wüsste!)
Wikipedia immer lustiger
Das Wikipedia „krank“ ist, weiß jeder, der mal versucht hat, darin etwas beizutragen, aber nicht willens war, Fundamentalist zu werden. Besonders heiter stimmt mich aber heute dieser TP-Artikel über ein höchst verwerflich Ding’, mit dem auch die Keuschesten unter uns einst Kontakt hatten: „Vulva„.
Studie: Zweidrittelmehrheit gegen Internet
Die „digitale Gesellschaft“ ist in Wirklichkeit gar keine, zu diesem Schluss komme jedenfalls ich, wenn ich einen Beitrag wie diesen hier lese:
- Digitale Gesellschaft: Sechs Onlinetypen im Vergleich
ftd.de/it-medien/medien-internet/:digitale-gesellschaft-sechs-onlinetypen-im-vergleich/50091575.html
Natürlich versucht der Beitrag, diesen Eindruck zu vermeiden, in dem er anfangs die üblichen Beschwörungen des Hype zelebriert:
Die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Computer- und Internetnutzung lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen. Im Jahre 2009 nutzten hierzulande etwa 70 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren das Internet, Tendenz weiter steigend.
Papperlapapp. Die Studie, die der Artikel durchkaut, konstruiert sechs Typen,
- darunter „Der digitale Außenseiter“ (35 % der Bevölkerung), der vereinfacht gesagt vom Klicken keine Ahnung hat, und den die Studie als Glatzen-Opa mit Pfeife im Bart darstellt,
- sowie auch „Der Gelegenheitsnutzer“ (30% der Bevölkerung“), der zwar Klicken kann, aber lieber Zeitung liest, Radio hört und Nachrichten guckt, was jetzt bereits „klassische Medien“ sind,
… und weiter braucht man den Mist gar nicht lesen, denn 30 plus 35 sind 65 Prozent, also deutlich mehr als die absolute Mehrheit die man braucht, Kanzler zu werden oder Bundespräsident – fast eine Zweidrittelmehrheit.
Eine knappe Zweidrittelmehrheit der Bevölkerung, so kann man also dem Artikel entnehmen, interessiert sich fürs Internet also wenig bis gar nicht. Das ist die Wahrheit, die allerdings im Diskurs jener 3 Prozent der „digitalen Avantgarde (= wir und natürlich auch Sie), die sich – wie wir hier – für mächtig wichtig halten, selten bis gar nicht vorkommt. Don Alphonso bloggte heute ähnliches wie ich hier und hier schon schrieb, nämlich dass es Zeit wird, den ständigen Forderungen, alles müsse irgendwie online gebracht werden, öfter mal mit der Stimme der Vernunft entgegenzutreten, auch wenn man dann gerne als digitaler Maschinenstürmer gesehen wird. Oder als Glatzen-Opa mit Bart und Pfeife.
- Hier die Studie als PDF:
initiatived21.de/wp-content/uploads/2010/03/Digitale-Gesellschaft_Endfassung.pdf
Die Autoren der Studie sind übrigens gar nicht so euphorisch wie der FTD-Beitrag glauben macht, der den Inhalt der Studie so verzweifelt in Richtung Nutzwert zu drehen versucht, damit brave Marketeers ihn via kostenlose Pressearbeit als Twitter-Drohnen verbreiten. So heißt es bei den Machern:
Studie: Große Mehrheit der Deutschen ist nicht Teil der digitalen Gesellschaft: 35 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören zur Gruppe der „Digitalen Außenseiter“, 30 Prozent zu den „Gelegenheitsnutzern“. Lediglich 26 Prozent sind in der digitalen Alltagswelt angekommen.
… im Wortlaut bei tns-infratest.com. (Habe ich erst gelesen, als ich meinen Quark da oben schon verfasst hatte.) Haben wir so was, eine Verdrehung des Zweifels in Richtung Hype, nicht neulich schon gehabt? Ja genau, im Beitrag „Viele Marken meiden Social Media Plattformen„.
Übrigens: So stellen sich die Macher der Studie die „Digitale Avantgarde“ vor:
Sensation: Dieser „Digitale Avantgardist“ hat hier sichtlich den iPad-Klon einer Firma in der Hand, die ein angebissenes Birnen-Logo verwendet, ohne von Apple verklagt zu werden! (Wo doch jeder weiß, dass die digitale Avantgarde nur Original-Apple shoppt. Wegen Digi-LOHA und so.)
Das Hype^2-Manifest
Erinnert sich noch einer an das internet-manifest.de? Natürlich nicht, daher bringen wir es ja an dieser Stelle in Ihre Erinnerung. Auf slow-media.net/manifest/ wird nun die nächste Sau durchs Dorf getrieben, durchaus lesenswert während des Verzehrs der ersten Rosinensemmel des Tages zu Aupeo-Gedudel und Frühstücksfernsehen.
Hier das Hype^2-Manifest (raw, draft, to be refined):
- Du musst regelmäßig eine neue Sau durchs Dorf treiben.
- Du darfst nie absteigen, Du musst auch den allersttötesten Klepper noch weiter zu Tode reiten.
- Manifeste machen Dich wichtig, drum schreib feste neue Pamphlete!
- Nummeriere die einzelnen Punkte Deines Manifestes, das erweckt den Eindruck von Wittgenstein’scher Tractato-Tiefgründigkeit.
- Sei unkonkret und vage, sonst kann man Dir widersprechen.
- Verzichte auf Fakten, die sind prüfbar. (Ausnahme: Wischiwaschi-“Studien“.)
- Verwendete gerade so viel Fremdwörter, dass Du intelligent wirkst.
- Erfinde neue Wörter wie DigiPrekarème oder DigiBohèkariat, um zu zeigen, dass Du Begriffe wie Digital, Prekariat & Bohème mashen kannst. (Falls Sie sich fragen, was das ist: Das sind dauertwitternde Urbans mit iPhones und MacBooks, die sich mit miesen Aufträgen über Wasser halten, sich in Blogs als social media „Experten“ (oder „Enthusiasten“) bezeichnen und die in 40 Jahren gegen ihre magere Grundrente auf die Strasse gehen werden.)
- <Setzen Sie hier Ihren Manifest-Gedanken ein, schließlich sind wir hier voll User-Generated & social!>
- <Na, einen zweiten Manifest-Gedanken kriegen Sie auch noch hin, oder?>
- <Wow! Sie können auch gleich ein eigenes Manifest schreiben, so kreativ sind Sie! Bitte verweisen Sie in einem Kommentar zu diesem Post auf Ihr eigenes Manifest! Danke!>
- Verwirre Deine Leser – das fördert EigeneGedanken(TM)
- Stiehl das eine oder andere bei Dritten – merke: Man muss nicht originell sein.
Nur wer auf den Schultern von Riesen steht, wirft auch als Zwerg lange Schatten. Keiner weiß das besser als wir.
PS: Neues Jahr, neues Manifest: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0104/medien/0003/index.html – und ihr solltet eurer Webagentur echt mal Beine machen, die URLs gehen ja gar nicht.
PPS: Nachtrag vom 1.4.: Whoah, wir sind & waren ja sowas von unserer Zeit voraus… heute, drei Monate nach uns, stellt auch Don Alfonso die Frage nach dem Verbleib der Manifeste … allerdings ohne ein eigenes Manifest aufzustellen. Tsts, so wird man aber nicht Alfa-Expädhä!




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